Felix Jaehn: „Ein Auftritt beim Tomorrowland wäre schön“

Von: Katrin Fuhrmann
Letzte Aktualisierung:
10402887.jpg
Jung und erfolgreich: Im Alter von 20 Jahren legt DJ Felix Jaehn auf internationalen Festivalbühnen auf. Im Juli kommt er auch zum Festival „Rockaue Open-Air“ nach Bonn. Viele seiner Remixes sind Hits der deutschen Single-Charts. Foto: Martin Weinhage
10402748.jpg
Felix Jaehn kommt zum „Rockaue Open-Air“. Foto: Julia Nimke

Bonn. Felix Jaehn ist gerade 20 Jahre alt. Mit dem Remix „Cheerleader“ von Omi und mit „Ain’t Nobody“ ist der gebürtige Hamburger zurzeit mit Hits in den deutschen Singel-Charts vertreten. Auch in Europa macht er sich zunehmend einen Namen.

 Jüngst war er beim Festival „Seltsames Verhalten“ in Würselen zu Gast und tritt am Wochenende bei „Rockaue“ in Bonn auf. Wie er überhaupt zur Musik gekommen ist, woher die Inspiration für seine Songs nimmt und was er sich für die Zukunft wünscht, erzählt der DJ und Produzent im Gespräch mit unserer Zeitung.

Herr Jaehn, als Sie angefangen haben Musik zu produzieren, hätten Sie vermutlich nicht damit gerechnet, dass Sie so schnell erfolgreich werden?

Jaehn: Natürlich habe ich nicht damit gerechnet. Es war immer mein Traum, die Musik zum Beruf zu machen. Dass es so schnell gegangen ist, macht mich wirklich happy. Ich habe 2012 mein Abitur gemacht und war seit dem dreimal für verschiedene Studiengänge eingeschrieben. Ich musste mich Jahr für Jahr durchkämpfen, um weiter Musik machen zu dürfen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich mich momentan voll und ganz auf die Musik konzentrieren kann und ich erst einmal das machen kann, was mir wirklich Spaß macht.

Wie sind Sie denn überhaupt zur Musik gekommen?

Jaehn: Ich war schon als Kind sehr musikalisch. Mit sechs Jahren habe ich angefangen Geige zu spielen – bis zu meinem 14. Lebensjahr. Als es irgendwann dann nicht mehr ‚cool‘ genug war und Orchesterproben und Fußballturniere an einem Tag stattfanden, habe ich das Geige spielen aufs Eis gelegt. Mit 16 Jahren bin ich aber übers Auflegen wieder zurück zur Musik gekommen. Anfangs waren das hauptsächlich Abipartys und Geburtstage.

Woher nehmen Sie die Inspiration für Ihre Remixe und Songs?

Jaehn: Meine Inspiration nehme ich aus dem Leben. Das, was ich jeden Tag erlebe, alle Eindrücke und Emotionen verarbeite ich in meinen Produktionen. Das können Reisen und interessante Menschen sein, aber auch Ausflüge mit Freunden und der Familie.

Es gibt verschiedene Richtungen in der elektronischen Musik. In welcher sind Sie zu Hause? Welchen Stil haben Sie?

Jaehn: Ich beschreibe meinen Stil immer als Melodic-House. Viele nennen es Deep-House, aber wirklich ‚deep‘ ist meine Musik ja nicht. Die Szene-Leute würden sich sicher beleidigt fühlen, wenn ich meine Musik in diesen Stil einordnen würde. Es kommt zwar ursprünglich aus dieser Richtung, aber mein Stil hat sich in die melodische Richtung entwickelt. Es gibt in meinen Songs sehr viele Vocals und echte Instrumente. Sie sind als melodische, vollwertige Lieder mit vielen Housebeats einzuordnen.

Haben Sie auch Vorbilder? Oder gibt es Künstler, mit denen Sie gerne zusammenarbeiten würden?

Jaehn: In den vergangenen Monaten habe ich diese Frage immer mit Ed Sheeran und Sia beantwortet. Glücklicherweise hatte ich vor kurzem die Möglichkeit zumindest schon einmal einen Remix von Ed Sheerans Song „Photograph“ zu machen. Mein Traum wäre es aber mit den beiden Künstlern ein eigenes Lied zu komponieren. Aber das ist vielleicht noch ein bisschen weit weg. Vielleicht kann ich mir den Traum in den nächsten Jahren noch erfüllen. Avicii und Calvin Harris sind Produzenten und vollwertige Songwriter, mit denen ich auch gerne arbeiten würde.

DJ ist vermutlich nicht unbedingt der Beruf, den sich Eltern für ihre Kinder wünschen. Haben Ihre Eltern Sie von Anfang an unterstützt oder waren sie anfangs etwas skeptisch, was Ihre Pläne betrifft?

