Erster Schultag: Hüpfburg und Clown zum Schulstart

Von: Sandra Kinkel
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Düren. Maksim Shapovalov aus Düren freut sich schon sehr auf den 31. August. „Dann komme ich in die Schule“, sagt der sechsjährige Junge. „Und ich lerne rechnen und die Buchstaben. Dann kann ich selbst lesen, und meine Eltern müssen mir nicht mehr alles vorlesen.“ Der erste Schultag ist für Kinder ohne Zweifel ein besonderer, ein wichtiger Tag. Aber er ist auch ein Tag, der immer mehr zum Event verkommt.

„Irgendwie wird unsere Aula bei der Einschulungsfeier immer kleiner“, sagt Susanne Senhen mit einem Augenzwinkern. „Es kommen nicht mehr nur die Eltern der neuen Erstklässler mit, sondern auch Großeltern, Tanten, Onkeln und Paten, Freunde, manchmal sogar Nachbarn – der erste Schultag wird immer mehr zu einer riesigen Party.“

Senhen ist Schulleiterin der Dürener Südschule, einer Grundschule mit mehr als 400 Schülern. Die erfahrene Pädagogin weiß genau, wovon sie spricht. „Natürlich sollte der erste Schultag gewürdigt werden. Aber aus meiner Sicht genügt es vollkommen, wenn die Kinder den Tag mit ihren Eltern verbringen und vielleicht ihr Lieblingsessen bekommen.“

Spezielle Motto-Torten

Die Realität sieht aber anders aus. In vielen Restaurants in der Dürener Innenstadt sind am 31. August mittags längst alle Tische reserviert, Konditoreien bieten spezielle Motto-Torten für den ersten Schultag an. Senhen: „Ich kenne sogar Kinder, die nach der Schule und dem Mittagessen im Restaurant noch ins Theater gegangen sind oder zu Hause eine Feier mit vielen Gästen und sogar einem eigenen Clown hatten. Das ist einfach total übertrieben.“ Und führt aus Sicht der Schulleiterin dazu, dass das, worum es beim ersten Schultag geht, immer mehr in den Hintergrund gerät.

„Wichtiger als die Kinder mit Geschenken und einem Event zu beschenken ist, dass die Jungen und Mädchen ein gutes Sozialverhalten haben. Nur dann können sie sich gut in den Klassenverband einfügen.“ Sie mache immer häufiger die Erfahrung, erklärt die Schulleiterin, dass Erstklässler große Probleme hätten, sich anzupassen. „Oft haben wir in einer Klasse 27 kleine Prinzen und Prinzessinnen. Die Kinder tun sich schwer, Regeln zu akzeptieren. Das macht auch den Schulalltag nicht gerade einfach.“ Ein Mega-Fest zum Schulanfang sei da natürlich nicht besonders förderlich. „So ein Event sorgt noch einmal zusätzlich für Ich-Bezogenheit, weil die Kinder einmal mehr die Erfahrung machen, dass sich alles nur um sie dreht.“

Ähnlich sieht das auch Erzieherin Ulrike Deubgen von der Kindertagesstätte St. Anna in Düren. „Der erste Schultag hat sich sehr verändert. Es steht bei vielen Familien immer mehr im Vordergrund, eine große Feier zu haben. Dass das Kind gut auf den neuen Lebensabschnitt vorbereitet wird, gerät immer stärker in den Hintergrund.“ Dass sich der Trend zur großen Party am ersten Schultag noch einmal ändert, hält Diplom-Psychologin Hildegard Licher vom Schulpsychologischen Dienst des Kreises Düren für eher unwahrscheinlich. „Da es heute weniger Kinder in den Familien gibt als früher, bekommen diese Jungen und Mädchen natürlich vermehrt Aufmerksamkeit.“

Zudem mache die Kommerzialisierung bedeutsamer Lebensereignisse auch vor der Einschulung eben keinen Halt mehr. Licher: „Es entstehen ja auch Vergleichsprozesse bei den Familien. Und keiner will, dass sein Kind das Nachsehen hat, weil es nur eine kleine Feier zur Einschulung bekommen hat.“ Trotzdem empfiehlt die Schulpsychologin, bei der Gestaltung des ersten Schultages Maß zu halten. „Wichtiger als eine Feier mit Hüpfburg ist, die Kinder beim Übergang in den neuen Lebensabschnitt verständnisvoll zu unterstützen und zu begleiten.“

Große Geschenke?

Und was ist mit großen Geschenken zum Schulanfang? Licher: „Wenn Eltern immer mehr Aufwand für den ersten Schultag betreiben, steigen natürlich auch die Ansprüche an Schultüte, Ranzen und Geschenke entsprechend. Ich habe Sympathien für eher kleinere Geschenke.“ Schön findet Licher die Tradition vieler Kindertagesstätten, die die Schultüten mit den Eltern und Kindern gemeinsam basteln. „Natürlich soll der erste Schultag auch Spaß machen“, ergänzt Hildegard Licher. „Und deswegen darf in der Schultüte auch die ein oder andere Süßigkeit sein.“

Auf Geschenke und Süßigkeiten hofft Maksim an seinem ersten Schultag auch, grundsätzlich wird seine Einschulungsfeier aber eher in kleinerem Rahmen stattfinden. „Wir sind vor zwei Jahren aus Russland nach Deutschland gekommen“, erzählt Maksims Mama Elena Shapovalov. „Dort gibt es keine Partys zum ersten Schultag. Das habe ich erst hier kennengelernt.“

Elena Shapovalov hält nicht viel von einer riesigen Feier. „Ich werde auch am 31. August mit Maksim alleine zur Schule gehen, weil mein Mann arbeiten muss.“ Gleichwohl ist es der Mutter sehr wichtig, dass der Schulbeginn für ihren Sohn unvergesslich schön bleibt. „Die Schule selbst wird ihm nicht immer Spaß machen. Umso wichtiger finde ich es, dass ihm sein erster Schultag in möglichst guter Erinnerung bleibt.“

Deswegen hat Maksim seinen Wunsch-Schulranzen mit Autos drauf bekommen und deswegen bekommt der kleine Junge auch ein paar Geschenke. Ein bisschen gefeiert wird bei den Shapovalovs am 31. August auch. Nachmittags kommen seine Großeltern zu Kaffee und Kuchen vorbei.

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