Fälscherskandal: Max Ernst Museum wehrt sich gegen Spekulationen

Von: dpa
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Brühl. Im millionenschweren Kunstfälschungsskandal um die vermeintliche Sammlung Jägers wird jetzt auch über die Rolle des Max Ernst Museums in Brühl und die Verbindung zu dem renommierten Kunsthistoriker Werner Spies spekuliert.

Die Wochenzeitung „Die Zeit” schrieb am Donnerstag, die Pariser Galerie Cazeau-Béraudière habe das Museum benutzt, um durch die Ausstellung von Bildern ihre Preise als Handelsware zu erhöhen.

Darunter sei auch das inzwischen als Fälschung enttarnte Gemälde „La Forêt” (Der Wald) des deutschen Surrealisten Ernst gewesen. Nach der Ausstellung im Max Ernst Museum sei das von Spies für echt befundene Gemälde im Jahr 2006 für sieben Millionen Dollar an den New Yorker Verleger und Sammler Daniel Filipacchi verkauft worden. Die Pariser Galerie habe sich bei Spies mit einem Bildergeschenk an das Museum bedankt.

Der Direktor des Max Ernst Museums, Achim Sommer, wies die Spekulationen am Donnerstag als „grotesk anmutend” zurück. „Soll das Museum keine Werke mehr zeigen, weil jedes Bild eine vermeintliche Wertsteigerung erzielt?”, sagte Sommer der Deutschen Presse-Agentur. Die Schenkung der Galerie Cazeau-Béraudière sei im Dezember 2006 unabhängig vom Verkauf von „La Forêt” erfolgt. Es habe sich um eine „Hommage an Werner Spies” für die Stiftung Max Ernst gehandelt, sagte Sommer.

Das Gemälde „La Forêt” gehört zu mindestens 14 weiteren vermeintlichen Werken von Malern wie Ernst, Heinrich Campendonk, Max Pechstein und Fernand Léger, die eine vierköpfige Bande gefälscht und über Jahre in den internationalen Kunstmarkt geschleust haben soll. Weder renommierte Auktionshäuser noch Kunstexperten bemerkten den Millionen-Schwindel. Der Skandal gilt als einer der größten Kunstfälschungsfälle der deutschen Nachkriegsgeschichte. In 33 Fällen wird nach Angaben der Kölner Staatsanwaltschaft noch ermittelt. Der Prozess gegen die Angeklagten soll demnächst in Köln beginnen.

Ein französische Gericht hat Spies, der Picasso persönlich kannte und mit Max Ernst befreundet war, nach Informationen des „Spiegel” inzwischen auf Schadensersatz verklagt. Dabei soll es um ein ebenfalls gefälschtes Max-Ernst-Bild gehen, das Spies für echt befunden hatte und das später für 1,1 Millionen Dollar von Sothebys versteigert wurde. Geklagt habe eine Firma, die das Bild „Tremblement de terre” 2004 von einer Pariser Galerie gekauft hatte. Im Visier der Ermittler sind nach Informationen der „Zeit” noch weitere Max-Ernst-Bilder, die Spies für echt erklärt hatte.

Spies ist Vorsitzender des Stiftungsrates und des Kuratoriums der Stiftung Max Ernst, die eng mit dem Museum zusammenarbeitet. „Wer, wenn nicht Werner Spies, könnte ein Max Ernst Museum besser unterstützen?”, sagte Sommer. Dass das gefälschte Gemälde, das von Spies für echt erklärt worden sei, im Museum ausgestellt wurden, sei „nicht mehr rückgängig zu machen, selbst wenn man es bedauert”.

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