Jaehn: Unterstützt haben mich meine Eltern von Anfang an. Nach dem Abitur haben sie es mir ermöglicht nach London zu gehen und dort Musik zu studieren. Das kann man mit 17/18 sicher nicht auf eigene Faust. Es gab natürlich auch kritische Phasen. Als ich mein Bwl-Studium abgebrochen habe und eigentlich keinen Plan-B hatte, ist das nicht unbedingt auf Begeisterung bei meinen Eltern gestoßen. Ich habe mir dann aber einen Studienplatz im Bereich Medienmanagement gesichert – und alles war wieder gut (lacht). Als dann die ersten, offensichtlichen Erfolge als DJ kamen, waren sie sehr glücklich und stolz.

Welcher Gig hat Sie bislang am meisten beeindruckt? Ist Ihnen einer besonders in Erinnerung geblieben?

Jaehn: Im Oktober habe ich zusammen mit Robin Schulz in Paris aufgelegt. Das war einer der besten Gigs überhaupt. Das Publikum war unglaublich. Ende Juni habe ich in Marseille in einem Fußballstadion, wo auch namenhafte DJ aufgetreten sind, aufgelegt. In einem so großen Stadion aufzulegen mit einem Publikum, das total mitgeht und feiert ist schon sehr beindruckend. Ein unbeschreibliches Gefühl.

Sie sind viel unterwegs. Bleibt da überhaupt noch Zeit für Freunde und Familie?

Jaehn: Ich habe weniger Zeit als früher. Aber die Zeit, die wir zusammen verbringen ist sehr intensiv. Ich versuche mir die Zeit für Freunde und Familie zumindest alle ein, zwei Wochen zu nehmen. Zwischen meinen Gigs bin ich auch immer mal wieder zu Hause. Ich finde das sehr wichtig, denn die ganzen Eindrücke und Erfahrungen, die ich zurzeit mache, muss ich verarbeiten. Ich bin zwar sehr ehrgeizig und ich habe auch ein großes Team um mich herum, das mir meinen Kalender ordentlich zupackt, aber die Zeit mit der Familie darf nicht fehlen und das gönnen sie mir auch. Langfristig ist es wichtig, sich ab und zu mal einen Tag frei zunehmen, sonst brennt man aus.

Gibt es denn noch irgendetwas, dass Sie sich wünschen oder sind Sie auf Grund dessen, dass Sie ihren Traum leben, wunschlos glücklich?

Jaehn: Tatsächlich ist es so, dass ich mir viele Träume und Wünsche schon erfüllen konnte. Ich habe mir immer gewünscht eine Tour durch Amerika zu machen – auch dieser Wunsch geht Ende August in Erfüllung. Momentan arbeite ich an meinem ersten, eigenen Album. Das war vor einiger Zeit auch nur ein Traum. Mein Ziel ist es, dass ich so lang wie möglich mit dem, was ich gerade mache, weiter machen kann, weil es mir einfach sehr viel bedeutet. (überlegt kurz) Ein Auftritt bei Tomorrowland wäre allerdings auch ganz schön.

Wann können wir denn mit Ihrem Album rechnen?

Jaehn: Einige Demos und Songs sind schon fertig. Es ist aber noch viel Arbeit. Einen genauen Veröffentlichungstermin kann ich noch nicht nennen. Wahrscheinlich irgendwann im nächsten Frühjahr.

Wie viel Zeit verbringen Sie im Studio?

Jaehn: Sehr viel. Vor kurzem war ich in Stockholm und London für die Produktion. Da war ich wirklich jeden Tag mehrere Stunden im Studio und habe an weiteren Songs gearbeitet. Da ich auch eigene Texte schreibe und selbst mit komponieren möchte, muss ich viel Zeit in die Studioarbeit investieren. Glücklicherweise kann ich bei längeren Flügen auch vom Laptop arbeiten. Dann kann man die Zeit wenigstens sinnvoll nutzen, um weiter an Songs zu basteln.

Ein 24-Stunden Job also?

Jaehn: An manchen Tagen schon. Es sind ja nicht nur die Gigs und die Produktion, die viel Zeit in Anspruch nehmen. Pressetermine, der Austausch mit anderen DJ-Kollegen und die Pflege der sozialen Netzwerke kosten ebenso Zeit. Ich bin aber dankbar dafür, dass ich arbeiten darf. Zwar ist es manchmal wirklich anstrengend. Aber das ist alles positiver Stress. Schließlich habe ich das Glück, Beruf, Traum und Hobby vereinen zu dürfen.

Zu guter Letzt: Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Jaehn: Im Idealfall sehe ich mich natürlich noch als DJ und Produzent. Ich könnte mir vorstellen, wenn ich das Ganze fünf Jahre durchgezogen habe, dass ich mir dann auch schon mal zwei oder drei freie Tage gönnen kann (lacht). Langfristig würde ich mich gerne als Produzent etablieren. Dann könnte ich auch für neue, junge Künstler Songs schreiben. Aber jetzt will ich erst einmal Vollgas geben und mal gucken wie weit ich springen kann.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert