Aachen - FEV GmbH: Ein kräftiger Job-Motor für die Region

FEV GmbH: Ein kräftiger Job-Motor für die Region

Von: Berthold Strauch
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Hochpräzise Forschung: Professor Franz Pischinger und sein Sohn Stefan an einem FEV-Prüfstand für Lkw-Motoren. Foto: Andreas Herrmann
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Blick von oben: Das FEV-Reich an der Neuenhofstraße in Aachen wächst weiter. Im rot markierten Bereich eines Parkplatzes entsteht das neue Bürogebäude. Die angemieteten Räume in beiden „Hochhäusern“ mit den gewölbten Dächern (vorne links) werden fast komplett von FEV-Mitarbeitern belegt. Am rechten Rand: ein kleines Stück der taiwanesischen Quanta Computer Germany, das FEV mitnutzt. Foto: FEV, Michael Jaspers (2)

Aachen. So eine rasante Erfolgsgeschichte ist selten geworden – in Aachen und der Region, aber auch fast überall weit darüber hinaus. Wo in vielen Betrieben Arbeitsplätze schmerzlich „abgebaut“ werden, wie es verharmlosend heißt, und sogar ganze Traditionsunternehmen mit einst blühenden Sparten vom Markt verschwinden, steht ein überaus strahlendes Unternehmen für einen kräftigen Wachstumsmotor – und das im Wortsinne rund um automobile Antriebe.

Auch weltweit setzt die FEV GmbH starke Impulse im Wirtschaftsleben vieler Länder.

Kaum zu glauben: Seit der Gründung im Jahre 1978 als Forschungsgesellschaft für Energietechnik und Verbrennungsmotoren mit vier Mitarbeitern, später FEV Motorentechnik, ist die High-Tech-Perle inzwischen zu einem global operierenden Unternehmen mit rund 2600 Beschäftigten gewachsen. Davon steuert Aachen alleine rund 1250 Jobs bei, während auf den zweiten regionalen Standort in Alsdorf rund 300 Beschäftigte entfallen. Und in drei Jahren werden global schon über 3000 Mitarbeiter erwartet.

Neues Bürogebäude geplant

Zum 35. Geburtstag der FEV GmbH verkündeten die beiden Gesellschafter, der Gründer Professor Franz Pischin-ger und sein Sohn Professor Stefan Pischinger, am Montag im Gespräch mit unserer Zeitung weitere spürbare Wachstumsimpulse. Und diese werden auch dem Standort Aachen gut tun. An der Neuen-hofstraße im Gewerbegebiet Eilendorf, wo seit 1990 das Entwicklungszentrum betrieben wird, soll noch in diesem Jahr mit dem Bau eines Bürotrakts begonnen werden. Das Investment beziffern Vater und Sohn Pischinger mit mehr als sieben Millionen Euro. In diesem Zusammenhang soll auch eine neue Cafeteria integriert werden.

Schon jetzt platzt FEV, ein führender Dienstleister für Konstruktion und Entwicklung konventioneller und alternativer Antriebe, dort aus allen Nähten. Im Umfeld müssen immer mehr Büroflächen angemietet werden, damit die zunehmende Auftragsarbeit bewältigt werden kann. Zum Beispiel gegenüber: Die beiden mehrgeschossigen Gebäude eines Privatinvestors werden fast komplett von FEV-Mitarbeitern belegt. Ebenso der Komplex des ehemaligen Textilunternehmens Siso nebenan, wo auch die Quanta Computer Germany (QCG) aus Taiwan sitzt, wird von FEV mit in Anspruch genommen. „Wenn wir selbst bauen“, sagt Prof Stefan Pischinger, der nach dem Rückzug seines Vaters aus dem operativen Geschäft das Unternehmen lenkt, „nutzen wir in der Regel auch die angemieteten Räume weiter.“

Auch Prof. Franz Pischinger, der in Kürze 83 Jahre alt wird, ist bei FEV noch überaus präsent – nicht nur als Vorsitzender der Gesellschafterversammlung, die alle wichtigen Unternehmensentscheidungen abstimmt. Bei prächtiger Gesundheit kümmert sich der aus Österreich stammende promovierte Ingenieur, der in der alten Heimat gerne wandert und auch noch Ski fährt, um besonders schwere Aggregate. Sie finden Verwendung in Lokomotiven, wie zum Beispiel des US-Konzerns General Electric, aber auch als Schiffsmotoren. Mittlerweile, so der Senior, würden „saubere“ Dieselmotoren bereits bei Schiffen verpflichtend, die küstennah operieren, während auf hoher See immer noch zähes Schweröl mit hohem Schwefelgehalt verfeuert werden dürfe. Doch die Anforderungen an den Umweltschutz wachsen weiter, erwarten die Pischingers.

