Erkelenz/Hückelhoven - Erkelenzer Mord: Klage gegen „XY ... ungelöst”?

Erkelenzer Mord: Klage gegen „XY ... ungelöst”?

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
Augenarzt mord immerath
Eine nachgestellte Szene (Screenshot) aus der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst” zeigt den Arzt (nachgestellt von einem Schauspieler) bei Schießübungen.

Erkelenz/Hückelhoven. Manfred H. erwägt rechtliche Schritte gegen das ZDF. Das bestätigte sein Anwalt Heribert Kayenburg am Montag auf Anfrage dieser Zeitung.

H., der Vorsitzender der Linke-Fraktion im Rat der Stadt Hückelhoven ist, war im Zusammenhang mit der Ermordung des Erkelenzer Augenarztes Udo Schmitz in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst” erwähnt worden.

Er soll Schmitz die Waffe verkauft haben, mit der der Augenarzt am 9. Januar erschossen wurde. Kayenburg prüft nun, ob durch das Nennen des Namens H.s Persönlichkeitsrecht verletzt worden ist.

Kayenburg sagte am Montag, die Sendung „ist in vielen Punkten weit an der Realität vorbeigegangen”. Zutreffend hingegen ist, dass H. (55) dem Augenarzt eine Maschinenpistole verkauft hat. Das hat H. der Mordkommission in einer Vernehmung mitgeteilt, in der er „unter gehörigen Druck gesetzt worden ist”, sagte Kayenburg.

Doch war die Sten MK II nicht die einzige Waffe, die H. besorgt hat. Bereits 2006 soll er eine Kalaschnikow, ein AK-47 Schnellfeuergewehr und eine Uzi-Maschinenpistole beschafft haben. Bei den Sportschützen Heinsberg 1955 gingen H. und Schmitz dem gemeinsamen Hobby nach, dem Schießen, wie Kayenburg bestätigt.

H. und Udo Schmitz hatten sich über den Heinsberger Motorradclub „Black Angels Germany” kennengelernt. H. hat nach Informationen dieser Zeitung im Club den Rang eines „Sergeant-at-arms” inne, eines Waffenmeisters. Auch dies bestätigt Kayenburg und hält dem entgegen, der Rang sei nichts als eine Bezeichnung, „sinnlos und ohne Bedeutung”.

Der 1971 gegründete Motorradclub musste 1975 fast geschlossen werden, weil alle Mitglieder im Gefängnis saßen. So schreibt es der Verein auf seiner Seite im Internet. Rechtsanwalt Kayenburg jedoch weist darauf hin, dass sein Mandant „als nicht vorbestraft gilt”, sollte die Staatsanwaltschaft Anklage gegen ihn wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenschutzgesetz erheben.

Eine solche Anklage, sagt Kayenburg, „wird den Mordfall Udo Schmitz kein Stück voranbringen”. Er geht davon aus, dass H. mit einer Bewährungsstrafe davonkommt. Aus diesem Grund habe er seinem Mandanten auch davon abgeraten, sein Amt als Linken-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat niederzulegen.

Die NRW-Linken planen nicht, H. zum Rücktritt zu bewegen. „Im Moment stehen wir auf dem Standpunkt, dass es sich um ein laufendes Verfahren handelt”, sagte Sprecherin Pamela Strutz auf Anfrage. Man wolle beobachten, was passiert. Die linke Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke hatte gesagt, dass H.s Waffenaffinität „ein schwerer Verstoß gegen die Anti-Kriegs-Politik unserer Partei” sei.
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