EWV-Unternehmerforum: Von der Raumfahrt lernen

Von: Angela Delonge
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Ganz irdisch: Der frühere Wissenschaftsastronaut und Professor für Raumfahrttechnik an der TU München, Ulrich Walter (li.), im Gespräch mit Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung. Foto: Andreas Steindl

Stolberg. Menschliches Leben auf dem Mars, ja, das könne möglich sein – so ungefähr in 1000 Jahren. „Die Technologien dafür haben wir“, sagt Ulrich Walter. Für die meisten Zuhörer beim 13. Unternehmerforum des Energie- und Wasserversorgers EWV dürften die Zukunftsaussichten, die der ehemalige Wissenschaftsastronaut am Donnerstagabend skizzierte, wohl ebenso faszinierend wie unvorstellbar gewesen sein.

Unter dem Motto „Raumfahrt gestern – heute – morgen“ gab Walter, der 1993 an Bord der Raumfähre „Columbia“ für zehn Tage ins All flog, faszinierende Einblicke in die Welt der Astronauten. „Ich wollte wissen, wie die Welt da draußen funktioniert“, sagte der Physiker. Das sei immer sein Ziel gewesen, weshalb er sich 1986 für die deutsche Spacelab-Mission beworben habe. „Mäuschen, was hältst du davon, wenn ich Astronaut werde?“, habe er seine Frau gefragt. Die sagte Ja, und Ulrich Walter wurde schließlich zusammen mit Hans Schlegel unter 1799 Bewerbern ausgewählt.

Das Auswahlverfahren, das er dafür durchlaufen musste, sei „richtig hart“ gewesen, erzählte Walter im Gespräch mit Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung. Wochenlang ein Test nach dem anderen, in immer schnelleren Abständen. Aufgaben, von denen man eh nur die Hälfte lösen könne. „Das weiß nur vorher niemand.“ Als kleine Kostprobe für die Zuhörer warf Walter einen Testbogen zum Abfragen mathematisch-logischen Denkens an die Wand. Die Lösung ließ die meisten der anwesenden Unternehmer ziemlich ratlos zurück.

Als Entschädigung hatte der 63-jährige Wissenschaftler, der Professor für Raumfahrttechnik an der Technischen Universität München ist, jedoch auch viel positiv Verstärkendes mitgebracht, „das können Sie mit nach Hause nehmen und schon morgen anwenden“. Sein Thema: Was können Unternehmer von der Raumfahrt lernen? Am Beispiel der Raumfähre „Columbia“, die 2003 beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zerbrach, zeichnete Walter die Ursachenforschung der Nasa zu dieser Katastrophe nach.

Ergebnis der Ermittlungen nach anderthalb Jahren: zu viel Vertrauen auf vergangene Erfolge, schlechte interne Kommunikation, Unterdrücken von unliebsamen Meinungen, Entstehen von informellen Befehlsketten. Solche Problematiken ließen sich ohne weiteres auf Unternehmen übertragen, sagte Walter, der in die Rolle des Coachs geschlüpft war. Sein Rat: „Hören Sie zu, was Ihre Mitarbeiter Ihnen sagen.“ Jedes unternehmerische Projekt gehorche im Prinzip zehn strukturellen Schlüsseln zum Erfolg: Dazu gehöre ein klares Anforderungsprofil ebenso wie Schritt für Schritt vorzugehen und auf das Team zu bauen. Walters Warnung an die Anwesenden: „Anforderungsänderungen und unzureichender Kommunikationsfluss sind der Tod eines jeden Projekts.“

Was das Wort Projekterfolg bedeutet, weiß wohl kaum einer wie er. „Das erfolgreiche Ende unserer Mission war einer der schönsten Momente in meinem Leben“, sagte Walter sichtlich bewegt. Kein mulmiges Gefühl bei der ganzen Sache, zum Beispiel, bevor es losging ins All, wollte Bernd Mathieu wissen. Der Glanz in Walters Augen verriet mehr als seine Worte: „Beim Start ist das Shuttle wie ein Vulkan, sieben Tonnen Treibstoffverbrauch pro Sekunde: Das merken Sie!“ Hat die Mission ihn verändert?

„Ich habe gesehen, dass die Erde Wasser ist, nicht Land, und dass der Mensch nichts ist“, sagte Walter. „Dieses Wissen verändert das Denken.“ Dieses Denken will Ulrich Walter weitergeben: im neuen Weltall-Erklärbuch „Im schwarzen Loch ist der Teufel los“ und in der N24-Fernsehserie „Spacetime“, deren sechs neue Folgen ab Juni zu sehen sind.

Dass die Erde doch ganz anders tickt als das Universum, das merkte Walter übrigens bei der Reisekostenabrechnung, die er für seine „Dienstreise“ ins All einreichen musste. Erstattung für 6,7 Millionen Kilometer: 34 Dollar!

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