Wie auch bei den herkömmlichen Personenwagen. Derzeit wird auf EU-Ebene ein neuer Grenzwert für die Emission des klimaschädlichen Kohlendioxids diskutiert. Demnach soll er bis zum Jahre 2020 auf 95 Gramm pro Kilometer reduziert werden – womit die deutschen Automobilhersteller, unterstützt von Bundeskanzlerin Angela Merkel, noch nicht so ohne Weiteres einverstanden sind. Dabei winkt am Horizont bereits die nächste Hürde, die es in absehbarer Zeit womöglich zu nehmen gilt – noch schärfere Grenzwerte zwischen 68 und 78 Gramm CO2 pro Kilometer.

Solche Flottenziele, bekräftigen die Pischingers, seien nur mit verstärktem Einsatz elektrisch angetriebener Fahrzeuge zu erreichen, wobei der Strom aus regenerativen Quellen stammen müsse.

FEV verfügt inzwischen über fünf „Engineering-Center“ mit über 150 Prüfständen, die die Forschung mit Blick auf solche Ziele vorantreiben. Zwei davon gibt‘s in Deutschland, neben Aachen in Brehna bei Leipzig. Wichtige Adressen sind auch die Center in Auburn Hills in den USA, im chinesischen Dalian nicht weit von der Grenze zu Nordkorea und im indischen Pune östlich von Mumbai. In Peking ist noch dieses Jahr der erste Spatenstich für einen neuen FEV-Standort geplant.

Alle großen Autohersteller

Niederlassungen bestehen hierzulande in Ingolstadt, München, Rüsselheim, Stuttgart und Wolfsburg – womit naheliegt, mit welchen großen Autoherstellern kooperiert wird: mit allen namhaften Adressen der Branche, wollen Franz und Stefan Pischinger aber nicht zu konkret werden, wer ihre Partner sind. Insgesamt 28 FEV-Entwicklungsstandorte und Büros werden rund um den Globus von Aachen aus gesteuert.

Stefan Pischinger leitet – wie zuvor sein Vater – auch den Lehrstuhl für Verbrennungskraftmaschinen (VKA) an der RWTH – eine ideale Verbindung zwischen Lehre und praktischer Anwendung, schwärmen die Professoren. Dabei wäre es fast nichts geworden mit der familieninternen Nachfolge – die zuständigen ministeriellen Berufungsinstanzen zauderten.

Wie auch, als Franz Pischinger FEV gründen wollte. Ein Hochschullehrer als Unternehmer – da gab es schwere Bedenken. Erst der damalige NRW-Wissenschaftsminister Johannes Rau, der spätere Bundespräsident, räumte die Zweifel seiner Beamten beiseite.

„Alle Auflagen habe ich erfüllt“, erzählt der Gründer – bis auf eine: FEV sollte „nie mehr Mitarbeiter als mein Institut haben“. Damals waren es dort etwa 70, aktuell etwa 200. Dass er sich über diese Klausel einfach hinwegsetzte, hat übrigens bislang niemand moniert . . . Zum Glück! Sonst hätte es diesen enormen Job-Motor wohl nicht gegeben. Apropos: Allein in Deutschland werden über 100 hochquali-fizierte Mitarbeiter gesucht.

2012 betrug der Jahresumsatz mehr als 270 Millionen Euro. Dieses Jahr werden bereits deutlich über 300 Millionen Euro angepeilt. Davon steuern Aachen und Alsdorf allein zwei Drittel hinzu. Die Gewinne bleiben im Familienunternehmen – und die investiert FEV wieder in attraktive, vielversprechende neue Projekte

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