Es gab Liste gefährdeter Gebäude in Köln

Von: Johannes Nitschmann
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Köln / OB Fritz Schramma
Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) spricht in Köln bei einer Pressekonferenz zum Einsturz des Historischen Stadtarchivs. Fast zwei Wochen nach dem Einsturz und der Bergung von zwei Toten beendete der Krisenstab seine Arbeit. Foto: dpa

Köln. Vier Wochen nach dem Einsturz des Historischen Archivs in Köln, bei dem zwei Menschen ums Leben kamen, werden immer neue Versäumnisse und Verstöße bekannt.

Wie am Mittwoch aus dem Krisenstab verlautete, hatte die Stadt Köln eine Liste gefährdeter Gebäude entlang der vier Kilometer langen U-Bahn-Trasse erstellt, ohne dabei das sechsgeschossige Archiv zu berücksichtigen.

Für diese Panne wird im Rathaus Baudezernent Bernd Streitberger verantwortlich gemacht, gegen den bereits ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden ist. Streitberger steht im Verdacht, brisante Bauakten mit Zwischenfällen beim U-Bahn-Bau vertuscht zu haben.

Um mögliche Dienstverfehlungen seiner Beamten aufzuklären, hat der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) ausgerechnet in der den Domstädtern herzlich verhassten Landeshauptstadt um „Nachbarschaftshilfe” gebeten. Der Rechtsamtsleiter der Stadt Düsseldorf, Michael Großmann, wird in Köln als Ermittlungsführer für Disziplinarverfahren fungieren. Disziplinarische Ermittlungen gegen Rathaus-Mitarbeiter müssen Externen übertragen werden.

Die Reaktion von Schramma, gegen mögliche Vertuschungen bei der Aufklärung der Kölner Einsturz-Katastrophe disziplinarisch vorzugehen, zeige „dass immense Wut und auch Fassungslosigkeit in einem hochkommen, wenn man neben Leuten sitzt, die einen nicht informieren”, erklärte der Düsseldorfer Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) zu dem ungewöhnlichen Schritt Schrammas, in der Stadtverwaltung der Landeshauptstadt Rechtshilfe zu suchen.

Ferner wurde am Mittwoch bekannt, dass der Sitzungsverlauf des Krisenstabes, der offiziell „Koordinationsrat” heißt, ohne Kenntnis der Mitglieder auf Tonband mitgeschnitten wurde. OB Schramma bestätigte dies in einem Radiointerview mit dem Hinweis, dies sei bei solchen Sitzungen als „bloße Arbeitserleichterung für die Protokollführer üblich”. Da die Mitglieder des Krisenstabes darauf nicht ausdrücklich hingewiesen worden seien, habe er zwischenzeitlich die Löschung der Tonbänder veranlasst.

Rechtsexperten wiesen darauf hin, dass es strafbar sein könne, wenn Amtsträger illegal Mitschnitte von Sitzungen anfertigten. Der Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft, Günter Feld, erklärte auf Anfrage, seine Behörde habe diese Vorgänge registriert. Der zuständige Ermittler werde am Donnerstag entscheiden, ob er bei den Tonbandmitschnitten „den Anfangsverdacht für eine Straftat” sehe.

Archivare in Köln traumatisiert

Auch über drei Wochen nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs leiden die 38 Mitarbeiter des Archivs massiv unter den Folgen des Ereignisses. „Viele Kolleginnen und Kollegen sind traumatisiert”, sagte Archivleiterin Bettina Schmidt-Czaia am Mittwoch in Köln.

Für Menschen, die ihr Arbeitsleben mit dem Pflegen und Restaurieren von Archivalien verbringen, sei die Situation ausgesprochen belastend, betonte Schmidt-Czaia. „Viele fragen sich, wie ihr Arbeitsalltag für die nächsten zehn, zwanzig Jahre aussehen wird.”

Die Archivleiterin forderte spätestens bis zum Sommer die Einrichtung eines Archiv- und Restaurationszentrums, um den Neuaufbau der Sammlung zu organisieren. Die wieder hergestellten Kulturgüter sollten so schnell wie möglich wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
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