Fall von Betriebsspionage: Wirtschaftskrimi in der Provinz Limburg

Von: Tobias Müller
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Ein Arriva-Zug fährt in den Münchner Hauptbahnhof ein: Die DB-Tochter übernimmt ab 2016 den öffentlichen Nahverkehr in der niederländischen Provinz Limburg. Foto: stock/Ralph Peters

Heerlen. Die Entscheidung ist gefallen: Von 2016 an wird der öffentliche Nahverkehr der Provinz Limburg durch den Anbieter Arriva bereitgestellt. Das machte die Provinz am Wochenbeginn bekannt. „Mit diesem Betrieb ist hochwertiger öffentlicher Verkehr in Limburg für die nächsten 15 Jahre garantiert“, sagte der zuständige Abgeordnete Patrick van der Broeck (CDA).

Das Angebot von Arriva entspreche den Anforderungen der Provinz.

Verbindungen nach Deutschland

Mit der Entscheidung kommt ein Schlusspunkt unter die Turbulenzen rund um die Vergabe der ÖPNV- Rechte in diesem Frühjahr. Im Februar hatte die Provinzverwaltung eigentlich Mitbewerber Abellio die Lizenz zugesprochen, ein Tochterbetrieb der Eisenbahngesellschaft Nederlandse Spoorwegen (NS). Deren Angebot hatte man den Konkurrenten Arriva und dem bisherigen Lizenzhalter Veolia vorgezogen.

Ende April jedoch wurde dieser Beschluss wegen eines Falles von Betriebsspionage zurückgenommen. Schlüsselfigur war der frühere Veolia-Direktor René De Beer. In der Zeit vor seinem Abschied im April 2014 gab De Beer vertrauliche Interna an die NS-Tochter weiter. Sollte Abellio die damals laufende Vergabeprozedur gewinnen, winkte De Beer im Gegenleistung eine Stellung als Direktor.

Wie schwerwiegend der Einfluss dieser Information war, beschreibt Wim Vondenhoff, ein Experte für solche Vergaben aus Heerlen: „Es stand 5:0 für Abellio in dieser Prozedur. Alle betriebsempfindlichen Informationen wurden von De Beer weitergegeben“, zitierte die Tageszeitung „De Limburger“ im April.

Ende Mai erstattete Veolia Anzeige gegen den früheren Chef. Darin wird De Beer persönlich für den Schaden verantwortlich gemacht, der Veolia durch den Skandal erwächst. Laut Informationen des Senders „L1“ könnte sich dieser auf über eine Million Euro beziffern.

Mit dem Zuschlag für die DB- Tochter Arriva, ursprünglich hinter Abellio zweitplatzierte Bewerberin, entscheidet sich die Provinz gegen eine völlig neue Lizenz- Prozedur. „Das Verfahren an sich war einwandfrei. Wir haben auf alles geachtet, nur auf eins nicht: Betriebsspionage“, sagte der Abgeordnete Patrick van der Broeck am Mittwoch im Gespräch mit unserer Zeitung.

Weil Abellio damit aus dem Rennen war, habe nun Arriva die Lizenz erhalten. Für die Reisenden, betont Van der Broeck, sei auch dies eine gute Lösung: „In einem Punktesystem bis zehn hätten wir Abellio achteinhalb bis neun Punkte gegeben und Arriva acht.“

Weiter weist Patrick Van der Broeck darauf hin, dass der zukünftige Limburger ÖPNV auch verstärkt auf Deutschland und die Grenzregion gerichtet ist. Von Ende 2017 an soll es in diesem Rahmen eine Zugverbindung von Aachen über Heerlen nach Maastricht geben. Innerhalb der nächsten zwei Jahre will man zudem die erforderlichen Schritte unternehmen, um die Verbindung bis nach Lüttich zu erweitern.

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