Es fehlen Schulleiter: Aufgabe für Idealisten

Von: Thorsten Karbach und Udo Kals
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Aachen. Die Tage werden immer länger. Die Arbeitstage von Schulleitern. In einer Grundschule in der Region sitzt die erfahrene Pädagogin und sagt: „Man braucht schon viel Idealismus. Man muss an Schule etwas verändern wollen, wenn man heutzutage ein Schulleiter wird.”

Denn mehr Verwaltungsarbeit, Bürokratie, mehr Organisation sorgen für Unmut. „Die Belastung ist enorm”, erklärt eine andere Schulleiterin. „Wir sind mittlerweile für alles zuständig - vom Nagel in der Wand bis zum Hochpädagogischen”, erläutert eine dritte. Weil die Schulaufsicht nicht gerne hört, wenn das Personal murrt, bleiben ihre Namen ungenannt. Wenn in diesen Tagen von fast 500 vakanten Schulleiterposten - davon etwa 300 an Grundschulen - die Rede ist, sagen alle drei Frauen: „Das wundert mich nicht.”

Das Problem ist bekannt. Dem Schulministerium in Düsseldorf ebenso wie den Schulaufsichtsbehörden. Der Aachener Schulrat Christoph Esser meint: „Wir wünschen uns mehr Lehrer, die Schulleiter werden wollen.” Und von der Vorstellung, dass sich auf eine Stelle mehrere Pädagogen bewerben und die am besten geeignete Person ausgewählt wird, „ist die Realität weit entfernt”.

Die Aufgaben für Schulleitungen sind in den letzten Jahren immer umfangreicher geworden. Zwar wurden Unterrichtsstunden für die Rektoren reduziert, doch gerade die Zeit im Klassenraum ist für viele Schulleiter von unschätzbarem Wert. Schließlich sind sie immer noch Lehrer. Auch wenn andere Qualitäten mehr denn je gefragt sind.

Nächste Woche Dienstag und Mittwoch finden wieder sogenannte Eignungsfeststellungen für neue Schulleiter statt. Die zuständige Abteilung bei den Bezirksregierungen heißt „Schulmanagement NRW”. Vielsagend. Denn der Schulleiter der Gegenwart und vor allem der Zukunft muss mehr denn je wie ein Manager agieren. Das Eignungsfeststellungsverfahren (EFV) überprüft laut Ministeriumshomepage die Eignung in Bezug auf die Leitungskompetenzen Kommunikation, Rollenklarheit, Innovation und Management.

Kritisiert wird von Schulleitern und Kandidaten zudem die Bezahlung jenseits der Gymnasien. An Grundschulen verdienen die Leiterinnen nicht mehr als Sonderpädagoginnen - denen die Nägel in der Wand egal sein können. „Wenn die Bezahlung wenigstens besser wäre”, sagt eine Leiterin.
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