Düsseldorf/Aachen/Eschweiler/Köln - Erst der Werbetross, dann die Kamelle?

Erst der Werbetross, dann die Kamelle?

Von: csh/hdf/wber/cv
Letzte Aktualisierung:
15509363.jpg
Vorbild Tour de France: Als die Radsportler in diesem Sommer von Düsseldorf aus zur großen Frankreich-Rundfahrt aufbrachen, fuhr der Tross der Sponsoren stets vorneweg – wie etwa in Aachen. Dort kann man sich das auch im Karneval vorstellen. Foto: Harald Krömer, Andreas Steindl
15509356.jpg
Karnevalisten im Rheinland diskutieren über Karawanen von Sponsoren vor den Rosenmontagszügen.

Düsseldorf/Aachen/Eschweiler/Köln. Das Comitee Düsseldorfer Carneval will mit einer Werbekarawane vor dem nächsten Rosenmontagszug zusätzliches Geld einnehmen – stößt aber bei den Vereinen in der Landeshauptstadt ebenso auf Skepsis wie in der Karnevalshochburg Köln und in Eschweiler. Die Aachener Jecken können der Idee hingegen etwas abgewinnen.

„Ich kenne den Spruch meines Großvaters: ,Von Werbung frei die Narretei’. Und ich finde eine solche Karawane grundsätzlich auch nicht schön“, sagt Oliver Raths, Präsident der „Große Karnevalsgesellschaft“ Düsseldorf.

In Köln lehnt man eine Werbekarawane vor dem Rosenmontagszug ebenfalls strikt ab. „Das Festkomitee Kölner Karneval hat eine klare Haltung: Der Kölner Rosenmontagszug ist und bleibt werbefrei“, sagt Festkomitee-Sprecherin Tanja Holthaus. Nur mit dieser Unabhängigkeit könne man Geschehnisse und Begebenheiten persiflieren und der Obrigkeit den Narrenspiegel vorhalten. „Wir gestatten Werbung am Zug, wie mit Logo-Bannern an Tribünen; die Wagen sind jedoch werbefrei“, betont Holthaus.

Vorbild für die Idee ist die Werbekarawane, die es vor den Etappen der Tour de France gibt, so auch im vergangenen Sommer in Düsseldorf. „Die Karawane darf nicht dazu führen, dass wir Sponsoren verlieren“, sagte Dino Conti Mica, Geschäftsführer der Tonnengarde in Niederkassel. Jacques Tilly, Bauer der Mottowagen im Rosenmontagszug, unterstützt dagegen die Idee: „Ich bin da sehr aufgeschlossen, wenn uns das hilft, Finanzlöcher zu stopfen.“

In Eschweiler erteilt man der Idee einer Werbekarawane vorerst eine Absage. „Ein klares Nein – zumindest im Moment“, sagt Norbert Weiland auf Anfrage unserer Zeitung. Der Vorsitzende des Karnevals-Kommitees der Stadt Eschweiler weiß nämlich auch, dass die Finanzierung des Karnevalsumzugs immer teurer wird. „Mit den Sicherheitsauflagen steigen auch die Kosten“, sagt er. Da sei die Suche nach neuen Einnahmequellen nachvollziehbar. Bislang aber, so die Botschaft aus Eschweiler, sei nichts in der Art geplant.

In Aachen zeigt man sich etwas weniger skeptisch. „Für den Aachener Karneval wäre das nicht schlecht“, meint jedenfalls Frank Prömpeler. Zwar gebe es für 2018 keine konkreten Planungen in die Richtung, „aber ich will nicht ausschließen, dass wir das irgendwann machen“, sagt der Präsident des Festausschusses Aachener Karneval. Im vergangenen Jahr habe der Rosenmontagszug durch die Kaiserstadt einen Verlust von 20.000 Euro eingefahren. Ein Defizit, das von den Teilnehmern aufgefangen werden müsse. „Um die Kosten für alle gering zu halten, könnte ich mir schon vorstellen, dass eine Werbekarawane vorneweg fährt“, sagt Prömpeler.

Die Mehrzahl der Düsseldorfer Karnevalisten und Heimatfreunde reagiert derweil zurückhaltend auf den Vorschlag. Die Präsidenten und Geschäftsführer der Vereine fürchten eine zu starke Kommerzialisierung des Aushängeschilds und Einnahmeverluste für ihre eigenen Züge und Veranstaltungen. Die Heimatvereine glauben nicht, dass sich Tour de France und Rosenmontagszug vergleichen lassen. „Wie weit soll so etwas gehen? Wollen wir demnächst auch beim großen Martinszug eine Karawane vorneweg marschieren lassen“, sagt Bernhard von Kries, Präsident der Aktionsgemeinschaft Düsseldorfer Heimat- und Bürgervereine (AGD), die als Dachverband die Interessen von mehr als 50 Vereinen und Kulturinstitutionen vertritt.

Dirk Kemmer, Präsident der Düsseldorfer Prinzengarde Rot Weiss, macht sich eher Sorgen um die eigenen Einnahmen. „Das sollte nicht dazu führen, dass durch die Karawane Sponsoren von uns abgeworben werden.“ Oliver Raths, Präsident „Große Karnevalsgesellschaft“, schlägt unterdessen einen anderen Weg vor: „Man kann sich diese Karawane ersparen, wenn die Düsseldorfer so wie früher den Karneval stärker finanziell unterstützt. Denn der Karneval generiert ja gewaltige Einnahmen.“

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert