Köln - Fall Ömer B.: Schwerer Unfall, mildes Urteil

Fall Ömer B.: Schwerer Unfall, mildes Urteil

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:

Köln. Der Stolberger Verfahrensmechaniker Ömer B., der im Dezember 2011 in Köln einen Unfall verursachte, bei dem sechs Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt wurden, muss nicht ins Gefängnis.

Zwar wurde B. (32) Freitag verurteilt, seine Strafe aber setzte das Kölner Landgericht zur Bewährung aus. In erster Instanz war B. im September 2012 zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden, Freitag in zweiter Instanz zu nur noch zwei Jahren plus 600 Stunden Sozialarbeit. Oberstaatsanwalt Hans-Joachim Metzke erklärte nach der Verhandlung, er werde empfehlen, Revision einzulegen. Das Oberlandesgericht Köln hätte dann das letzte Wort.

Rüdiger Beitzel, der Vorsitzende Richter, zeigte schon in der Urteilsverkündung Verständnis dafür, dass nicht jeder seine Milde werde nachvollziehen können. Denn tatsächlich waren selbst die Richter während der Verhandlung nach Betrachten des Unfalls entsetzt, den eine Kamera der Kölner Verkehrsbetriebe zufällig mitgeschnitten hatte. Ömer B. war am Morgen des 4. Dezember 2011, einem Sonntag, um kurz nach 9 Uhr mit 95 Km/h über eine seit zehn Sekunden rote Ampel an der Kreuzung Aachener Straße/Melatengürtel gefahren.

Sein Mietwagen erfasste auf der Kreuzung ein querendes Auto, deren Insassen schwer verletzt wurden. B.s Auto wurde durch den Aufprall in Richtung einer Gruppe von Menschen geschleudert, die auf die Straßenbahn warteten. Vier Menschen wurden verletzt, eine Frau so schwer, dass sie bis heute ihrem Beruf nicht nachgehen kann.

Ömer B. war alkoholisiert und hatte schon seit 2007 keinen Führerschein mehr, er war zudem auf der Flucht nach einem leichten Unfall, den er wenige Minute zuvor auf dem Hohenzollernring verursacht hatte. „Dass bei dem zweiten Unfall niemand starb“, sagte Oberstaatsanwalt Metzke im Plädoyer, „war reiner Zufall“. Nach dem Unfall war B. zu Fuß geflüchtet und gestand die Tat erst Monate später.

Was am dritten und letzten Verhandlungstag am Freitag in Saal 32 des Kölner Landgerichts erörtert wurde, hätte auch Gegenstand eines juristischen Strafrechtsseminars für Jurastudenten der ersten Semester sein können. Im Wesentlichen ging es um die Frage, ob Ömer B. bei diesem zweiten Unfall mit, wie es genannt wird, „bedingtem Vorsatz“ handelte, oder lediglich mit „bewusster Fahrlässigkeit“, ob er wegen gefährlicher Körperverletzung oder lediglich wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt würde. Hätte das Landgericht, wie das Amtsgericht in erster Instanz, eine gefährliche Körperverletzung erkannt, hätte B. wohl eine Strafe erhalten, die nicht zur Bewährung ausgesetzt werden kann, er hätte ins Gefängnis gemusst, wie das Amtsgericht es entschieden hatte.

Nach den ausführlichen Stellungnahmen zweier Gutachter aber, sagte Richter Beitzel, habe sich kein eindeutiger Beweis dafür gefunden, dass B. die Verletzungen der sechs Menschen an der Kreuzung billigend in Kauf genommen, also mit bedingtem Vorsatz gehandelt hatte. Und da er B. „nicht in den Kopf schauen könne, gilt der Grundsatz: Im Zweifel für den Angeklagten“.

Da B. nicht ins Gefängnis muss, kann am Sonntag wie geplant seine Verlobung stattfinden, am Montag kann er eine Stelle in einer Autowerkstatt antreten. Bis er seine Schulden bezahlt hat, die der Unfall nach sich zieht, wird es jahre-, wenn nicht jahrzehntelang dauern. Und noch ist auch nicht klar, ob das gestrige Urteil vor dem Oberlandesgericht Bestand haben wird, falls die Staatsanwaltschaft in Revision geht.

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