Aachen - Experte: Ruf nach Krümmel-Schließung ist „Getöse”

Experte: Ruf nach Krümmel-Schließung ist „Getöse”

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Aachen. Die durch die Panne im schleswig-holsteinischen Atomkraftwerk Krümmel ausgelöste Diskussion über Laufzeiten ist nach Expertenmeinung aus technischer Sicht „Unsinn”.

Neuere Kraftwerke seien sicher ausgereifter, sagte Hans-Josef Allelein von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen der Deutschen Presse-Agentur dpa. Eine Festlegung der Laufzeiten, bei der alle Kraftwerke über einen Kamm geschoren werden, sei aus Fachsicht trotzdem nicht sinnvoll. Die Forderung des SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier, Krümmel endgültig zu schließen, bezeichnete Allelein als „Getöse”.

„Eine solche Forderung an den Transformatoren festzumachen, ist lächerlich”, sagte der Experte für Reaktorsicherheit und -technik. Der Umgang mit den Transformatoren im Atomkraftwerk Krümmel lässt aus seiner Sicht vielmehr auf die „Sicherheitskultur der Betreiber” schließen. Er habe nicht unbedingt etwas mit dem technischen Zustand zu tun.

In Deutschland sind noch 17 Atomkraftwerke am Netz. Wie lange ein Atomkraftwerk Strom produzieren darf, hängt von seiner „Restlaufzeit” ab. Diese errechnet sich auf Basis der Regellaufzeit eines Atommeilers von etwa 32 Jahren. Bis 2021 sollen nach und nach alle Meiler abgeschaltet sein.

Das Entscheidungskriterium für die Laufzeit dürfe nicht allein das Alter sein. „Dass im Laufe der Zeit die Erkenntnisse gewachsen sind und es Verbesserungen gegeben hat, das ist sicher nicht von der Hand zu weisen”, sagte Allelein. Ein Beispiel sei der verbesserte Schutz gegen Flugzeugabstürze.

Ungeachtet des Alters wäre aus Sicht des Experten eine Einzelfallprüfung der nicht baugleichen Anlagen sinnvoll. Einzelne Komponenten können mal besser und mal schlechter sein, auch wenn alle die gesetzlichen Auflagen erfüllten. „Da muss man genau hingucken. Da kann jede einzelne Anlage ihre Tücke haben”, sagte der Wissenschaftler. Die Anlagen müssten in einer Gesamtschau bewertet werden. Die pauschale Festlegung von Laufzeiten halte er für „fahrlässig”.
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