Ermittlungspannen im Prozess um tote Unternehmerin

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Ein normales Papiertaschentuch gibt dem Prozess gegen den Aachener Ali C. (45) vor dem Aachener Schwurgericht eventuell eine entscheidende Wendung.

Dem Schweißer wird vorgeworfen, am 12. April dieses Jahres eine 72-jährige Geschäftsfrau in ihrem Einfamilienhaus in Aachen-Haaren getötet zu haben.

Das mit orange-roten Flecken beschmutzte Zellstofftuch ist eines der Hauptbelastungsindizien. Dabei hat das Asservat offenbar eine bemerkenswerte Geschichte als Beweismittel hinter sich. „Warum haben sie das auffällige Taschentuch erst etwa einen Monat nach der Tat in dem Papierkorb aufgefunden”, wollten gleichlautend Verteidiger Harald Bex und Björn Hühne von Kripomann Josef K. wissen.

Die Farbe soll vom Strahl einer vor der eigentlichen Tat benutzten Pfefferspray-Pistole herrühren, außerdem sollen sich DNA-Spuren von Ali C. sowie der Getöteten an dem Zellstoff befinden. Am Anfang der Ermittlungen war das auffällige, weil arg verschmutzte und rote Tuch im Papierkorb des Arbeitszimmer niemandem aufgefallen. Die Fotos des Arbeitszimmers im Keller seien nur Übersichtsaufnahmen, der Raum lag nicht in unmittelbarer Tatortnähe, erläuterte der Kripomann am Donnerstag.

Er könne nicht sagen, ob das Papiertaschentuch bereits zu dieser Zeit in dem Abfalleimer lag. Auch weitere zwei Ermittler erinnerten sich nicht daran. In dem versiegelten Haus fand man das entscheidende Beweismittel, das als Hauptbeleg für die Täterschaft von Ali C. gilt, erst etwa vier Wochen später. Schlampigkeit oder Schlimmeres, fragen die Anwälte und stellen neue Beweisanträge. „Als Beweisstück ist das Tuch nach dieser Geschichte nicht mehr belastbar”, wertet Bex die Zeugenaussagen.

Danach nahmen die Verteidiger das Kripoteam insgesamt unter Beschuss. „Ist es nicht so, dass ein Spurensicherungsteam in der Regel keimfreie, weiße Einmal-Overalls trägt? Hatten Sie diese an?”, fragte Anwalt Hühne die drei Beamten. Die Antwort: Nein, das hatten sie nicht.

Kleinlaut berichteten sie, dass zunächst in Straßenkleidung ermittelt wurde, allerdings mit Gummihandschuhen an den Händen. Originalton zum eigenen Vorgehen: „Das war Nachlässigkeit und Dummheit.”

Auch die Spurenlage am Hals des Opfers, die 72-Jährige wurde erwürgt, ist unklar. Ergebnisse der neuerlichen Untersuchung des Tathandtuchs liegen noch nicht vor. Der Prozess geht am 5. Januar, 9 Uhr, weiter.
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