Falscher Müll in der Biotonne: Entsorger sehen System in Gefahr

Von: Daniel Gerhards
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Mikrowelle in der grünen Tonne: Foto: Daniel Gerhards

Würselen. Die Entsorgungsunternehmen in der Region sehen die Biomüllverwertung ernsthaft gefährdet. Der Grund: In den grünen Tonnen landet immer mehr Müll, der dort nicht hineingehört. „Wenn die graue Tonne voll ist, werfen viele Leute ihren Hausmüll einfach in die Biotonne“, sagt Ulrich Koch, Geschäftsführer der AWA-Entsorgung in Würselen.

Insgesamt landeten im Biomüll, der bei der AWA ankommt, rund 1800 Tonnen Plastik, Glas Metall und andere „Fehlwürfe“. Das entspricht sechs Prozent des angelieferten Biomülls. Auf dem Gelände der AWA an der Biovergärungsanlage in Würselen haben die Mitarbeiter bereits Feuerlöscher, Laptops, eine Mikrowelle und einen Automotor aus dem Bioabfall gefischt.

„Dafür fehlt mir jedes Verständnis“, sagt Koch. Auch Plastiktüten und benutzte Windeln landen Biomüll. „Fehlwürfe hat es immer schon gegeben, aber was da in letzter Zeit zusammenkommt, verschlägt uns die Sprache“, sagt Joseph Stiller von der AWA.

Die Tatsache, dass immer mehr Restmüll in der Biotonne landet, hat nun Konsequenzen. Weil sich nicht jeder Abfall so leicht aussortieren lässt wie ein sperriger Feuerlöscher, bleiben Rückstände im Kompost, der aus dem Biomüll gewonnen wird. Glassplitter lassen sich zum Beispiel nicht mehr herausfiltern, sie bleiben im Kompost. Joseph Stiller: „Große Teile, Plastik und Metall lassen sich mit Siebtrommeln, Windsichtern und Magnetabscheidern noch recht gut aussortieren. Gerade Glas ist für uns aber ein riesiges Problem.“

Und deshalb nimmt die Qualität des Komposts, der aus dem Biomüll der Region gewonnen wird, immer weiter ab. Wenn sie weiter fällt, darf die AWA den Kompost, der in Würselen entsteht, nicht mehr mit dem Label „Qualitätskompost“ versehen. „Es wird immer schwieriger die Kriterien zu erfüllen, die für Qualitätskompost angelegt werden, der in der Landwirtschaft als Dünger verwendet werden kann“, sagt Spiller. Wenn das nicht mehr gelingt, ließe er sich kaum noch verkaufen und müsse in der Müllverbrennungsanlage entsorgt werden, sagt Koch.

Wenn der aufwendig gewonnene Kompost im Anschluss entsorgt werden muss, entstehen dadurch Kosten. Und die können dazu führen, dass die Müllgebühren am Ende für alle Verbraucher steigen. Damit es nicht so weit kommt, starten AWA, Regio-Entsorgung und der Aachener Stadtbetrieb nun eine Kampagne, die darüber aufklären soll, was in die Biotonne gehört und was nicht. Die Entsorger hängen unter anderem Informationszettel an die Tonnen und verteilen Flyer.

Sollte sich dann nichts ändern wollen die Unternehmen auch zu drastischeren Maßnahmen greifen. Man könne zum Beispiel die falsch befüllte Tonne stehenlassen, sagt Peter Maier, Betriebsleiter des Aachener Stadtbetriebs. Und wenn die Müllmänner zu viel Hausmüll, Metall oder Glas in der Biotonne finden, könne man sogar ein Bußgeld verhängen, sagt Maier.

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