Europalia-Festival: Indonesien mitten in Lüttich

Von: Andrea Zuleger
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Moderner Anbau: Seit einem Jahr ist das Museum La Boverie ein neuer kultureller Anziehungspunkt in Lüttich. Foto: Harald Krömer
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Traditionelles der indonesischen Kultur: Ein 14 Meter langes Boot. Foto: Arcadius, © Musée National d‘Indonésie (MNI)
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Aber auch zeitgenössische Kunst wird im Rahmen des Europalia-Festivals in Lüttich gezeigt. Foto: Arcadius, © Musée National d‘Indonésie (MNI)
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Genau wie alte Skulpturen. Foto: Arcadius, © Musée National d‘Indonésie (MNI)

Lüttich. Ein großes Boot steht im modernen Anbau des altehrwürdigen Museums La Boverie in Lüttich. Weil die Maas direkt neben dem Museum fließt, sieht es fast aus, als müsse man nur die Tür öffnen und das 14 Meter lange Schiff könnte aus dem Museum hinaussegeln.

Das passt auch inhaltlich zur neuen Ausstellung im vor einem Jahr wiedereröffneten Haus auf der Insel: Denn in „Les Royaumes de la mer“ (Die Königreiche des Meeres) geht es um die Verbindung von Meer und Menschen, von Land und Leuten in Indonesien.

Gezeigt wird die Schau mit 250 Exponaten, zum Großteil Leihgaben aus dem Indonesischen Nationalmusem in Jakarta, im Rahmen des Europalia-Festivals. Dieses Festival wurde 1969 in Brüssel ins Leben gerufen und findet seitdem alle zwei Jahre vor allem in Belgien statt. Jedes Mal gibt es ein Gastland, das in den Fokus der Kunst gerückt wird.

In vielen belgischen Städten versuchen Kulturschaffende mit Performances, Kunst, Tanz, Musik und Theater sich dem diesjährigen Gastland Indonesien anzunähern. Neben den beiden Hauptausstellungen zum Archipel im Brüsseler Museum Bozar ist diesmal Lüttich die wichtigste Adresse des Europalia-Festivals.

Vor einigen Wochen noch war das vier Tonnen schwere traditionelle Boot, ein Padewakan, noch in Indonesien. Indonesische Zimmermänner hatten es in einer alten Technik erbaut, die die Schiffe besonders flexibel und robust macht, damit sie auch bei schwerer See noch fahrtüchtig sind. Denn Schiffe sind einfach wichtig auf dem Archipel, das aus 17.000 Inseln besteht.

Am Ende wurde das Boot wieder in seine Einzelteile zerlegt und nach Lüttich geschickt, wo es jetzt auf dem Trockenen liegt und von den Besuchern der Boverie bestaunt wird. So wie die vielen anderen Gegenstände auf der Ausstellungsfläche von 2500 Quadratmetern, die die für europäische Augen Exotik Indonesiens unterstreichen.

Vieles davon würde man wohl eher in einer kulturhistorischen Ausstellung als in einem Kunstmuseum vermuten, wie zum Beispiel die fein gearbeiteten Schmuckstücke, Skulpturen von Pfahlbauten, die ebenfalls die Bedeutung des Meeres für den Inselstaat unterstreichen, oder auch die alten Keramiken.

Hinzu kommen zahlreiche Skulpturen von Fabelwesen wie den Elefantenbuddha oder Göttinnen – manche davon sind Nationalschätze, die erstmals außerhalb Indonesiens zu sehen sind wie zum Beispiel die Figur der „Göttin der Weisheit“. In dem Ambiente des Museums La Boverie ist das zwar keine klassische Kunstschau, den noch bekommt der Besucher vor allem einen Einblick in das Land und auch in seine Kunst.

Zeitgenössisches

Als zeitgenössischen Aspekt hat die indonesische Künstlerin Titarubi einen majestätischen goldenen Mantel mit dem Titel „Die Geschichte wiederholt sich“ beigesteuert, womit die Künstlerin auf die Rolle des Schmuckes für Indonesien und auf die Kolonialzeit anspielt. Das Werk war unter anderem 2016 auf der Kunstbiennale in Singapur ausgestellt.

Der Reichtum des Landes entstand durch den Handel mit Holz und Gewürzen, aber auch mit Schmuck und Gold. Indonesien heißt der Inselstaat übrigens erst seit seiner Unabhängigkeit 1945. Da die meisten Ausstellungstücke aus dem 10. bis zum 19. Jahrhundert stammen, sind es Gegenstände des Archipel „Nussantara“ – der ursprüngliche Name des Inselstaates, wie Claudine Baltus vom Museum La Boverie erklärt: „Nussantara bedeutet eine Zusammenfügung von Inseln“.

Das Meer spielt bei fast allen Exponaten eine Rolle – einige der Stücke wurden aus gesunkenen Schiffen geborgen – aber auch religiöse Aspekte gehören zu vielen Ausstellungstücken. Und auch das wiederum hat viel mit dem Handel und der Seefahrt zu tun. Denn Indonesien hat durch die verschiedenen Menschen, die über die Jahrhunderte eingewandert sind, auch viele Religionsgemeinschaften integriert.

Heute sind fast 90 Prozent der 255 Millionen Einwohner muslimisch, der Islam ist jedoch nicht die Staatsreligion. Allerdings ist es für Bewohner staatlichg vorgeschrieben, sich zu einer der fünf Weltreligionen bekennen. Neben dem Islam können sich die Bürger dem Christentum (rund neun Prozent), dem Buddhismus (zwei Prozent, Konfuzianismus oder Hinduismus (ein Prozent) anschließen.

Wissenschaftlich unterstützt wurde die Ausstellung unter anderem vom Königlichen Museum Mariemont (zwischen Mons und Charleroi).

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