Fashionclash-Festival in Maastricht: Hat Mode Sinn?

Von: Leandra Kubiak
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Foto: Kubiak

Region. Wo hört Mode auf, und wo fängt Kunst an? Hat Mode überhaupt einen Sinn, wenn sie – zumindest in unserer Zeit und Kultur – nicht tragbar ist? Das sind die Fragen, die man sich stellt, wenn man sich mit den Modedesigns beschäftigt, die auf dem diesjährigen Fashionclash-Festival in Maastricht vorgestellt werden.

Antworten darauf kann und will das Event zwar nicht geben, aber zum Nachdenken über genau diese Fragen anregen.

„Fashion makes sense“, also etwa „Mode macht Sinn“, lautet das Motto der neunten Ausgabe. Zu verstehen ist der Satz im doppelten Sinne: Denn „sense“ steht hier nicht nur für die Sinnhaftigkeit, sondern auch für die Wahrnehmung, also für unsere Sinne. „Die erste Kleidung, die wir tragen, ist im Prinzip unsere Haut“, sagt Laurens Hamacher, neben Branko Popovic und Nawie Kuiper einer der Veranstalter des Festivals. „So wie der Körper, in dem wir uns befinden, etwas über uns aussagt, sagt auch die Kleidung, die wir tragen, etwas über uns aus“, meint Popovic. Im Prinzip würde man immer eine gewisse Botschaft mit dem übermitteln, was man trägt. „Wir kommunizieren also auch über Mode“, verdeutlicht Popovic.

Wenn man sich mit den beiden Designern unterhält, dann geht es nicht um Schnitte oder um Farben. Es geht nicht darum, was in der nächsten Saison angesagt sein könnte, sondern darum, welche Bedeutung Mode überhaupt zukommt, welche Botschaft sie vermittelt. Mode sei letztlich eine Antwort darauf, was gerade in der Welt los ist, sagt Popovic. Es gebe zu jeder Zeit so viele Herausforderungen in der Welt, das könne man auch als Designer nicht ausblenden.

Eine feste Größe

Das Team um „Fashionclash“ versteht sich nicht als Teil des Fashion-Mainstreams – im Gegenteil. Die Haltung vieler großer Modedesigner lehnen sie eher ab. Wichtig ist dem Trio deshalb auch, dass sich das Festival an jeden richtet. „Man muss keine Ahnung von Mode haben und sich auch nicht so kleiden“, versichert Hamacher. „Das tue ich ja auch nicht“, fügt er schmunzelnd hinzu und blickt auf seinen dunkelgrau melierten Pulli hinunter.

„Bei unserem Verständnis von Mode geht es in erster Linie um den Menschen“, meint Popovic. „Viele, die unser Festival schon besucht haben und die Modewelt kennen, empfinden das als sehr erfrischend.“ Und beim Event seien auch Designer dabei, die ganz klar sagen würden: „Mode hat keinen Sinn!“

Die erste Ausgabe des Festivals hat es im Jahr 2009 gegeben. Angefangen hat es als Event, das Designern aus der Region eine Bühne geben wollte. Die Veranstaltung habe schnell an Popularität und Bekanntheit gewonnen, erzählen die Veranstalter. Inzwischen ist das Fashionclash-Festival eine feste Größe in der Modewelt und zieht Modeschöpfer aus der ganzen Welt an. „Das ist schön, so etwas in einer kleinen provinziellen Stadt wie Maastricht zu erreichen“, findet Hamacher. Große Mode-Events erwarte man eher in Metropolen wie Berlin. Ein weiteres Vorurteil also, mit dem die Gruppe aufräumen kann.

In diesem Jahr kommen 150 Designer aus 25 Ländern, darunter Modemacher aus Australien, Argentinien, Portugal, Russland, England, Frankreich und Deutschland. Die Modelle, die die Kleidungsstücke präsentieren, seien größtenteils keine professionellen Models, sondern Menschen, die das selbst erst ein- oder zweimal gemacht haben, erläutert Hamacher.

Wer seine Kreationen beim Festival präsentieren darf, wählen die Veranstalter jedes Jahr ganz genau aus. Die ausgefallenen und oft skurrilen Schöpfungen sind meist avantgardistisch. Eines bekomme man in jedem Falle nicht zu sehen, versichert Hamacher: „Mode, die man kennt.“ Bei der Auswahl der Designer gehe es aber nicht nur darum, dass die Stücke auffallen. Es gehe auch um die Geschichte, die hinter den einzelnen Kollektionen steckt. Der Designer Alessandro Trincone beispielsweise beschäftige sich stark mit dem Thema Geschlechterrollen.

Er entwirft beispielsweise elegante und historisch anmutende lange Kleider, die von Männern präsentiert werden. „Wir wollen möglichst viele Facetten von Mode zeigen“, betont Hamacher. Auch der Prozess, der hinter einer Kollektion stehe, werde auf dem Festival veranschaulicht. So sei dieses Jahr ein Designer dabei, der seine Kleidungsstücke mit Hilfe von Bakterien einfärbt, erzählt Popovic. Wie das funktioniere, werde auf dem Event gezeigt.

Das Festival ist übrigens nicht das einzige Projekt, mit dem sich die drei Kreativen derzeit befassen. Zeitgleich mit dem Auftakt des Festivals am 29. Juni öffnet in Maastricht auch das „Forza Fashion House“, eine Art Gründerzentrum für junge Modedesigner, seine Türen. Ziel von Popovic, Hamacher und Kuiper ist es, künftig nicht nur einmal im Jahr Designer in die Region Limburg zu locken, sondern Newcomer auch dauerhaft in der Region rund um das Dreiländereck zu halten. Das neue Zentrum soll ihnen dabei Starthilfe geben und wird ab dem Sommer außerdem der neue Sitz von Fashionclash sein.

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