Ex-Polizist muss für einen Banküberfall ins Gefängnis

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Marco B. mit seinem Verteidiger Gerd Meister Foto: Ahlen

Erkelenz/Mönchengladbach. Marco B., Streifenpolizist in Mönchengladbach, muss wegen schwerer räuberischer Erpressung für drei Jahre ins Gefängnis. Er hat gestanden, zwei Sparkassen-Filialen überfallen zu haben – eine in Erkelenz-Schwanenberg am 9. Januar und eine in Wegberg-Beeck am 15. April.

Er erbeutete 22.000 Euro. Unmittelbar nach dem zweiten Überfall hatte ein ehemaliger Disko-Türsteher ihn fassen und in die Sparkasse zurückbringen können.

Dieser Überfall spielte für das Urteil keine Rolle mehr, da dieser Teil des Verfahrens nach dem Bericht des psychologischen Gutachters eingestellt wurde. Aufgrund einer schweren Depression könnte er beim zweiten Überfall schuldunfähig gewesen sein, sagte dieser. Die mögliche Strafe für diese Tat wäre gegenüber der ersten ohnehin nicht nennenswert ins Gewicht gefallen.

Die Sparkassenangestellte in diesem Fall hatte sich nicht ernsthaft bedroht gefühlt und erkannt, dass der Räuber sie mit einer Spielzeugpistole bedrohte. Wegen seiner Spielsucht hatte der Beamte über eine halbe Million Euro Schulden angehäuft, was ihn auf die schiefe Bahn geraten ließ.

Das Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen ließ den Fall tragisch erscheinen: Mit einem Intelligenzquotienten von 148 sei der Angeklagte hochbegabt, führte der Gutachter aus. Dennoch habe er nur einen mittelmäßigen Schulabschluss erzielt und sich für die Polizeilaufbahn entschieden. Er habe sich mit seinem Beruf aber voll identifiziert.

In einer Einsatz-Hundertschaft sei er sehr glücklich gewesen, habe dort Kameradschaft und Zusammenhalt gefunden. 2007 aber habe er in den Streifendienst nach Mönchengladbach zurückkehren müssen, worüber er unglücklich gewesen sei. Hier habe die Veränderung schleichend begonnen.

Mahnungen ungeöffnet versteckt

2009 traf ihn dann ein Schicksalsschlag: Der Beamte stürzte bei einer Festnahme eine schneeglatte Treppe hinunter und zog sich schwerste Knieverletzungen zu. Mehrere Operationen konnten den Schaden nicht vollständig heilen. Zweieinhalb Jahre lang habe er dann um die Anerkennung des Knieschadens als Folge eines Dienstunfalls kämpfen müssen. Zurück im Dienst, habe er sich auch noch gemobbt gefühlt.

Er sei depressiv geworden und sein Hang zum Glücksspiel habe sich dabei zu einer handfesten Spielsucht entwickelt, begleitet von Alkoholmissbrauch, führte der Gutachter aus. Briefe mit Rechnungen und Mahnungen habe er ungeöffnet im Haus versteckt. Als der Gerichtsvollzieher das erste Mal bei ihm auftauchte, habe er den Entschluss gefasst, Banken auszurauben.

Mit dem Urteil droht dem überschuldeten 37-Jährigen nun die Entfernung aus dem Beamtendienst und der Verlust seiner Pensionsansprüche. Er habe sich sein Leben gründlich verbaut, bescheinigte ihm der Vorsitzende Richter. Vergeblich hatte der Verteidiger für eine Bewährungsstrafe plädiert.

Die Staatsanwaltschaft hatte vier Jahre Haft gefordert. Mit ihrem Spruch blieben die Richter in der Mitte. Ein geringeres Urteil sei nicht möglich, weil die beiden Angestellten der Schwanenberger Filiale bis heute sehr unter dem Überfall litten und nicht wieder in den Dienst am Schalter zurückkehren konnten.

Die Familie, die auch jetzt noch zu Marco B. steht, konnte den Verurteilten am Freitag aus dem Gerichtssaal mitnehmen. Bis zum Haftantritt bleibt er auf freiem Fuß.

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