Aachen/Düren - Eskalierter „Knöllchen-Streit“: Eine Strafe, die auch Prävention sein soll

Eskalierter „Knöllchen-Streit“: Eine Strafe, die auch Prävention sein soll

Von: Wolfgang Schumacher
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Ein Streit, der völlig außer Kontrolle geriet: Das Landgericht Aachen verhandelt gegen Faysal S. (Mitte), Michael S. (l.) und Gabriel S. Der Vater und zwei seiner Söhne sollen im Streit um ein Knöllchen im November 2016 mehrere Polizisten verprügelt haben. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Düren. Nach mehr als 20 Verhandlungstagen und vielen Zeugenvernehmungen im Prozess um einen bedrohten Dürener Ordnungsamtsmitarbeiter und einen schwer verletzten Polizisten vor dem Aachener Landgericht ist die Beweisaufnahme am Freitag beendet worden. Daran schlossen sich die Plädoyers an.

Die Staatsanwaltschaft fordert für den Haupttäter Gabriel S. (29) eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren wegen zweifacher gefährlicher Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Die Tat komme „einem versuchten Totschlag nahe“, sagte Staatsanwalt Joel Güntert.

Für den mitangeklagten Vater Faysal S. (47), der eigentliche Anstifter der Gewalteskalation am 12. November 2016 im Dürener Norden, forderte die Staatsanwaltschaft eine vergleichsweise milde Strafe von einem Jahr auf Bewährung. Bei dem ebenfalls wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung angeklagten jüngeren Bruder Michael S. (28) beantragte Staatsanwalt Guido Schreiner elf Monate auf Bewährung. Für viele Beobachter eine zu milde Strafe – Michael S. soll immerhin drei Beamte verletzt haben.

Vorausgegangen war dem Angriff auf die Beamten ein Streit um ein Knöllchen. Das hatte ein Ordnungsamtsmitarbeiter in der Dürener Scharnhorststraße ausgestellt – woraufhin es zu einem Streit mit einer dort ansässigen Familie kam, in dessen Folge die Polizei hinzugerufen wurde. Der Streit um das Ticket endete in einer brutalen Schlägerei zwischen den Angeklagten und der Polizei. Zum Schluss waren in den Polizeieinsatz mehr als ein Dutzend Polizisten involviert. Mehrere Beamte wurden bei dem Einsatz verletzt, besonders schwer traf es den damals 37-jährigen Alexander Z., der bis heute um die völlige Wiederherstellung seiner Sehkraft bangt.

Was Verteidiger Osama Momen Freitagmittag von Staatsanwalt Güntert über seinen Mandanten Gabriel S. hören musste, hatte er in dieser Schärfe nicht erwartet. Für Momen, der später in seinem Plädoyer einen Freispruch forderte, war das Ganze eher ein gegenseitiges Aufschaukeln mit ebensolchen Provokationen seitens der Polizei.

Doch an jenem 12. November war etwas passiert, das sich eine funktionierende staatliche Ordnung mit ihrem gesetzlich verbrieften Gewaltmonopol nicht gefallen lassen kann. Der Vater, so schilderte Güntert die Genese des Gewaltexzesses mitten auf der Straße im Beisein von Kindern, Mütter und Großmüttern, habe sich „wie ein König“ aufgeführt.

Denn Vater S. hatte sich mit einem Mitarbeiter des Ordnungsamtes angelegt, der es sich tatsächlich erlaubt hatte, im Hoheitsgebiet von Faysal S. Knöllchen zu schreiben. Er habe ihn verbal massiv bedroht, sogar mit dem Tod, wenn er nicht umgehend damit aufhöre. Der Mitarbeiter rief aus Angst die Polizei.

Dann ging es richtig los. Der Vater war dabei, einen Reifen an seinem Pkw zu wechseln, entsprechendes Werkzeug lag in der Nähe. Plötzlich nahm S. drohend einen Radschlüssel in die Hand, die Polizisten forderten den Vater auf, die Drohungen zu unterlassen. Da habe sich bereits Sohn Gabriel eingemischt und geschrien: „So spricht man nicht mit meinem Vater!“ Es kam zum Einsatz von Reizgas.

Der Sohn habe dann den Beamten Z. am Kragen gefasst und zu Boden gerungen, es gab Faustschläge ins Gesicht des Polizisten. Irgendwie muss S. sich des Radschlüssels bemächtigt haben, laut Staatsanwaltschaft schlug er auf den Kopf des Beamten ein. Der brach blutüberströmt zusammen.

Auch die in kurzen Abständen eintreffenden Polizisten konnten die Sache letztlich nur beruhigen, indem sie den später ankommenden Sohn Michael mit körperlicher Gewalt niederrangen.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft bedarf es einer hohen Strafe insbesondere für Gabriel S. Vor allem deswegen, weil künftig Beamte im Dienst geschützt werden müssen, es ist ein Antrag, der auch der Generalprävention dienen soll. Ein Urteil wird am 15. Dezember erwartet.

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