Eurovision Song Contest: Aufbau läuft auf Hochtouren

Von: Christian Wolf, dapd
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Arena Düsseldorf
Eine Ecke der Esprit-Arena in Düsseldorf ist wegen des bevorstehenden Eurovision Song Contest mit einem riesen Transparent versehen worden. An dieser Stelle ist eigentlich der Name der Esprit-Arena zu lesen. Foto: dpa

Düsseldorf. Wie ein ruhender Pol wirkt Dieter Thiessen auf der riesigen Baustelle für den Eurovision Song Contest in der Düsseldorfer Arena. Der technische Leiter der Großveranstaltung beobachtet aus sicherer Entfernung, wie an der Hallendecke in Seilen gesicherte Höhenarbeiter schwere Traversen aneinander montieren.

Ständiges Hämmern und Motorengeräusche hallen durch das Innere der Arena. Flinke Elektroautos, wie sie sonst von Golfern benutzt werden, überbrücken die langen Wege und transportieren Mensch und Maschine. „Meine Aufgabe ist es, nicht die Nerven zu verlieren und Ruhe zu bewahren”, sagt Thiessen mit einer großen Portion norddeutscher Gelassenheit.

Der 49-jährige Schleswig-Holsteiner ist dafür verantwortlich, dass beim Finale am 14. Mai den 35.000 Zuschauern in der Arena sowie den erwarteten 120 Millionen Fernsehzuschauern eine perfekte Show in Bild und Ton geboten wird. „Egal was passiert, wir müssen auf Sendung sein”, sagt Thiessen. Bis Ostern werden dafür in der Arena rund um die Uhr 180 Tonnen Technik am Dach der Arena angebracht, 13 Kilometer Glasfaserkabel verlegt und mehr als 2000 Scheinwerfer platziert.
Auch die 90 Mikrofone und 25 Kameras müssen aufeinander abgestimmt und ein eigenes Stromnetz mit Generatoren errichtet werden.

An allen Baustellen gleichzeitig kann Thiessen aber nicht sein. Stattdessen steht hinter ihm ein Team aus 50 Leuten, das sich um jedes kleinste Detail kümmert. „Ich versuche die Schnittstellen zu koordinieren”, beschreibt der 49-Jährige seine Position. Alle paar Minuten funkt ihn ein Kollege an und will etwas besprechen. „Dieter hier”, spricht Thiessen in sein Funkgerät und versucht zu helfen.

In seinem jeweiligen Bereich ist jeder Mitarbeiter dafür verantwortlich, dass der Zeitplan eingehalten wird und beim Finale am 14. Mai alles funktioniert. „Wenn am Ende etwas schief läuft, halte ich den Kopf hin”, sagt Thiessen. Er bildet die Spitze der Pyramide und trägt die größte Verantwortung.

Erfahrung aus Olympia und Fußball-WM

Bei seiner alltäglichen Arbeit greift der 49-Jährige auf einen gewaltigen Erfahrungsschatz zurück. Seit 27 Jahren ist er beim NDR tätig und war bereits für die TV-Übertragung der Fußballweltmeisterschaft aus Südkorea und der Olympischen Spiele aus Peking verantwortlich. „Es gibt aber gewisse Punkte im Leben, an denen man denkt, mehr geht nun nicht mehr”, sagt er. An einem solchen Punkt sieht sich Thiessen nun. Er genießt jede Minute, auch wenn er momentan kein wirkliches Privatleben hat.

Zusammen mit seinen engsten Mitarbeitern hat sich der Technik-Chef in einem grauen Baucontainer vor der Arena eingerichtet. An den Wänden hängen bunte Zeichnungen und Baupläne, von denen sich ablesen lässt, wie die Arena am Ende aussehen soll. Lange Zeit hält es ihn aber nicht im Container. Durch die Tiefgarage der Arena, in der kistenweise Material lagert und Techniker provisorische Werkstätten aufgebaut haben, gelangt er in den Innenraum. Wie alle anderen Techniker dort trägt auch Thießen eine gelbe Warnweste und einen Helm auf dem Kopf. Gemeinsam arbeiten sie alle daran, dass aus dem Fußballstadion, in dem sonst Fußballzweitligist Fortuna Düsseldorf spielt, ein überdimensionales Fernsehstudio wird.

Zu den wichtigsten Arbeitskräften beim Aufbau zählen derzeit die sogenannten „Rigger”. Absolut schwindelfrei bewegen sich die Höhenarbeiter bis zu 30 Meter vom Hallenboden entfernt unter dem Dach der Arena und kümmern sich darum, dass an den meterlangen Traversen (sogenannte Riggs) Audioboxen, Scheinwerfer und die entsprechenden Kabel angebracht werden. „Die Sachen müssen so montiert werden, dass sie auch da oben bleiben. Wenn was runterfällt, gibt es Tote”, sagt Rigger Chris Püyzig. Auch wenn er bereits bei vielen Musikkonzerten oder der EXPO in Shanghai tätig war, ist der Aufbau für den Song Contest noch eine andere Dimension. „Das ist schon etwas ganz Großes. Allein wegen der Masse an Technik, die hier verbaut wird”, sagt Püyzig.

16 Stunden Arbeitstage

Bereits kurz nach dem Sieg von Lena Meyer-Landrut beim letzten Grand Prix in Oslo wurde Technik-Chef Thiessen klar, was mit der Ausrichtung des diesjährigen ESC auf ihn zukommt. „Die Nacht von Samstag auf Sonntag habe ich nur sehr schlecht geschlafen”, erinnert er sich. Immer wieder kreisten seine Gedanken um die bevorstehende Großveranstaltung. Seit fast zwei Wochen ist der 49-Jährige nun ununterbrochen in Düsseldorf und arbeitet bis zu 16 Stunden am Tag an der Ausrichtung des Song Contest, den er mit wenig Bescheidenheit auch „die Olympischen Spiele der Unterhaltung” nennt.

Wer aus dem 43 Länder starken Teilnehmerfeld am Ende als Sieger hervorgeht, ist für Thiessen nebensächlich. Auf das Gedankenspiel, Lena Meyer-Landrut könnte am 14. Mai erneut die Nase vorn haben, blickt er aber mit gemischten Gefühlen. „Das wäre schon toll, aber auch skurril”, sagt der 49-Jährige. Denn dann könnte er mit seiner Arbeit direkt weitermachen.

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