Erste Hinweise auf den Autobahn-Schützen

Von: Claudia Schweda
Letzte Aktualisierung:
lastwagen schütze
Diese Momentaufnahme aus dem Youtube-Video zeigt, wie der überholende Fahrer den anderen Lkw-Lenker mit einer Pistole bedroht.

Wiesbaden/Aachen. Noch nie zuvor hat sich ein BKA-Präsident nach Angaben der Behörde über die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ an die Öffentlichkeit gewandt. Doch im Fall des Lkw-Schützen auf Autobahnen, der seit viereinhalb Jahren aus der Fahrt heraus 744 Einschusslöcher meist in Autotransportern auf der Gegenfahrbahn hinterlassen hat, wird die Lage inzwischen als so gefährlich und gleichzeitig offenbar ermittlungstaktisch als so aussichtslos bewertet, dass BKA-Präsident Jörg Ziercke sich zu diesem Schritt entschlossen hat.

Im Juni hatte sich die Lage zugespitzt. Der Täter schlug nicht mehr mit Waffen des kleineren Kalibers 22 Millimeter, sondern mit Neun-Millimeter-Munition zu. Waffen dieses Kalibers haben eine deutlich höhere Durchschlagskraft. Ein Neun-Millimeter-Geschoss des Lkw-Schützen durchschlug zum Beispiel zunächst eine Lärmschutzwand aus Aluminium und dann an einem Haus ein Fenster mit Doppelverglasung und  eine Rigipswand. Erst im Flur blieb es liegen. Deswegen hatte Ziercke schon am 20. November mit einer Pressekonferenz die Öffentlichkeitsfahndung erhöht und die Belohnung von 27.000 Euro auf 100. 000 Euro erhöht.

„Wir müssen diese Tatserie stoppen, bevor Schlimmeres passiert“, hatte er damals gesagt. „Bei Kaliber neun Millimeter geht mit jedem Schuss ein hohes Risiko für in der Nähe befindliche Personen aus.“ Laut BKA gingen daraufhin sogar 280 Hinweise ein. Doch nach kurzer Zeit war klar, dass keine heiße Spur dabei war. Möglicherweise kommen die Ermittler nun mit einem der 67 Hinweise nach der ZDF-Sendung den entscheidenden Schritt weiter.


Nach Angaben von Alfred Hettmer vom Landeskriminalamt Bayern am Ende der Fernsehsendung kommt ein Hinweis von einer Frau, die einen Laster überholt hatte, aus dessen Führerhaus ein Gewehrlauf herausschaute. Als sie am Lkw vorbeigefahren sei, sei das Gewehr ins Führerhaus gezogen worden.

Fragmentarisch, berichtete Hettmer, habe diese Frau sich das Kennzeichen des Lasters gemerkt. Das könnte man eine heiße Spur nennen. Doch eine BKA-Sprecherin bestätigte gestern lediglich den Hinweis eines Zuschauers auf ein Youtube-Video. „Wir müssen jetzt allen Hinweisen nachgehen“, sagte sie gegenüber unserer Zeitung. Zunächst werde geprüft, ob das Video echt sei oder gefälscht. Bislang gehen die Ermittler davon aus, dass der Täter nicht absichtlich auf Menschen schieße. Das Video hinterlässt einen anderen Eindruck.

Weitere Details zu den aktuellen Hinweisen will das BKA nicht bekanntgeben. So bleibt auch die Frage unbeantwortet, auf welchem Autobahnabschnitt die Frau das Gewehr im Führerhaus gesehen hat. Schließlich führt die Hauptroute des Täters von und zu den belgischen Seehäfen über das Aachener und Kerpener Kreuz.

Die Fahndungsseite des Bundeskriminalamtes.

Lkw-Fahrer zückt beim Überholen eine Pistole

Das BKA hat gestern bestätigt, dass sich ein Hinweis eines Anrufers in der Sendung „Aktenzeichen XY“ auf einen kurzen Film bei Youtube bezieht: Unter dem Titel „Polnischer Lkw-Fahrer überholt Deutschen!“ ist dort eine Aufnahme aus einer Lkw-Fahrerkabine zu sehen.

Gezeigt wird, wie ein Lastwagenfahrer einen anderen, der ihn offenbar nicht überholen lassen will, mit einer Pistole bedroht (siehe Video). Die Kamera ist dabei offenbar im Führerhaus des überholenden Lastwagens montiert. Am Ende fährt der Fahrer mit der Waffe an dem Lkw vorbei, schimpft, ruft polnische Schimpfwörter, und senkt dann die Waffe. An dieser Stelle endet das Video.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert