Familie Leuchter: Mit jecker Zahl durch die jecken Tage

Von: Sonja Essers
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Karneval
Die Session 2013/2014 war sein bisheriger Höhepunkt: Christian Leuchter war Karnevalsprinz. Und Caren Leuchter ist natürlich stolz auf ihren Sohn. Foto: Sonja Essers
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Zusammen Fotoalben schauen: Da kommen Erinnerungen an viele gemeinsame karnevalistische Jahre hoch: Caren Leuchter mit ihrem Sohn Christian aus Eschweiler. Foto: Sonja Essers
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Der Indestädter hat Spaß daran, auf der Bühne zu stehen. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. Aus dem Karnevalstreiben ihrer Heimatstadt sind diese beiden genauso wenig wegzudenken wie Tünnes und Schäl aus Köln: Caren und Christian Leuchter. Altersmäßig lassen sich die Jecken zwar noch lange nicht mit dem Wort Urgestein in Verbindung bringen, rechnet man aber die Stunden ihres karnevalistischen Engagements zusammen, würden diese mit Sicherheit für mehrere Leben reichen.

Wie viele es genau sind, kann das Mutter-Sohn-Gespann nicht sagen. Fest steht jedoch, dass beide in diesem Jahr ganz besondere Jubiläen feiern. Christian Leuchter hat gerade sein 222. eigenes Lied geschrieben und veröffentlicht, Mutter Caren ist als Damenpräsidentin in ihrer 30. Session.

Es muss so etwas wie ein persönliches Karnevalsgen in der Familie geben. Dass beide karnevalsbegeistert sind, war schon früh klar, dass sie allerdings einmal so erfolgreich sein würden, liegt nicht nur zweifelsohne am vorhandenen Talent, sondern auch an einigen ungewöhnlichen Situationen.

Wenn Caren Leuchter auf ihr karnevalistisches Leben blickt, bekommen ihre Augen einen ganz bestimmten Ausdruck: Ein Leuchten breitet sich in ihnen aus. Zahlreiche Fotos zeigen, dass sie sich auf den Eschweiler Bühnen bestens auskennt und im Karneval ein zweites Zuhause gefunden hat. Vorsichtig streicht sie über die hinter Folie verwahrten Fotos, die den Betrachter in eine andere Welt entführen. „Damals haben wir Hüte für die Frauen zurechtgelegt. Auf eine Damensitzung ging man nämlich nicht im Kostüm, sondern man putzte sich heraus“, sagt sie.

Damals, das war im Jahr 1988, als Caren Leuchter zum ersten Mal die karnevalistische Bühne in Eschweiler betrat. Den Karneval liebt sie seit Kindertagen. Mit ihren Eltern und Geschwistern lebte sie in Imgenbroich in der Eifel. Sie und ihr Vater machten sich jedoch regelmäßig auf den Weg in die Indestadt. Auf der Kindersitzung der KG Laetitia Blaue Funken Weisweiler, der die Familie angehörte, tanzten sie und ihre Freundinnen zu den Klängen des Radetzky-Marsches. „Das war für mich das Größte“, sagt sie rund 50 Jahre später.

Im Jahr 1987 – Caren Leuchter lebte mit ihrem Mann Bernd und den beiden Söhnen Christian und Sebastian mittlerweile in Eschweiler – suchte die Eschweiler Scharwache ein Damengremium, das sich um die Ausrichtung der Damensitzung kümmerte. „Alle Scharwachfrauen wurden damals angeschrieben“, erinnert sich Leuchter, deren Mann bereits damals zu den Mitgliedern der Gesellschaft gehörte.

22 Jahre stand sie ab 1988 auf der Bühne und sorgte auch hinter den Kulissen für einen reibungslosen Ablauf. Sie und ihre Mitstreiterinnen kümmerten sich darum, dass jede Sitzung unter einem Motto stand, dass auch Gastvereine auftreten durften und dass der Prinz der Stadt den Damen einen Besuch abstattete.

Die ersten Schritte

Während Caren Leuchter die ersten großen Schritte im Karneval machte, tastete sich ihr Sohn Christian immer mehr an die Musik heran. Zwei Jahre nahm er am Gitarrenunterricht teil, Noten kann er allerdings bis heute nicht lesen. „Als ich alle Akkorde konnte, reichte mir das“, sagt er und lacht.

Bei den Pfadfindern machte ihm das Musizieren am Lagerfeuer besonderen Spaß. Ab und an sangen er und seine Freunde eigene Texte oder erfanden Melodien. Zum Abitur gründete er gemeinsam mit Mitschülern eine Band, schrieb seine ersten englischen Texte und machte sich als Musiker in der Region einen Namen.

