Eupen - Fähnchenschwenken zum Abschied: König Albert in Eupen

Fähnchenschwenken zum Abschied: König Albert in Eupen

Von: Laura Beemelmans
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Vom Straßenrand aus verfolgten die Eupener den Abschiedsbesuch des Königspaares. Foto: Laura Beemelmans
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Königlicher Besuch in Eupen: Albert II. von Belgien und seine Frau Paola sagten am Mittwoch der Deutschsprachigen Gemeinschaft Auf Wiedersehen. Foto: Laura Beemelmans

Eupen. „Es lebe der König“ – das war am Donnerstagvormittag der wohl am häufigsten gerufene Satz in Eupen. Vorzugsweise natürlich in französischer und auch flämischer Sprache, aber die Idee dahinter war die gleiche: Die Deutschsprachige Gemeinschaft (DG) verabschiedete sich von ihrem König Albert II. und seiner Frau Paola.

Der belgische König legt aus Gesundheits- und Altersgründen nach 20 Jahren sein Amt nieder. In einer Radio- und Fernsehansprache hatte der 79-Jährige seinen Rücktritt angekündigt. Bereits seit Montag befinden sich Albert II. und Paola deshalb auf Abschiedstour. Zunächst empfingen sie die Minister der Regierung Di Rupo, besuchten Kammer und Senat, reisten nach Genk und statteten nun auch Eupen einen Besuch ab, um im Jubel der vielen „Royalisten“, wie sich einige von ihnen liebevoll nennen, zu verabschieden.

Locker und volksnah

Im Jahr 1993 hatte Albert II. den Thron bestiegen – vorgesehen war das nicht. Bereits zu diesem Zeitpunkt galt sein Sohn Philippe als Nachfolger von Alberts Bruder König Baudouin. Der starb jedoch nach 42 Jahren auf dem Thron plötzlich an Herzversagen. Die Belgier hatten zunächst vermutet, dass Albert II. ein „Übergangskönig“ sein würde, lediglich für wenige Jahre im Amt. Doch durch seine lockere und volksnahe Art verschaffte sich auch Albert II. einen Platz im Herzen vieler Belgier.

Das bewies er erneut in Eupen. In aller Ruhe schüttelte er Hand um Hand, sprach den Menschen gut zu, nahm sich besonders viel Zeit für Ältere und Kranke, verzichtete auf die zu Beginn getragene Sonnenbrille, scherzte und lachte. Seine Frau Paola nahm derweil Blumensträuße, Rosen und Geschenke entgegen.

Doch von vorne: Um Punkt 11 Uhr fährt eine schwarze Limousine in die Gospertstraße, umgeben von weiteren vier Fahrzeugen und in Begleitung der Polizei. Das Nummernschild prägnant: 10 – mehr nicht. Der Wagen hält vor dem Sitz des Eupener Ministerpräsidenten Karl-Heinz Lambertz. Es geht los: „Es lebe der König!“, „Vive le Roi!“ Fahnen, Rufe, lächelnde Gesichter von allen Seiten, winkende Hände aus den Fenstern der benachbarten Häuser – und mitten auf der Straße jede Menge Sicherheitspersonal.

Albert II. steigt aus. Er trägt einen beigefarbenen Anzug und Sonnenbrille. Seine Frau Paola ein Kostüm. Ein kurzer Blick, dann verschwinden sie im Gebäude. Im Garten empfangen viele geladene Gäste das Königspaar mit lautem Beifall. Ein bisschen Musik, ein Tanz einer Karnevalsgesellschaft unter dem Motto „Der Schuh des Manitu“, wieder etwas Musik, dann ein merkwürdig anmutender Auftritt der Königlichen Sport-Militärschule und das war er – der offizielle Teil. Naja fast. Aber auch Albert II. und Paola scheinen dem „Bad in der Menge“ entgegen zu fiebern.

Königin Paola streichelt bedächtig einen Blumenstrauß, den sie in der Hand hält, König Albert II. sitzt gemütlich angelehnt in seinem Stuhl – auf der Schattenseite des Geschehens. Auf der anderen Seite drängen sich nicht nur Pressevertreter dicht an dicht, sondern auch die geladenen Gäste, die zwar keine Blumen streicheln, aber mit gleicher Hand ein Stück Papier zum Fächer umfunktionieren.

Wenn Königs die Stadt besuchen, muss man zumindest versuchen, die 30 Grad und die Sonne ebenso gut wegzustecken wie es Albert II. und Paola tun. Dazu muss man jedoch sagen, dass sie mehrfach Gelegenheit dazu hatten, sich „frisch zu machen“.

Die beiden zieht es nun vom Sitz des Ministerpräsidenten zum wenige Meter entfernten Ministerium. Zu Fuß. Nur ein paar Zentimeter entfernt von den Schaulustigen. Im wahrsten Sinne des Wortes zum Greifen nah. Hunderte Klicks von Kameras, Handys nehmen das Geschehen auf, Dutzende Fähnchen flattern dem König um die Ohren.

Vor allem die auffällig gekleideten Fans haben es dem König angetan. Bei fünf Herren in blauer Robe und goldfarbenen Krönchen legt er einen letzten Stopp ein. Die Jubelrufe werden lauter. Jeder versucht einen Blick zu erhaschen, ein Foto oder besser noch die Hand des Königs. Dann verschwindet er im Ministerium.

Eine halbe Stunde vergeht. Wein, Wasser, die Unterschrift im Goldenen Buch der Stadt und Geschenke. Albert II. erhält eine Flasche Whisky mit Namen „Albertus“, einen „Präsentkorb“ und einen hölzernen Monolithen – als Andenken. Der König bedankt sich. Nickt wohlwollend. Sie gehen. Die schwarze Limousine steht schon bereit. Die beiden hinteren Scheiben gehen runter. Er winkt. Zum Abschied. Vielleicht ein letztes Mal in Eupen.

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