Fair ist mehr: „Ralf Klohr, das ist ein Verrückter”

Von: Heribert Förster
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Wer wird denn da grätschen? Ralf Klohr (rechts) beim fairen Versuch, Hauke Heinz den Ball abzuluchsen. Heinz hat eine viel beachtete und mit der Note 1,7 bewertete Diplomarbeit zum Thema „Fairplay-Liga im Fußballkreis Aachen” geschrieben. Foto: Lars Brepols

Herzogenrath. Samstag, 22. März, 2014: Im Fußballkreis Cham/Schwandorf in Bayern wird die F-Junioren-Partie zwischen FC Maxhütte-Haidhof und der SpVgg Pfreimd angepfiffen, im Kreis Vorpommern die Begegnung zwischen dem Pasewalder FV und dem VfB Pommern Löcknitz.

In Schleswig-Holstein kicken im Kreis Nordfriesland die Siebenjährigen der S.G. Langenhorn-Enge und des SV Frisia 03 Risum-Lindholm gegeneinander und im Kreis Aachen begrüßen die F-Junioren des SuS Herzogenrath als Gast den Nachwuchs von Accordia Niederbardenberg. Und alle spielen nach den Regeln der Fairplay-Liga!

Das ist der Wunsch, das ist der Traum des Ralf Klohr. Ist dieser Wunsch, dieser Traum realistisch? Wenn es in Cham/Schwandorf einen Ralf Klohr gäbe, wenn es in Vorpommern einen Ralf Klohr gäbe und wenn es in Nordfriesland einen Ralf Klohr gäbe, dann ja.

In Herzogenrath wird natürlich nach den Regeln gepfiffen - denn im Fußballkreis Aachen gibt es ja einen Ralf Klohr.

Der „Erfinder”

Ralf Klohr, 47 Jahre jung, Jugendleiter des SuS Herzogenrath. Und „Erfinder” der Fairplay-Liga im Fußballkreis Aachen (siehe unten stehenden Bericht „Fairplay-Liga Aachen ist...”). Am Samstag wird der Herzogenrather vor dem Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Chile in Köln geehrt. Vom Deutschen Fußball-Bund erhält er den Sonderpreis im bundesweit ausgeschriebenen Wettbewerb „Fair ist mehr”. Eine hohe Auszeichnung, eine angemessene Würdigung - und natürlich Ansporn für den gebürtigen Pfälzer.

Ein Schulungsabend von F-Junioren-Trainern im Vereinsheim des VfL Zweifall. Ralf Klohr referiert und Raphael Lamm schüttelt den Kopf. „Der Ralf Klohr, das ist ein Verrückter, ein im positiven Sinn Verrückter”, sagt der Vorsitzende des Fußballkreises Aachen über Klohr. Lamm lächelt, denn er weiß ganz genau: Ohne diesen verrückten Klohr wäre die Fairplay-Liga nicht denkbar. Charakterisierungen wie die von Raphael Lamm hört man häufig, eigentlich immer, wenn man Mitstreiter über Ralf Klohr befragt.

Der „klotzende Kämpfer von der Basis”, so Klohrs Selbsteinschätzung, genießt mittlerweile die Popularität, jede Auszeichnung, jede Zeile in der Zeitung, jedes Foto. Nicht weil er so eitel wäre. Weil es der Sache dient, weil jede Zeile helfen kann, dass sein Wunsch in Erfüllung geht. „In fünf Jahren wird die Fairplayliga deutschlandweit praktiziert.” Hier muss man den Eifer Klohrs ein bisschen bremsen, denn es gibt durchaus ein paar Hindernisse, die im Weg liegen, und die Klaus Degenhardt so beschreibt.


„Das ist eine neue Sache, da blocken sie ab.” Degenhardt ist Vorsitzender des Jugendausschusses im Fußball-Verband Mittelrhein (FVM), seit Jahrzehnten als Funktionär unterwegs und weiß, wie schwer Neuerungen zu vermitteln sind. Mögen sie noch so gut sein. Bundesweit sowieso, aber auch schon auf Verbandsebene. Es gibt einen Funktionär, der sagt: „Wir haben da nicht die Beweglichsten.”

Samstag, wenige Stunden vor der Ehrung, kommt aber wieder Bewegung in die Sache, wird Ralf Klohr bei der Jugendbeiratssitzung des FVM in der Sportschule Hennef die Fairplay-Liga erneut vorstellen. „Mein Ziel ist es, dass in möglichst allen Kreisen spielen zu lassen”, sagt Degenhardt, der aber die Fairplay-Liga nicht von oben herab verordnen will. „Diese Zeiten sind vorbei, ich möchte das als ein gemeinsames Projekt auf die Schiene bringen”, sagt Degenhardt. Mit Karl-Heinz Witt hat Ralf Klohr weitere hochrangige Unterstützung im FVM-Präsidium. Der Vizepräsident aus Düren, war „von Anfang an angetan von der Grundidee” und ist sich sicher: „Im FVM müsste das zu schaffen sein.”

Das wäre ein Riesenerfolg für Klohr, dem längst unwohl sein wird bei der Lektüre dieser Zeilen. Denn der Herzogenrather, der in seiner Heimatstadt noch viele andere Projekte mit angeschoben hat und im Dezember als „Verdienter Bürger der Stadt” ausgezeichnet wird, sieht sich als Mannschaftsspieler. Und deshalb ist es an der Zeit, zumindest zwei Mitstreiter aus dem Kreis namentlich hervorzuheben. Ohne die großartige Unterstützung von Detlef Knehaus, Vorsitzender des Kreisjugendausschusses, und von Kreisjugendwart Thorsten Meier wäre Ralf Klohr seinem Ziel noch nicht so nah.

Wenn am 22. März 2014 in Maxhütte-Haidhof, Pasewald und Langenhorn-Enge (noch) nicht nach den Aachener Fairplay-Regeln gespielt wird, wenn am 4.September 2010 aber Borussia Derichsweiler im Kreis Düren gegen Viktoria Birkesdorf spielt, im Kreis Heinsberg Germania Bauchem gegen die DJK Gillrath und im Kreis Köln Vingst 05 gegen den RSV Urbach und die Fairplay-Liga-Regeln verbandsweit verbindlich gelten sollten, hätte Ralf Klohr ein Etappenziel erreicht. Und, das ist sicher: Es würde nicht das letzte sein.


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