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Fall Bonnie: Kommt jetzt endlich Licht ins Dunkel ?

Von: Udo Kals
Letzte Aktualisierung:
Michael Bonnie
Michael Bonnie war zum Zeitpunkt seines Verschwindens 41 Jahre alt, 1,86 Meter groß, schlank und hatte blondes Haar. Bekleidet war er unter anderem mit einer schwarzen Baumwolljacke und Jeans (kleines Foto oben rechts). Er fuhr wie in der ZDF-Sendung gezeigt einen blauen VW Golf mit Aachener Kennzeichen; auffällig am Auto waren diverse silberfarbene Klebestreifen auf der Heckklappe.

Aachen. Seit langem tappen die Ermittler im Fall des am 7. Januar 2013 tot aufgefundenen Michael Bonnie im Dunklen. Nun könnte durch die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ am Mittwochabend zumindest etwas Licht in die mysteriösen Umstände des Todes kommen.

Zahlreiche Indizien haben die Ermittler, die davon ausgehen, dass Bonnie erstochen worden ist, den Zuschauern präsentiert. Sei es der auffällige blaue VW Golf des Aacheners, mysteriöse Geldkuverts, die er auf dem Dachboden seines Wohnhauses mit insgesamt 14.700 Euro Inhalt deponiert hatte, seine möglichen Kontakte zur Drogenszene oder der Fundort seiner Leiche im Aachener Itertal.

Waren Hinweise bislang dünn gesät, ist der Aachener Staatsanwalt Jost Schützeberg am Morgen nach der Ausstrahlung froh darüber, dass zahlreiche Menschen auf den Filmbeitrag mit dem Titel „Tod im Abwasserkanal“ reagiert hätten. Vier Zuschauer riefen nach Angaben der Produktionsgesellschaft unmittelbar im Münchner XY-Studio an. Wie viele Zuschauer sich insgesamt, also auch bei der Aachener Kripo und per Mail, gemeldet haben, sagt Schützeberg nicht. In welche Richtung ihre Hinweise gingen, auch nicht. Nur so viel: „Wir sind froh, dass wir so viele Hinweise bekommen. Der Schritt hat sich gelohnt.“

Der Blick zurück: In der Nacht zum 4. März 2012 feiert der damals 41-jährige Bonnie, der als Selbstständiger Entrümpelungs- und Renovierungsarbeiten anbietet, den Geburtstag seines besten Freundes. Angetrunken – vermutlich sogar stark alkoholisiert – verlässt Bonnie gegen vier Uhr das Haus des Freundes im Aachener Stadtteil Oberforstbach-Schleckheim und fährt mit seinem VW Golf zurück nach Hause – das ist nahe der belgischen Grenze im Aachener Ortsteil Sief. Der Wagen sei wegen diverser silberner Klebestreifen auf der Heckklappe durchaus auffällig, sagen die Ermittler. Auffällig könne wegen des Alkoholgenusses auch der Fahrstil gewesen sein, meint der Aachener Staatsanwalt René Gilles in der Sendung.

Der Freund stellt wenig später fest, dass Bonnie seine Hausschlüssel vergessen hat und fährt ihm nach. Den Wagen des Vermissten findet er vor dessen Haustür – das Autofenster steht offen, Musik läuft. Der Freund klingelt, niemand öffnet. Am Morgen sind es Angehörige, die den offenstehenden Wagen ebenfalls vor dem Elternhaus von Bonnie, einem Bauernhof, finden. Von dem Mann selbst ist weit und breit nichts zu sehen.

Es wäre nicht das erste Mal, dass er plötzlich untertaucht und erst nach Wochen wieder auf der Bildfläche erscheint, heißt es in dem Film. Vor Jahren war Bonnie schon einmal ins Ausland gereist, ohne Bescheid zu sagen. Wochen später tauchte er plötzlich wieder auf. Doch diesmal ist alles anders: Bonnies Geschwister finden auf der Suche nach einem möglichen Aufenthaltsort auf dem Dachboden mehrere Kuverts, in denen sich die 14.700 Euro befinden. „Das ist merkwürdig“, sagt Staatsanwalt Schützeberg. Denn woher das Geld stammt, weiß bis heute niemand.

Schließlich gibt die Familie am 12. März 2012 eine Vermisstenanzeige auf. Doch der Aachener bleibt Monate verschwunden, bis seine skelettierte Leiche am 7. Januar 2013 in einem Bach 500 Meter von seiner Wohnung entfernt entdeckt wird. Er wurde vermutlich in einem Kanal versteckt, Regenfälle könnten später seine Überreste hinausgespült haben.

Zwei Kerben an einer Rippe

Staatsanwalt Gilles geht davon aus, dass Bonnie am Morgen seines Verschwindens zwischen 4 und 4.30 Uhr auf dem Hof-Gelände auf den Täter traf. Die Obduktion der Leiche hat Hinweise auf Stichverletzungen ergeben. Zwei Kerben wurden an einer Rippe entdeckt. Von der Tatwaffe fehlt jedoch ebenso jede Spur wie vom möglichen Täter. Ob der in der Drogenszene zu suchen ist? Ob es dubiose Geschäfte gab? Zur Zeit der Tat „galt er als clean“, sagt Gilles über Bonnie, der früher Drogen konsumiert haben und „mit dem Gesetz in Konflikt geraten“ sein soll.

Motiv und genauer Tathergang bleiben den Ermittler ein Rätsel. Das betrifft auch den Täterkreis. „Wir erhoffen uns durch die überraschend vielen Anrufe und Mails einen neuen Ermittlungsansatz“, sagt Schützeberg. Vielleicht heißt es bald: Aktenzeichen XY – gelöst.

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