Düren/Linnich/Aachen - Ermordet auf einem einsamen Gehöft

Ermordet auf einem einsamen Gehöft

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
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Am Fundort der Leiche vor einem Geröllhaufen im Windpark Echtz sind Blumen, eine Kerze und eine Engelsfigur aufgestellt. Foto: M. Gego
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Der Tatort in Linnich und der Wohnort des mutmaßlichen Täters liegen nah beisammen, ebenso der Wohnort des Opfers und der Fundort der Leiche. Grafik: Herfs/Mapz.com
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Diesen Feldweg zum Windpark-Echtz soll Christina F. öfter gegangen sein. Vor dem Windrad rechts wurde ihre Leiche gefunden. Foto: Gego
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Tatort in Linnich-Hottorf: Auf diesem Hof soll ein 31-Jähriger aus Titz die von ihm schwangere Christina F. aus Düren ermordet haben. Foto: G. Jansen

Düren/Linnich/Aachen. Von Christina F.s Wohnung bis zum Echtzer Windpark ist es nicht sehr weit, zwei Kilometer vielleicht, zu Fuß kaum eine Viertelstunde. Sie ist die Strecke öfter gegangen, erst durch den Ort, dann hinter dem Ortsrand zwischen offenen Feldern entlang auf das Weisweiler Kraftwerk zu. Und im Windpark war es, wo eine Fußgängerin am Dienstagmorgen gegen 8 Uhr ihre Leiche fand. Christina F. aus Düren-Echtz, schwanger im siebten Monat, wurde 27 Jahre alt.

Nachdem die Aachener Staatsanwaltschaft zunächst keinen Verdächtigen ermitteln konnte, brachte das Verhör einer 28 Jahre alten Frau aus Titz am Donnerstag offenbar den Durchbruch. Die Frau gestand, ihrem 31 Jahre alten Ex-Freund am Ostermontag dabei geholfen zu haben, Christina F.s Leiche von einem einsamen Gehöft in Linnich-Hottorf in den Echtzer Windpark zu bringen. Der 31-jährige Mann, der ebenfalls in Titz lebt, war der Vater des Kindes, das Christina F. erwartete. Wie die Staatsanwaltschaft am Freitag mitteilte, wird gegen den Mann wegen Mordes, gegen die 28-Jährige wegen Beihilfe zum Mord ermittelt.

Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte Christina F. den Mann aus Titz vergangenen Sommer in Echtz kennengelernt. Sie ging spazieren, er arbeitete auf einer Baustelle, er ist Bauarbeiter. Im Herbst wurde Christina F. schwanger. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich nicht um eine geplante Schwangerschaft gehandelt hat.

Wie genau sich die Beziehung zwischen Christina F. und dem Mann entwickelte, ist noch nicht abschließend geklärt. Da aber Christina F. ihre Wohnung so ausgestattet hatte, dass sie mit ihrem Kind zunächst dort wohnen bleiben konnte, halten die Ermittler es für unwahrscheinlich, dass Christina F. und der 31-Jährige vorhatten zusammenzuziehen. Die Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Echtz, ganz in der Nähe der Kirche, ist für drei Menschen zu klein.

Oberstaatsanwalt Peter Jansen erklärte am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung, er gehe im Moment davon aus, dass der Mann den Mord irgendwann vor dem Osterwochenende geplant hat. Der 31-Jährige zog seine 28-jährige Ex-Freundin ins Vertrauen. Laut Jansen hat die Frau ihren früheren Freund in seinem Plan bestärkt. Jansen spricht von „psychischer Beihilfe“. Das Motiv? Bislang unbekannt. Fest stand am Freitag lediglich, dass die 28-Jährige sich Hoffnungen machte, wieder eine feste Beziehung mit dem 31-Jährigen aufnehmen zu können.

Vergangenen Montag verabredete sich Christina F. mit ihrem mutmaßlichen Mörder, sie wollten einen Ausflug unternehmen. Der Hof in Hottorf war nach Darstellung der Staatsanwaltschaft nicht das eigentliche Ziel des Ausfluges. Doch da er der Großmutter des 31-Jährigen bis zu ihrem Tod vor einigen Jahren gehört hatte, soll er vorgeschlagen haben, ihn Christina F. einmal zu zeigen. Der Mann gab am Freitag zu, am Montag tatsächlich dort gewesen zu sein. Den Mord aber bestritt er.

Der Hof ist nur noch zeitweilig bewohnt, am Ostermontag war keiner der Bewohner dort. Die Obduktion von Christina F.s Leiche ergab, dass sie an Kopfverletzungen starb. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 31-Jährige Christina F. auf dem Hof entweder erschlagen oder zu Tode getreten hat. Eine Tatwaffe wurde nicht gefunden.

Nach der Tat soll der Mann seine Ex-Freundin angerufen und zum Tatort gebeten haben. Sie kam. Gemeinsam brachten sie Christina F.s Leiche in den etwa 26 Kilometer entfernten Windpark in Echtz und legten sie dort ab, vermutlich kurz nach 21 Uhr, sagte Oberstaatsanwalt Jansen. Warum sie die Leiche ausgerechnet dorthin brachten, wird noch ermittelt.

Aus der ersten Vernehmung des 31-Jährigen kurz nach dem Fund der Leiche hatte sich kein Verdachtsmoment ableiten lassen, jedenfalls keines, das eine Festnahme gerechtfertigt hätte. Erst die Vernehmung seiner beschäftigungslosen Ex-Freundin belastete den Mann aus Titz schwer. Die Spurenlage, erklärte Oberstaatsanwalt Jansen, bestätige die Aussage der 28-Jährigen. Beide sitzen in Untersuchungshaft. Freitagnachmittag wurden beide Verdächtigen dem Haftrichter vorgeführt, der Mann stritt die Tat erneut ab. Die Staatsanwaltschaft sucht daher weiter nach Zeugen.

Sollte sich der Verdacht gegen die beiden Titzer erhärten und es später zu einem Prozess kommen, würde dem 31-Jährigen lebenslange Haft drohen. Die 28-Jährige könnte wegen Beihilfe zu eine Freiheitsstrafe zwischen drei und 15 Jahren verurteilt werden.

An der Stelle, an der Christina F.s Leiche gefunden wurde, steht eine Vase mit einem Blumenstrauß darin, daneben eine kleine Engelsskulptur. „Engel sehen nicht die äußere Gestalt, sondern das Wesen der Dinge“, steht auf einer kleinen Platte, an der der Engel lehnt. Das kleine Arrangement steht wenige Meter vor einem Windrad am Fuß eines brusthohen Geröllhaufens. Nur ein paar Hundert Meter von der Stelle entfernt, an der Christina F. und ihr mutmaßlicher Mörder sich im Sommer kennengelernt hatten.

Grafik: Mapz.com

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