Düren/Aachen - Falscher Chirurg: Jetzt ermittelt der Staatsanwalt

Falscher Chirurg: Jetzt ermittelt der Staatsanwalt

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
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Dort arbeitete der falsche Arzt, gegen den nun ermittelt wird: Das Krankenhaus Düren. Foto: I. Latotzki

Düren/Aachen. Die Aachener Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen einen 40 Jahre alten Mann aus dem Raum Bonn eingeleitet, der bis vergangene Woche als Chirurg am Krankenhaus Düren gearbeitet hat.

Der Mann hatte sein Medizinstudium nicht abgeschlossen, offenbar aber mit gefälschten Urkunden seine Berufserlaubnis erhalten und zunächst in einer großen Kölner Klinik, später dann am Krankenhaus Düren gearbeitet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen Betruges, Urkundenfälschung und Körperverletzung gegen den 40-Jährigen.

Nach Informationen unserer Zeitung hat der Mann während seiner Zeit in Düren an Hunderten Operationen mitgewirkt. Allerdings arbeitete der 40-Jährige im Rang eines Assistenzarztes, der noch in der Ausbildung zum Facharzt für Chirurgie war. Deswegen sei bei allen Operationen, an denen der 40-Jährige beteiligt war, ein Ober- oder der Chefarzt dabei und für die jeweilige Operation verantwortlich gewesen.

Wegen der Vielzahl der Operationen ist es dem Krankenhaus im Moment noch nicht möglich, genau zu sagen, ob es jemals Beschwerden über die Arbeit des 40-Jährigen gegeben hat. Allerdings sei es nie zu einem Prozess wegen eines ärztlichen Kunstfehlers gekommen, teilte Krankenhaussprecher Christoph Lammertz mit.

Das Dürener Krankenhaus muss damit rechnen, dass es zu Schadenersatzklagen kommen könnte. Ansprüche könnten nicht nur Krankenkassen haben, sondern auch Patienten, die von dem Mann operiert worden sind. Da er kein Arzt ist, könnte potenziell jede Beteiligung an einer Operation als Körperverletzung gewertet werden, weswegen unter Umständen auch von dem 40-Jährigen operierte Patienten Schadenersatz gegenüber dem Krankenhaus geltend machen könnten. Die Staatsanwaltschaft ist dabei zu prüfen, ob der 40-Jährige tatsächlich wegen Körperverletzung belangt werden kann.

Drittes Staatsexamen gefälscht

Aufgefallen war der Betrug, weil die Geschäftsführung des Dürener Krankenhauses Hinweisen nachgegangen war, die Promotionsurkunden des 40-Jährigen seien möglicherweise gefälscht. Er hatte bei seiner Einstellung angegeben, zweifach promoviert zu sein und zwei entsprechende Urkunden vorgelegt. Doch die Recherchen des Krankenhauses ergaben in der vergangenen Woche, dass der Mann nicht promoviert hatte, zumindest nicht in Medizin, und die Urkunde tatsächlich gefälscht haben muss.

Die Bezirksregierung Köln hatte dem 40-Jährigen seine Berufserlaubnis erteilt, dort hatte der Mann ein gefälschtes Zeugnis des dritten medizinischen Staatsexamens vorgelegt. Die Bezirksregierung stelle jedes Jahr 1500 Approbationen aus, teilte ein Sprecher mit. Die des 40-Jährigen sei die erste in der jüngeren Vergangenheit gewesen, die aufgrund eines gefälschten Zeugnisses ausgestellt worden sei.

Unklar ist im Moment, ob der Mann während seiner Zeit überhaupt eines der drei medizinischen Staatsexamen abgelegt hat. Für das Dürener Krankenhaus war zunächst nur von Belang, ob er das entscheidende dritte Staatsexamen absolviert hat, was nach Auskunft des zuständigen Landesprüfungsamtes nicht der Fall war.

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