Es waren Warnschüsse, allerdings äußerst gefährliche

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. „Das hätte schon sehr böse ausgehen können”, begann Richter Gerd Nohl die Urteilsverkündung.

Das Aachener Schwurgericht kam am Montag allerdings zu der Überzeugung, dass der Angeklagte Anfang Dezember im Café Alex und im angrenzenden Lust for Life zwar herumgeballert hatte, dabei aber nicht den Tod seines Kontrahenten wollte.

So verurteilte die Kammer den aus Aachen stammenden Metin Y. (41) wegen Nötigung seines Kontrahenten und der Bedrohung eines weiteren Mannes auf der Mefferdatisstraße in Tateinheit mit einem Verstoß gegen das Waffengesetz zu zwei Jahren und neun Monaten Haft.

Divergierende Zeugenaussagen hätten es dem Gericht schwer gemacht, den genauen Tatablauf zu rekonstruieren, meinte der Vorsitzende Richter. Und so sei nach einem Rechtsgrundsatz entschieden worden, den man in der letzten Woche in vielen Blättern habe lesen können. „In dubio pro reo” heiße er, also im Zweifel für den Angeklagten.

Hauptsächlich drei Zeugen waren es, die dem Gericht so glaubwürdig erschienen, dass ihre Aussage zur Grundlage der Entscheidung wurden. Eine Einlassung hatte das Gericht völlig außen vor gelassen, es war die des vermeintlichen Opfers, eines etwa gleichaltrigen Mannes albanische Abstammung. „Wir haben seine Aussage nicht berücksichtigt”, erklärte Nohl.

Es ging um 7500 Euro

Der Mann sei zweifellos ein Krimineller und habe derartig übertrieben, dass seine Angaben unverwertbar blieben. So hatte das Opfer, mit dem der Angeklagte sich am 2. Dezember letztes Jahr im Lust for Life traf, angegeben, Y. habe quasi aus der Hüfte seine Pistole gezogen und auf ihn gefeuert. Er habe sich nur hakenschlagend wie ein Hase retten können. Dass der Mann, der laut dem Angeklagten Schutzgelder für das von ihm betriebene private Spielkasino in Höhe 7500 Euro erpressen wollte, springen sollte „wie eine Ratte”, das hatte Metin Y. zugegeben.

Das Gericht hielt dem 41-Jährigen seine bedrohliche gesundheitliche Situation zugute. „Er hat solchen Kokain- und Alkoholmissbrauch betrieben, dass er zur Tatzeit völlig am Ende war”, glaubt ihm Nohl. Laut Gericht waren es letztlich drei Schüsse, die abgegeben wurden, der erste im Café Alex, wo die Dreiergruppe direkt neben der Türe zum Kaufhaus saß. Y. schoss in Beinhöhe. „Da hätte er sein Gegenüber auch als ungeübter Schütze töten können”, war sich die Kammer sicher, auch die zwei weiteren Kugel im Kaufhaus seien ungezielt gewesen.

Natürlich versetzte Y. die Gäste im Café in Aufruhr, sie hatten Angst. Dass hatte der Kellner im Zeugenstand berichtet - und, dass etliche Gäste einfach ohne zu bezahlen verschwanden. Das fand das Gericht zurecht völlig unmöglich. Am Ende fehlte ein Umsatz von 300 Euro im Portemonnaie.
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