Kramer Freisteller Tippspiel

Falscher Dürener Arzt angeklagt

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
11898731.jpg
Sechs Jahre lang der Arbeitsplatz des falschen Arztes: das Krankenhaus Düren. Foto: Stephan Johnen

Düren/Aachen. Der 40 Jahre alte Mann aus dem Raum Köln/Bonn, der ohne abgeschlossenes Medizinstudium am Krankenhaus Düren als Arzt gearbeitet hat, wird sich sehr wahrscheinlich vor Gericht verantworten müssen.

Wie die Aachener Staatsanwaltschaft am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte, sei vergangene Woche Anklage gegen den Mann erhoben worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm mehr als 300 Körperverletzungen und Urkundenfälschung vor.

Der Mann hatte sich mit gefälschten Unterlagen eine Approbationsurkunde erschlichen, die so etwas wie eine Zulassung für Ärzte ist. Die ausstellende Behörde hatte die Fälschungen nicht bemerkt und deswegen nicht feststellen können, dass der Mann gar keinen Studienabschluss besitzt. Mit seiner Zulassung bewarb er sich 2006 an einer Kölner Klinik, an der er bis 2009 arbeitete. Danach wechselte er ans Krankenhaus Düren, wo er als Chirurg tätig war.

Im Laufe der Jahre hatte er als Assistenzarzt an Hunderten Operationen teilgenommen. Da er ohne abgeschlossenes Medizinstudium aber niemals an diesen Operationen hätte teilnehmen dürfen, wertete die Staatsanwaltschaft mehr als 300 dieser Operationen als Körperverletzung. Das Dürener Krankenhaus hatte im Herbst mitgeteilt, kein Patient und Vorgesetzter habe je die Arbeit des 40-Jährigen beanstandet.

Dass der Betrug überhaupt auffiel, ist wohl nur der Anmaßung des Mannes zu schulden, gleich zwei Doktortitel zu führen. Als ein Kollege nach den Dissertationen des 40-Jährigen suchte und diese nicht fand, schaltete er die Leitung des Krankenhauses ein. Nach kurzen Recherchen, die belegten, dass der Mann nie ein Medizinstudium abgeschlossen hatte und deswegen auch nicht promoviert haben konnte, machte die Krankenhausleitung den Fall publik und erstattete Anzeige.

Mittlerweile hat das Krankenhaus eine Regressklage gegen den falschen Arzt eingereicht. Nach Recherchen unserer Zeitung geht es um mehrere Hunderttausend Euro, sein Gehalt, das er zwischen 2009 und Herbst 2015 erhielt. Hingegen habe bislang lediglich eine Patientin, die unter Beteiligung des 40-Jährigen in Düren operiert worden war, Entschädigungsansprüche gegenüber dem Krankenhaus geltend gemacht, wie Krankenhaussprecher Christoph Lammertz am Mittwoch erklärte. Die Techniker Krankenkasse hatte gegenüber unserer Zeitung angekündigt, den Ausgang des Prozesses abzuwarten, bevor sie die Entscheidung trifft, ob sie Regress vom Krankenhaus Düren fordert. Das dürfte für andere Krankenkassen ebenso gelten.

Die entscheidende Frage

Das Amtsgericht Düren, vor dem der Fall verhandelt werden soll, wird in den nächsten Wochen die Zulassung der Anklage prüfen. In den seltensten Fällen ist die Zulassung der Anklage problematisch, doch im Verfahren gegen den 40-Jährigen gibt es eine entscheidende Frage: Ist das Gericht wie die Staatsanwaltschaft der Auffassung, dass die Beteiligung des 40-Jährigen an Operationen, bei denen immer auch der Chef- oder ein Oberarzt dabei war, als Körperverletzung zu werten ist? Ein erfahrener Strafrechtler aus der Region erklärte am Mittwoch gegenüber unserer Zeitung, es würde ihn überraschen, wenn das Gericht zu einem anderen Schluss käme.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.