Aachen/Brüssel - Erste Partei in Belgien rüttelt am Atomausstieg 2025

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Erste Partei in Belgien rüttelt am Atomausstieg 2025

Von: Madeleine Gullert
Letzte Aktualisierung:
Tihange
Der Betreiber der beiden belgischen Atomkraftwerke, Engie-Electrabel, hatte zuletzt die Führung in Tihange ausgetauscht. Foto: Oliver Berg/dpa

Aachen/Brüssel. Der für das Jahr 2025 geplante Atomausstieg Belgiens steht womöglich zur Disposition. Die N-VA (Neu-Flämische Allianz), der auch Innenminister Jan Jambon angehört, plädieren derzeit massiv für einen Aufschub.

Ein Atomausstieg Belgiens im Jahr 2025 sei nicht möglich, so die Einschätzung der Partei. Laut einer aktuellen Studie von Verbraucherschützern würden sich die Energiepreise bis 2030 verdoppeln, wenn Belgien seine sieben Meiler in Tihange bei Lüttich und Doel bei Antwerpen wie geplant stilllegt. Eigentlich sollen die umstrittenen Meiler Tihange 2 schon 2023 und Doel 3 im Jahr 2022 abgeschaltet werden. Die anderen würden folgen.

Während andere Parteien einen schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien anmahnen, hat die N-VA Zweifel, ob die Zeit dafür überhaupt noch reicht. Ein Gutachten der NRW-Landesregierung, das Landesumweltminister Johannes Remmel (Grüne) bei einem Redaktionsbesuch unserer Zeitung vorgestellt hatte, besagt demgegenüber: Der Atomausstieg 2025 in Belgien ist möglich, aber nur, wenn das Land den Ausbau von Alternativen vorantreibt.

Genau daran aber hapert es, sagt Jean-Marc Nollet, Fraktionsvorsitzender der Grünen im belgischen Parlament im Gespräch mit unserer Zeitung. „Die Regierung lässt das Thema schleifen. Natürlich steigt dann das Risiko, dass der Staat nicht vorbereitet ist – und es dann zu spät ist“, beklagt der Grünen-Politiker. Und das ist nicht seine einzige Sorge bezüglich der belgischen Atompolitik.

In dieser Woche besuchte er mit Innenminister Jambon die Zentrale in Tihange, wo auch der umstrittene Meiler 2 steht. In den Reaktordruckbehältern der Meiler Tihange 2 und Doel 3 befinden sich Tausende Haarrisse, was vielen Bürgern und auch der Politik in unserer Region Sorgen bereitet.

Im Fokus des Besuchs von Mitgliedern der belgischen Kommission für nukleare Sicherheit stand Meiler 1, der seit Anfang September abgeschaltet ist. Der Reaktor war wegen eines Gebäudeschadens runtergefahren worden. Dort, wo sich ein Ersatzpumpensystem befindet, hatte sich der Fußboden gehoben. „Ich bin auch nach dem Besuch nicht beruhigt“, sagte Nollet. Es habe zwar Sanierungsarbeiten gegeben, dennoch habe man keine Garantien dafür, dass das Gebäude etwa einem Erdbeben standhalten könne.

Der Betreiber der beiden belgischen Atomkraftwerke, Engie-Electrabel, hatte zuletzt die Führung in Tihange ausgetauscht. „Die wussten nicht einmal um die Problematik der Beschaffenheit des Zements und des Bodens“, kritisiert Nollet. Der Betreiber hat 314 Maßnahmen zur Sicherung der Kernzentrale angekündigt. Die sollen von der belgischen Atomaufsichtsbehörde FANC überprüft werden. Nollet bleibt weiterhin skeptisch: „Wir müssen die Vorgänge in Tihange weiter begutachten.“

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