Erste Auslandsreise: Die Region nimmt Laschet beim Wort

Von: Thomas Reisener und Alexander Barth
Letzte Aktualisierung:
Laschet containerhafen
Er hat eine bessere Zusammenarbeit mit den Niederlanden und Belgien angekündigt: Armin Laschet bei seiner Regierungserklärung. Bildung, Arbeit, Verkehr und Katastrophenschutz – wie rund um das Kraftwerk Tihange – sind einige Themen, die in der Region bewegen. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
15417783.jpg
Er hat eine bessere Zusammenarbeit mit den Niederlanden und Belgien angekündigt: Armin Laschet bei seiner Regierungserklärung. Bildung, Arbeit, Verkehr und Katastrophenschutz – wie rund um das Kraftwerk Tihange – sind einige Themen, die in der Region bewegen. Foto: dpa
15418103.jpg
Er hat eine bessere Zusammenarbeit mit den Niederlanden und Belgien angekündigt: Armin Laschet bei seiner Regierungserklärung. Bildung, Arbeit, Verkehr und Katastrophenschutz – wie rund um das Kraftwerk Tihange – sind einige Themen, die in der Region bewegen. Foto: Imago
15417785.jpg
Er hat eine bessere Zusammenarbeit mit den Niederlanden und Belgien angekündigt: Armin Laschet bei seiner Regierungserklärung. Bildung, Arbeit, Verkehr und Katastrophenschutz – wie rund um das Kraftwerk Tihange – sind einige Themen, die in der Region bewegen. Foto: Imago
15417217.jpg
„Ich empfehle Herrn Laschet einen zeitnahen Besuch in Belgien“: Michael Dejozé, Leiter der Euregio Maas-Rhein. Foto: Euregio Maas-Rhein

Aachen/Eupen. Am Dienstag ist NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) zu seiner ersten Auslandsreise aufgebrochen. Dass sie ihn in die Niederlande führt, begründete er schon in seiner Regierungserklärung mit „dem besonders hohen politischen Stellenwert des Benelux-Raums für die NRW-Koalition“.

Laschet will mit König Willem-Alexander und Ministerpräsident Mark Rutte über eine „qualitative, substanzielle Verbesserung der Zusammenarbeit nachdenken“.

Welche das sein könnte, davon hat Michael Dejozé genaue Vorstellungen. Der ehemalige Kriminologe ist seit November 2016 Chef des Städte-Netzwerkes Euregio Maas-Rhein (EMR), das seit rund 60 Jahren den grenzüberschreitenden Alltag der inzwischen vier Millionen Menschen in der Drei-Länder-Region um Aachen, Lüttich und Maastricht vereinfachen will.

Seine Erwartung an die neue NRW-Regierung: „Landespolitik ist oft auf die Belange des Binnenlandes und der großen Städte ausgerichtet. Wir hoffen, dass Herr Laschet und die niederländische Seite den Fokus mehr auf die Menschen ausrichten, deren Leben sich zwischen beiden Staaten abspielt.“ Gleiches gelte übrigens auch für den zweiten Nachbarn im Dreiländereck. „Ich empfehle Herrn Laschet daher einen zeitnahen Besuch in Belgien.“

Als Beispiel für die Besonderheiten im Grenzraum nennt Dejozé etwa die Schwierigkeiten der Betroffenen bei der Anerkennung ihrer jeweiligen Berufsabschlüsse im Nachbarland. Auch bei banalen Alltagsthemen wie der Anerkennung von Bus- und Bahntickets jenseits der Grenzen sieht Dejozé Verbesserungspotenzial.

„Es gibt 40.000 Berufspendler, die bei uns täglich über die Grenze wechseln“, berichtet er. „Es gibt zwar ein Euregio-Ticket, von dem im vergangenen Jahr 25.000 verkauft wurden, aber das ist mehr für Touristen als für die vielen Pendler konzipiert.“ Überhaupt sei grenzüberschreitende Verkehrsplanung eines der wichtigsten Anliegen, sagt Dejozé. „Egal ob Straße oder Schiene, im recht überschaubaren Raum werden derart viele Menschen und Güter bewegt, dass man die Grenzen eigentlich gar nicht mehr spüren dürfte.“

Ende August 2017 hatte der neue Ministerpräsident im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt, er wolle die NRW-Beziehungen zu Belgien, den Niederlanden und Luxemburg grundlegend wieder aufbauen. „Wir sind ein großer Wirtschaftsraum, und da müssen auch solche konkreten Themen besprochen werden“. Man müsse dabei auch mit der belgischen Regierung reden und das Problem der Energieversorgung und der Unterstützung besprechen und gemeinsam lösen, sagte Laschet. An diesen Worten wird er bereits gemessen, glaubt auch der EMR-Chef.

Arbeit und Mobilität, das seien die Felder, mit denen sich die Grenzbevölkerung aus drei Ländern am meisten beschäftige, sagt Dejozé. „Für diese Region muss es passgenaue Angebote geben. Da wünsche ich mir einen regionalen Blick und entsprechende Konzepte.“ Er nennt darüber hinaus offensichtliche Baustellen, die über die Grenzen hinweg bewegen: „Man kann die Belgier nicht zum Abschalten von Tihange zwingen. Was wir aber tun können, ist den Katastrophenschutz maximal gut zu organisieren und zu vernetzen.

Positiv läuft aus Sicht des Vermittlers jetzt schon die Zusammenarbeit bei der Bildung, speziell den Hochschulen. Dort gebe es Kooperationen mit allen drei Ländern, „und da geht noch mehr“.

Im Koalitionsvertrag betont die schwarz-gelbe Koalition mehrfach die hohe Priorität der Beziehungen zu den Nachbarn und verspricht etliche Verbesserungen in der Zusammenarbeit. Neben der Vereinfachung der Bürokratie bei grenzüberschreitenden Wirtschaftsunternehmungen soll auch die binationale Kriminalitätsbekämpfung gestärkt werden.

Am Dienstag verabredeten Laschet und Rutte dem Vernehmen nach eine intensivere Zusammenarbeit bei der Inneren Sicherheit. Während die Niederlande sich dabei eher eine grenzüberschreitende Kooperation auf der Ebene von regionalen Bündnissen vorstellen, soll Laschet auf eine Kooperation auf nationaler Ebene gedrängt haben.

Michael Dejozé formuliert schließlich noch eine Empfehlung an den Ministerpräsidenten: „Er sollte sich in den Nachbarländern zum Sprachrohr dieser Region machen, die wie keine andere in NRW von und mit grenzüberschreitenden Strukturen lebt.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert