Erzbistum Köln sucht einen neuen Dombaumeister

Von: Jonas-Erik Schmidt
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Kölner Dom
In Köln wird nach einem neuen Dombaumeister gesucht. Foto: dpa

Köln. Wer sich einen ruhigen, zurückgezogenen Job ohne großes Bohei wünscht, ist bei Gerd Bachner wohl an der falschen Adresse.

„Am Dom ist jedes Husten eine Nachricht. Es gibt dort nichts, was keine Nachricht ist“, sagt der Dompropst trocken. Bachner macht damit klar, mit was es der Bewerber für die Stelle, die er zu vergeben hat, zu tun bekommt: mit einem Wahrzeichen Deutschlands, einer der größten Kirchen der Welt, zu der viele Bürger der Stadt ein seltsam inniges Verhältnis pflegen. Da ist Aufmerksamkeit sicher. Bachner sucht einen Dombaumeister für Köln.

Ein Spezialist für Spezialisten

Dombaumeister, das klingt nach Historienroman und Mittelalter. In Köln wird aber nun, im Jahr 2015, recht modern nach einem neuen gefahndet. Die Stelle wurde im Internet ausgeschrieben. Am Montag endete die Bewerbungsfrist. Über die Bewerbungen soll sich dann eine Kommission beugen. Es ist eine begehrte Stelle, deren Besetzung ein Schlaglicht auf eine sehr spezielle Branche wirft. Dombaumeister ist kein Job wie jeder andere.

Die Ausschreibung in Köln umreißt, wer gesucht wird: Ein Architekt, wenn möglich promoviert, der auch wissenschaftlich arbeiten will und ein „ausgeprägtes Verständnis für den Vollzug der unterschiedlichen liturgischen Feiern in der Bischofskirche“ besitzt.

„Natürlich ist das die Vorstufe zum Paradies“, sagt Peter Füssenich über seinen Beruf, wohl nur halb im Spaß gemeint. In Köln leitet er gerade kommissarisch den Dombau. Das Domkapitel und der alte Dombaumeister hatten sich nach langem Streit getrennt. Füssenich warnt davor, sich unter dem Beruf nur verschwitzte Handwerker auf langen Leitern vorzustellen. „Ein Dombaumeister hat heutzutage sicher andere Aufgaben zu erfüllen als noch in mittelalterlichen Zeiten“, sagt er.

Der Hauptunterschied zu früher: Der Dom steht ja schon. Er muss aber erhalten werden. Ein Dombaumeister führt als Spezialist andere Spezialisten an. Die Kölner Dombauhütte etwa hat 100 Mitarbeiter. Darunter sind Restauratoren, Steinmetze, Glaser, Elektriker, Gerüstbauer, Schreiner, Metallbauer, Dachdecker und Kunsthistoriker.

Weiter südlich in Deutschland hat Michael Hilbert den höchsten Kirchturm der Welt vor der Nase. „Ich bin für alles, was das Münster betrifft, verantwortlich“, sagt der Münsterbaumeister von Ulm. Das fange bei Hausmeisterarbeiten und beim Gebäudemonitoring an, also auch zum Beispiel beim Brandschutz. Die Hauptaufgabe sind die manchmal komplizierten Restaurierungsarbeiten.

In Ulm sind unter anderem zehn verschiedene Steinsorten verbaut. Sie haben unterschiedliche physikalische und chemische Eigenschaften. „Die Steine sind sich untereinander nicht grün“, nennt es Hilbert. Der eine lässt das Wasser abperlen, der andere muss daher bei Regen das Doppelte schlucken. Um die Steine naturgetreu ersetzen zu können, haben sie in Ulm angefangen, eigene Steinbrüche zu erschließen.

Was die Sache insbesondere in Köln kompliziert macht: Ihr Dom ist den Kölnern so heilig, dass sein unbedingter Verbleib in der Stadt mitunter offensiv besungen wird. Dompropst Bachner weiß um die Bedeutung der Kandidatenauslese. „Wir werden uns beim Bewerbungsverfahren wieder viel Mühe geben. Aber man kann keinem Menschen in die Seele hineinschauen“, sagt er.

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