Fall Jenny Böken: Jetzt sollen ausländische Experten ran

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
11646048.jpg
Jenny Böken: Die „Gorch Fock“-Kadettin starb 2008 auf hoher See. Unter welchen Umständen, ist bis heute nicht geklärt. Foto: dpa

Aachen/Geilenkirchen. Nach mehr als sieben Jahren gerichtlichen Kampfs um eine Aufklärung des Falles Jenny Böken ist kein Ende absehbar. Denn die Eltern der in der Nacht vom 3. auf den 4. September 2008 auf der Fahrt des Segelschulschiffes „Gorch Fock“ zu Tode gekommenen Kadettin aus Geilenkirchen-Teveren geben sich trotz kontinuierlichen Gegenwinds nicht geschlagen.

Der Prozess um die Frage des Schmerzensgelds geht jetzt in die nächste Instanz. Die Familie hatte vor dem Oberverwaltungsgericht Münster Berufung gegen die Entscheidung des Aachener Verwaltungsgerichts eingelegt, dass sie keinen Anspruch auf Schmerzensgeld haben. Die Berufung wurde vom OVG am Dienstag zugelassen.

Zudem hat die Familie die zweite Strafanzeige gegen den Schiffsarzt gestellt. Grundlage ist eine neue Zeugin, die im Aachener Verwaltungsgerichtsverfahren vom Oktober 2014 um eine mögliche Entschädigung im Todesfall Jenny Böken aufgetaucht, aber nicht gehört worden war.

Nach Angaben des Aachener Anwalts der Familie, Rainer Dietz, könne die Zeugin aus erster Hand bekunden, dass Krankendokumente über den Gesundheitszustand von Jenny Böken verschwunden seien, die sie als Sanitätsassistentin des Schiffsarztes damals selbst angelegt habe.

Nicht nur das Aachener Verwaltungsgericht, auch die Kieler Staatsanwaltschaft wolle der Spur nicht nachgehen, zürnt Dietz. Die Ablehnungsbegründung der Zeugin sei „zirkelhaft“, weil man einfach behaupte, sie könne in dem Fall nicht weiterhelfen, „ohne sie jemals angehört zu haben“. Eine Strafanzeige gegen den damaligen Schiffsarzt wurde von der federführenden Kieler Staatsanwaltschaft bereits abgelehnt.

Gegen die letzte Einstellungsverfügung des für den Fall Böken zuständigen Kieler Oberstaatsanwaltes Bernd Winterfeldt hat Dietz jetzt erneut Beschwerde eingelegt. Die Familie wirft dem Schiffsarzt seit dem Tod der damals erst 18-jährigen Sanitätsoffiziersanwärterin vor, er habe auf dem Törn des Schulschiffes Krankheitssymptome von Jenny Böken ignoriert und sogar später die Kranken- und Musterungsakte der Seekadettin manipuliert.

Diesen Vorwurf wischten die Kieler Ermittler mit der Begründung vom Tisch, dies sei, wenn überhaupt richtig, eine Urkundenfälschung und inzwischen verjährt. In der Frage der tatsächlichen Todesursache der Kadettin will die Familie nun internationale Sachverständige hinzuziehen. Grundlage ist hierbei eine Aussage des Forensikers Prof. Wolfgang Huckenbeck (Düsseldorf), dass ein Toter oder eine Tote dann nicht als ertrunken gelten könne, wenn man kein Wasser in der Lunge des Leichnams finde.

Auch in der Lunge Jenny Bökens hatte sich nach ihrem Auffinden kein Wasser gefunden, als sie Tage nach dem Überbordgehen in Höhe der Insel Norderney schließlich nahe Helgoland aus der Nordsee geborgen wurde. Falls diese Aussage generell stimme, müsse Jenny Böken beim Auftreffen auf die Wasseroberfläche bereits tot gewesen ein, stellen die Bökens fest.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.