Euregionales Pilotprojekt Emric+ zieht erfolgreiche Zwischenbilanz

Von: Ulrich Simons
Letzte Aktualisierung:
6692188.jpg
Gemeinsamer Einsatz: Niederländische und deutsche Feuerwehrleute bei einem Großbrand im Januar 2011 in Kerkrade. Foto: Ralf Roeger

Euregio. Die Zielvorgabe klingt einfach: „Grenzenlose, schnellstmögliche Hilfe, wenn es um Menschenleben geht.“ Doch während die Bewohner des Dreiländerecks die Ländergrenzen kaum noch wahrnehmen, zeigt sich Europa im Alltag von Feuerwehren, Rettungs- und Gesundheitdiensten oft viel komplizierter als in den Festtagsreden zur Karlspreis-Verleihung.

Emric+ („Euregio Maas Rhein in Crises“) heißt ein europaweit einmaliges Projekt, das die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg in den kommenden Jahren weiter regeln und optimieren soll.

Nachbarliche Hilfe hat in der Euregio eine Jahrzehnte lange Tradition. Heute löschen deutsche und niederländische Feu­er­wehren gemeinsam in Kerkrade, und der Maastrichter Rettungswagen fährt problemlos über die Grenze nach Lanaken in Belgien.

Das war nicht immer so: Ungläubiges Kopfschütteln ruft heute unter anderem die Erinnerung hervor, dass noch in den 60er Jahren Patienten auf dem Weg zu den „Städtischen Krankenanstalten“ in der Aachener Goethestraße an der Grenze bei Vaals aus dem niederländischen Rettungswagen in einen deutschen umgeladen werden mussten.

Vor fünf Jahren startete daher das Modellprojekt Emric+ mit dem Ziel, die grenzüberschreitende Hilfeleistung bei Unfällen, Katas­trophen oder bei der drohenden Ausbreitung von Infektionskrankheiten weiter zu verbessern.

140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus mehr als 40 Hilfs- und Rettungsorganisationen in Belgien, den Niederlanden und in Deutschland haben viele Stunden ihrer Freizeit investiert, um die Möglichkeiten professioneller Zusammenarbeit weiter auszuloten. In Maastricht unterzeichneten die Vertreter der beteiligten Kommunen und Organisationen nun eine trilaterale Vereinbarung zum grenzüberschreitenden öffentlich-rechtlichen Rettungsdienst. Denn die begonnene Zusammenarbeit soll auf jeden Fall fortgesetzt werden. Viele Projekte sind reif für die Umsetzung in den Alltag.

Rund 600 grenzüberschreitende Brand- und Rettungseinsätze in der Euregio verzeichnet die aktuelle Statistik im Jahr. Vieles ist besser geworden im Laufe der Jahrzehnte. Ungelöste Probleme gibt es trotzdem noch genug: Darf ein niederländischer Rettungswagen mit Blaulicht und Martinshorn auf dem Weg zum Aachener Uni-Klinikum in Deutschland eine rote Ampel überfahren? Was ist mit Medikamenten, die ein solcher Wagen an Bord hat und die in den Niederlanden und in Belgien erlaubt sind, in Deutschland aber unter das Betäubungsmittelgesetz fallen? Wie verbindet man angesichts unterschiedlicher Kupplungs-Systeme in Deutschland und Belgien bei einem Feuer im Hohen Venn die Schläuche? Zumindest für diesen Fall gibt es seit einigen Jahren eine Lösung. Inoffiziell. Stillschweigend toleriert. Manches andere dagegen wird noch viel Geduld und Beharrlichkeit erfordern. Gerard van Klaveren, Leiter der Feuerwehr Süd-Limburg: „Wir sind nun einmal unterschiedlich.“

Doch diese Eigenheiten in Sprache, Kultur und Gesetzen eröffnen auch neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit. „Wir sollten es ganz einfach machen“, krempelte Provinzgouverneur Herman Reynders aus dem belgischen Limburg verbal die Ärmel hoch, verwies allerdings darauf, dass man an einer Anpassung der Gesetze hier und da nicht vorbeikomme.

Als größte Herausforderung in den fünf Jahren des Projektes hatte sich die Kommunikation herausgestellt. Dabei ging es nicht nur um Funktechnik und Sprachbarrieren – in allen drei Partnerregionen gelten zudem unterschiedliche Bestimmungen beim Umgang mit risikobezogenen Daten.

Als jetzt die Spitzen der Kommunen und Regionen in Maastricht ein Kooperationsabkommen für weitere fünf Jahre unterzeichneten, hätten wohl alle gerne sofort weitergemacht, wozu auch EU-Parlamentspräsident Martin Schultz per Video-Botschaft ermunterte.

Doch Emric+ hat jetzt erst einmal Pause. Denn EU-Fördermittel kann man nicht einfach beantragen, wenn man sie braucht. Da sind Termine und Fristen einzuhalten. Und so wird es wohl erst 2015 offiziell weitergehen. Auch das ist Europa.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert