Eschweiler Hospital klagt gegen AOK

Von: Udo Kals
Letzte Aktualisierung:
St.-Antonius-Hospital
Zwei Krankenhäuser - darunter das St.-Antonius-Hospital in Eschweiler - strengen gegen das Internetportal des AOK-Bundesverbandes Musterprozesse an. Foto: Günter Paulssen

Eschweiler. Ob Gallenblasenentfernung, Einbau einer künstlichen Hüfte oder Herzklappe: Wer sich in solchen und anderen Fällen auf den OP-Tisch legen muss, der weiß natürlich im Vorfeld nur zu gerne, welches Krankenhaus in der Nähe des Wohnortes für welchen Eingriff besonders geeignet ist.

Sicher ist schließlich sicher. Das sieht auch die AOK als große Krankenkasse so und will den Patienten mit ihrem sogenannten Krankenhausnavigator durch den Info-Dschungel lotsen – und ihm eine Entscheidungshilfe an die Hand geben.

Dass dies eine gute Idee ist, will Elmar Wagenbach zwar gar nicht abstreiten. Doch der Geschäftsführende Vorstand des Eschweiler St.-Antonius-Hospitals hält die Bewertungsmethode für mangelhaft – und zieht wie der Chef der Kreiskliniken Gummersbach Waldbröl gegen den AOK-Bundesverband vor Gericht. Die Krankenkasse bewertet anhand ihrer Mitgliedsdaten, wie lange ein AOK-Versicherter nach einer OP arbeitsunfähig ist, ob Komplikationen auftreten oder eine Reha erforderlich ist.

Wagenbach betont, dass nicht eine schlechte Bewertung seines Hauses für den Klage beim Berliner Sozialgericht verantwortlich ist. Das Antonius-Hospital schneidet in Teilen sogar sehr gut ab. „Ich stehe dazu, dass ich mich mit etwaigen Qualitätsdefiziten auseinandersetzen muss. Doch wenn ich die Qualität eines Krankenhauses verbessern will, muss ich wissen, wie Defizite entstanden sind. Doch aus Datenschutzgründen werden uns diese Erkenntnisse nicht mitgeteilt.“

Diese mangelnde Transparenz ist für ihn – wie auch für die Krankenhausgesellschaft NRW, die die Musterprozesse finanziert – ein großes Problem. So wird auch bezweifelt, dass den Patienten sichere und nachvollziehbare Daten geliefert werden. Um auch längerfristige Rückfallquoten abzubilden, lässt die AOK die anonymisierten Abrechnungsdaten ihrer Versicherten auswerten. Vor allem gegen dieses Vorgehen sträuben sich die Kliniken. Wagenbach: „Wenn ein Patient, der etwa in Eschweiler am Herzen operiert wird, ein halbes Jahr später in der Reha stürzt, wird dies als Komplikation dem OP-Krankenhaus zugeordnet. Das macht keinen Sinn.“

Und der AOK-Bundesverband? Uwe Deh hat als Geschäftsführender Vorstand der Krankenkasse naturgemäß wenig Verständnis für die Kritik: „Kliniken schaden sich am Ende nur selbst, wenn sie sich öffentlich als Verhinderer von Qualitätsinformationen präsentieren und den Patienten die Transparenz über die Qualität an ihrer Klinik verweigern wollen.“

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