Experiment: Eine Zerreißprobe für den Superkleber

Von: Guido Jansen
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Bernd Marx mit den geklebten Kolben, die eine Zugkraft von insgesamt 27 Tonnen ausgehalten haben.

Aachen. Sie wollten schon immer wissen, wie stark der stärkste Kleber der Welt ist? Seit Donnerstag gibt es eine Antwort aus Aachen. In der Lützow-Kaserne waren zwei schwere Bergepanzer notwendig, die mit 27 Tonnen Kraft ziehen mussten, damit die Klebestelle reißt. Das ist Weltrekord.

Hinter dem Experiment steckt das RWTH-Institut für Schweißtechnik und Fügetechnik. Es sei laut Mitarbeiter Bernd Marx interessant für das Institut, zu wissen, wie stark Kleber klebt. „Außerdem macht so ein Experiment mit Panzern Spaß“, sagt er und lächelt dabei ein bisschen schelmisch. Ein bisschen Populär-Wissenschaft also.

Auf die Idee gekommen waren die Redakteure der ARD-Sendung „Kopfball“, die bei der Suche nach dem stärksten Kleber nach Experten gesucht hatten. Gefunden haben sie sie in Aachen, eben im Institut für Schweißtechnik und Fügetechnik.

Die Aachener Wissenschaftler kontaktierten dann die Bundeswehr. Schweres Gerät war gesucht, das zu einer echten Zerreißprobe für den stärksten Kleber der Welt werden sollte. Außerdem sehen zwei Panzer mit jeweils 1500 PS für so ein Experiment spektakulärer aus, als Apparaturen in einer Forschungseinrichtung.

„Technisch ist dieses Experiment für uns hoch interessant“, sagt Bundeswehr-Presseoffizier Wolfgang Reusch. „Wenn ein Fahrzeug in einem Gefecht beschädigt wird und es schnell gehen muss, dann kann es sein, dass wir auch mal kleben müssen.“

Kein Wunder-Gemisch

Handelsüblicher Alleskleber taugt nicht, um Panzer zu flicken. Allerdings ist der 27-Tonnen-Kleber kein Wundergemisch aus einem Geheimlabor. Es handelt sich um Epoxidharz-Klebstoff, einen Industriekleber. Der reißt also erst bei 27 Tonnen Zugkraft. Auch für die Forscher hat diese Erkenntnis einen Wert.

Die sogenannten neuartigen Werkstoffe wie Karbon oder CFK werden bei den Auto- und Flugzeugbauern immer wichtiger. „Und diese Werkstoffe werden oft geklebt“, sagt Bernd Marx.

Im Zentrum des Experiments in der Lützow-Kaserne standen zwei Metallzylinder mit einem handflächengroßen Durchmesser. Die glatten Flächen der Zylinder, die später zusammengeklebt wurden, hat Bernd Marx vorher angeraut. Anschließend hat er so viel Epoxidharz-Klebstoff auf die zwei Flächen geschmiert, wie Zahnpasta auf zwei Zahnbürsten passen würde.

Schon mit Experiment Nummer eins ist der Weltrekord gefallen. 21,8 Tonnen waren die Stahlgewichte schwer, die ein Panzer mit seinem Kran in die Höhe gezogen hat. Eine Stunde lang baumelte die Fracht am Haken. Die Soldaten, die als Filmstatisten im Hintergrund standen, zählten erst laut von zehn herunter, dann bejubelten sie den Rekord.

Ein lauter Knall

Danach musste schweres Geschütz her. Die zwei zusammengeklebten Kolben wurden zwischen zwei Panzer gespannt. Bis zu 60 Tonnen schwer kann das Gewicht sein, wenn so ein Bergepanzer zum Abschleppen eingesetzt wird. Zu viel für den Kleber. Bei einer Zugkraft von 27 Tonnen tat es einen lauten Knall, und der magische Kleber war seiner Kräfte beraubt.

Ein Ergebnis, mit dem die RWTH-Forscher und die Panzerfahrer gerechnet hatten. Heimlich hatten sie in den Tagen zuvor schon einmal geprobt. Sie wussten also, dass die Chancen auf den Weltrekord gut waren.

Die „Kopfball“-Sendung mit dem Aachener Panzer-Experiment wird am 25. Mai um 11 Uhr in der ARD ausgestrahlt.

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