Karnevalslieder lagen damals noch in weiter Ferne. Bis zu jenem Auftritt im Jahr 1997. Auf einer Karnevalsparty für Teenager machten Leuchter und seine Band Musik. „Plötzlich wurde uns klar, dass wir gar nicht genug Programm hatten, um den ganzen Abend zu füllen“, sagt er. Das Publikum forderte die Musiker lautstark dazu auf, Karnevalssongs zu spielen.

Also fasste Leuchter einen Entschluss. „Da die anderen aus der Band diese Musik nicht kannten, habe ich mich mit meiner Gitarre hingestellt und einfach drauflos gesungen.“ Mit Erfolg. Nach seinem Auftritt wurde er von der Eschweiler Mundartband Indesingers als Frontmann verpflichtet. Eigene Lieder in Mundart ließen nicht lange auf sich warten. Die ersten Schritte in den Karneval waren gemacht.

Für Mutter Caren Leuchter stand zeitgleich die nächste Herausforderung an: Sie wurde gefragt, ob sie eine zweite Sitzung leiten würde. Das Publikum bestand aus den Damen aller Eschweiler Kirchengemeinden. „Ich meine, ich wäre sogar in der Kirche gefragt worden“, erinnert sich Caren Leuchter und lacht. Im Februar 2000 sollte ihre Feuertaufe stattfinden, im November des Vorjahres stand allerdings noch kein Programm fest.

Für Caren Leuchter war das kein Problem. Sie hatte in den vergangenen Jahren genügend Kontakte geknüpft und stellte mit wenigen Anrufen eine abendfüllende Veranstaltung zusammen. „Die Künstler aus Eschweiler haben mir so oft geholfen, dafür bin ich sehr dankbar. Diese Verbundenheit macht Eschweiler einfach aus“, sagt sie.

Fürs Prinzengespann

Diese Mentalität findet sich auch bei Christian Leuchter wieder. Nicht nur für andere Mundartgruppen schreibt er mittlerweile Lieder, sondern auch nahezu jedes Jahr für das Eschweiler Prinzengespann. Und das kostenlos. Eines seiner Geheimrezepte für einen guten Song: seine Mutter. „Wenn ihr ein Titel nicht gefällt, weiß ich, dass er super ist“, sagt er, und beide lachen. Außerdem sei ihm wichtig, dass seine Lieder immer eine persönliche Note hätten. „Entweder haben sie mit mir zu tun oder mit den Leuten, über die ich schreibe“, sagt er.

Profi werden wollte der 40-jährige Familienvater allerdings nie. „Ich bin ein sehr sicherheitsbetonter Mensch. Jedes Jahr einen Hit liefern zu müssen, wäre für mich schwierig geworden“, sagt er. Christian Leuchter arbeitet als Leiter des Service Centers im Eschweiler St.-Antonius-Hospital, Caren Leuchter ist dort als Intensivkrankenschwester tätig. Nach ihrer Sitzung in diesem Jahr ist jetzt allerdings Schluss mit dem Rampenlicht.

„Ich habe diese Sitzung 18 Jahre geleitet. Das ist wie ein Kind, das groß wird. Man muss es auch mal loslassen“, sagt sie, wohl wissend, dass das nicht jedem in ihrem Umfeld gefällt. „Ich höre von vielen, dass sie es schade finden, wenn ich aufhöre. Das ist mir aber lieber, als wenn Leute sagen, ich wüsste nicht, wann es an der Zeit wäre zu gehen.“

Für Christian Leuchter ist diese Zeit noch nicht gekommen. Einen großen Traum hat er sich bereits erfüllt. In der Session 2013/2014 zog er als Prinz durch die Eschweiler Säle. Natürlich durfte da auch ein Auftritt auf der Damensitzung seiner Mutter nicht fehlen. Für beide Indestädter war dies ein Erlebnis, das ihnen auch heute noch in Erinnerung geblieben ist. „Das war einfach toll“, sagt Caren Leuchter.

Christian Leuchters Vorbild ist übrigens nicht Dieter Bohlen und auch nicht Wolfgang Amadeus Mozart. Mit beiden wird der Eschweiler Sänger – natürlich mit einem Augenzwinkern – verglichen. Das Vorbild des 40-Jährigen ist – wie könnte es auch anders sein – nur eingefleischten Karnevalisten ein Begriff: Hans Knipp.

Der Haus- und Hofkomponist der Kölner Band Bläck Fööss, der 2011 starb, liegt Christian Leuchter aus einem Grund besonders am Herzen: „Er hat in seinen Liedern immer viel Wert auf die Texte gelegt. Das hat mir gut gefallen, und daran habe ich mich auch orientiert.“ Knipp hat es übrigens auf 870 Lieder gebracht – da steht Leuchter noch einiges bevor. Zumindest an der Menge des Materials dürfte er nicht scheitern – die vielen Anekdoten seiner Familie dürften die nächsten 222 Titel sichern.

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