Europäische Stiftung ringt mit dem Geld

Von: Sabine Rother
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Als erstes deutsches Bauwerk wurde der Aachener Dom 1978 in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen. Die Europäische Stiftung Aachener Dom setzt sich für seinen Erhalt, aber auch für die Werte der europäischer Kultur ein. Doch die Mittel werden knapp. Foto: Michael Jaspers
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Engagieren sich für den Aachener Dom: Dompropst Manfred von Holtum (re.) und Michael Wirtz, Vorsitzender des Beirates der Stiftung. Foto: Roeger

Aachen. Wie ist die aktuelle Situation? Wie sieht der Weg für die Zukunft aus? Zwei Fragen, die sich die Europäische Stiftung Aachener Dom regelmäßig stellen muss. Bei der am 7. November stattfindenden Jahrestagung werden die Mitglieder Bilanz ziehen und hinter verschlossenen Türen diskutiert.

Beim Festvortrag und einem Konzert, das den Tag ausklingen lässt, sind dann alle Interessierten – auch Nichtmitglieder der Stiftung – willkommen.

Diesmal wird in der Aula der Aachener Domsingschule der ehemalige Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof über „Freiheit ohne Bindung? Zur Bedeutung des Christentums in einer freiheitlichen Gesellschaft“ sprechen.

Wie geht es der vor genau 20 Jahren gegründeten Europäischen Stiftung Aachener Dom? „Wir befinden uns in der gleichen Situation wie Tausende von deutschen Stiftungen“, sagt Michael Wirtz, Vorsitzender des Beirats, sehr offen. „Es herrscht ein Absinken der Erträge bei gleichbleibendem Aufwand, eine hochgefährliche Angelegenheit für eine Stiftung, die ja satzungsbedingte Aufgaben erfüllen muss.“

So ringe die Europäische Stiftung Aachener Dom inzwischen mit der Frage, ob sie ihre festgelegten Pflichten bald überhaupt noch erfüllen kann, ohne das Vermögen anzugreifen. „753.000 Euro Stiftungsvermögen, das hört sich nach einer großen Summe an“, sagt Wirtz, „aber bei einem Prozent Verzinsung ist das Ergebnis tatsächlich relativ gering.“

Der von Wirtschaftsprüfern vorgenommene Kassenabschluss hat die Besorgnis des Kuratoriums bestätigt. „Da müsst ihr euch mal anstrengen“, zitiert Wirtz die Worte der Experten. Und das soll ohne Zögern geschehen. Zum ersten Mal spricht man jetzt diese Sorge offen aus.

Die Grundsatzertragsgröße von maximal 50.000 Euro pro Jahr, also jene Summe, die notwendig ist, um die wichtigsten Projekte zu finanzieren, bereitet Kopfzerbrechen. Inzwischen sieht der Beirat nur einen Weg, um eine positivere Ertragssituation zu erreichen: Die Kuratoriumsmitglieder müssen ihre geschäftlichen und privaten Netzwerke nutzen, um erstmals in der Geschichte der Stiftung aktiv für die zu finanzierenden Projekte Stifter zu finden – Fundraising zu betreiben.

„Ja, wir brauchen dringend Förderer, die gewillt sind, eines oder mehrere Projekte zu unterstützen, aus Quellen, die wir heute noch nicht kennen“, betont Wirtz.

Ein Projekt, das der Stiftung besonders am Herzen liegt, ist die Fortführung der mobilen Ausstellung zum Aachener Dom. Im NRW-Landtag in Düsseldorf und in Aachen wurde sie bereits gezeigt. Ideal wäre eine Reise nach Reims 2017 zum 50-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft Aachen-Reims. „Das wollen wir durch eine Finanzierung von dritter Seite stemmen“, sagt Wirtz. „Wir wissen jetzt bereits sehr genau, dass dies die Stiftung allein nicht schaffen kann, aber wir müssen uns mit Projekten dieser Art der Öffentlichkeit stellen.“

Bei erwarteten Kosten in Höhe von mindestens 50.000 Euro allein für diese Unternehmung ist die Suche nach Hilfe verständlich. Zusätzlich gibt es Pläne für Brüssel (Europäischen Union) und Straßburg (Parlament). Das setzte jedoch voraus, dass man mit eigenen Mitteln handlungsfähig bleibt.

Die Fortsetzung der Publikationsreihe zur Aachener Marienkirche ist gleichfalls vorgesehen. „Es gab eine Tagung zum 600-jährigen Bestehen der Chorhalle“, berichtet Dompropst Manfred von Holtum. „Eine wichtige Standortbestimmung und eine Aufarbeitung bisher nicht ausgewerteter Quellen. Diese Beiträge werden einen zweiten Band prägen.“ Erscheinungsjahr wird 2016 sein.

Und nicht zuletzt die erfolgreichen Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche sollen fortgesetzt werden: die Lesung mit einem Kinderbuchautor mitten im Aachener Dom, die Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung, die in diesem Jahr Begegnungen zwischen deutschen und niederländische Schülern organisiert hat, sowie die Dichterlesungen „Sub Corona“ (zuletzt Ulla Hahn) mit hochrangigen Autoren.

Woher kommt Hilfe? Gibt es inzwischen europäische Stifter für die Europäische Stiftung? „Bisher noch nicht“, gesteht Wirtz, der die Wahl des Stiftungsnamens nochmals begründet. „Wir wollten das Welterbe, die europäische Bedeutung dieses Welterbes hervorheben“, sagt er. Eine „Stiftung Aachener Dom“ wäre in ihrer Wirkung begrenzt gewesen, eine „Europäische Stiftung“ habe mehr Kraft. Auch unter diesem Aspekt will man nun tätig werden und Stifter suchen – besonders im Blick auf europäisch geprägte Projekte. „Es gibt zum Glück Mitglieder des Kuratoriums mit internationalem Hintergrund.“

Aber Fundraising – Überzeugungsarbeit, die so intensiv geleistet wird, dass Stifter den Wunsch entwickeln, etwas wie zum Beispiel die neue Bleieindeckung des Sechzehnecks zu unterstützen – will gelernt sein.

Dringlicher Appell

25 000 Euro gehen regelmäßig jährlich aus Mitteln der Stiftung an den Aachener Dom. „Ein Tropfen auf den heißen Stein“, meint Wirtz. „Karlsverein und Dombauverein schaffen sechsstellige Summen.“ Umso intensiver appelliert er an jene, die in Aachen und Umgebung vermögend sind und ihr Testament aufsetzen – ohne solche Verfügungen gäbe es heute kein Stiftungsvermögen.

Wird der Europa-Gedanke überhaupt mit dem Aachener Dom verknüpft? „Die Durchdringung ist noch nicht selbstverständlich, obwohl wir im europäischen Raum als Weltkulturerbe einen guten Namen haben“, meint Manfred von Holtum. Er hat festgestellt: „Die Möglichkeiten, an europäische Gelder zu kommen, sind eher begrenzt, da ist viel Konkurrenz.“

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