Feuerwalze rast durchs Venn: Dramatische Nacht

Von: Elke Silberer, dpa
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Großbrand im Hohen Venn
Ein Großbrand hat rund ein Fünftel des bedeutenden Naturschutzgebietes Hohes Venn bei Aachen vernichtet. Beim größten Brand dort seit 60 Jahren seien rund 1000 Hektar vernichtet worden - das ist etwa dreimal so groß wie der Central Park in New York. Foto: dpa

Eupen/Monschau. Der Boden ist schwarz. Rauchschwaden ziehen übers Venn. Bizarre Szenerie mit abgestorbenen Baumgruppen. Ein Funke reicht, das wusste jeder. Der Ostermontag war fast vorbei - noch ein paar Stunden, und Ausflügler und Wanderer hätten sich aus dem Naturschutzgebiet bei Aachen verzogen.

Am späten Nachmittag Alarm: Das Venn brennt! 1000 Hektar Fläche - eine Fläche dreimal so groß wie der Central Park in New York - werden Raub der Flammen, ein Fünftel des gesamten Moores. Trotzdem sagt Forstmann René Dahmen am Dienstag: „Wir sind mit einem ganz dicken blauen Auge davongekommen.”

Er hatte damit gerechnet, dass etwas passieren kann, wie der Leiter des Forstamtes Elsenborn am Venn sagt. Er hatte Bereitschaft. Es ist zundertrocken, wie zuletzt 1947. Das belgische Venn ist seit Wochen für Wanderer gesperrt, der Vennrand aber begehbar. Es waren auch Wanderer, die Alarm schlugen. In Minuten wurde aus dem Feuerchen eine Feuersbrunst. Das trockene Gras des Vorjahres wurde zum natürlichen Brandbeschleuniger. „Es war eine Feuerwalze, die mit unglaublicher Geschwindigkeit durchs Venn raste”, beschreibt Dahmen die gespenstische Szenerie.

350 belgische und deutsche Feuerwehrleute kämpfen und haben schlechte Chancen. Weit und breit kein Wasserzugang. Das Gelände ist unwegsam und weit weg von Straßen. Der kräftige Wind treibt ein unsägliches Spiel, wechselt ständig die Richtung. „Knochenarbeit hoch drei”, sagt Dahmen nach der dramatischen Nacht.

Es ist wie ein Kampf gegen Windmühlen. Während die Flammen mühelos auf die angrenzenden Wälder zurasen, bahnen sich die Wehrleute mühsam mit schweren Tank- und Kettenfahrzeugen den Weg. Wenn es mit dem Verlegen der Schläuche nicht schnell genug geht, greifen sie zu Feuerpatschen. Plötzlich dreht der Wind.

In letzter Minute verhindern deutsche Helfer ein für das Schutzgebiet ökologisches Desaster und retten mit verbissenem Einsatz einen aktiven Teil des Moors. „Das ist ein hochsensibler Lebensraum, der sich nicht mehr erholt hätte”, sagt Dahmen. In seinen Worten schwingt Dankbarkeit mit.

Brisante Stunden auch bei der Feuerwehr. Die hat ihr Leitzentrum in einem Lokal eingerichtet, in dem kurz vorher noch Oster-Wanderer ihr Bier genossen haben. Doch plötzlich dreht der Wind und die Flammen rasen auf das Haus zu. Die Feuerwehr habe alle in Sicherheit gebracht, schildert Einsatzleiter Claude Marchal am Tag danach. Alles geht gut. Die alte Herberge steht unbeschadet.

Marchal geht von einer Unachtsamkeit aus: Vielleicht eine weggeworfene Zigarette. „Wir können ja nicht alles sperren”, meint René Dahmen. Die große Masse sei ja nicht das Problem - der Einzelne, die kleine Unvorsichtigkeit. Aber Dahmen macht auch Hoffnung. Die Natur werde sich schnell erholen. „In fünf, sechs Wochen ist alles wieder grün”, sagt er. Erleichterung auch bei der Feuerwehr: Es gibt keine Torfbrände wie vor zwei Jahren in Russland.
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