Mönchengladbach - Erinnerungslücken im Pier-Prozess

Erinnerungslücken im Pier-Prozess

Von: Manfred Kutsch
Letzte Aktualisierung:
Arnold Pier
Immer mehr Ungereimtheiten in Prozess gegen Pier behindern das Fortkommen der Justiz. Foto: Ralf Roeger

Mönchengladbach. Krankenschwester W., von einem Kollegen als mutmaßliche Verfasserin der anonymen Anzeige gegen den Wegberger Ex-Chefarzt Arnold Pier benannt, verweigert zu dieser Frage die Aussage. „Die Berechtigung dazu liegt auf der Hand”, sagte ihr Rechtsbeistand Jürgen Engel vor dem Landgericht Mönchengladbach.

Schließlich müsse sie sich gegebenenfalls selbst belasten. Jedoch stehe W. weiterhin „dem Verfahren zur Verfügung”, kündigte der Anwalt an. Erinnerungslücken und Widersprüche prägten den Verhandlungstag gegen Pier und fünf mitangeklagte Ärzte. Allen voran schlingerte sich die einstige Vertretungs-Anästhesistin T. durch ihre Aussage.

Zunächst wollte sie sich an gar nichts erinnern, weder an Behandlungen mit Zitronensaft noch an die Patientin W. (80), deren Todesumstände nach einer Darmentnahme derzeit vor Gericht geklärt werden.

Erst als Richter Lothar Beckers („Ich werde ungemütlich, wenn ich offensichtlich belogen werde”) ihre relativ konkreten Angaben von vor zweieinhalb Jahren gegenüber der Polizei zitierte, rückte die Zeugin nach und nach mit Informationen heraus.

Ja, sie habe letztlich nicht mehr für das Krankenhaus arbeiten wollen, „weil ich kein gutes Gefühl hatte, weil sich viele Bauchoperationen schlecht entwickelten”.

Deshalb seien häufig erneute Eingriffe erforderlich geworden. Sie könne auch bestätigen, dass „quasi nie Antibiotika verabreicht” wurden - was die Verteidigung vehement bestreitet.

Zuvor war Piers Vorgänger Dr. Harald W. (56) vernommen worden. Der Chirurg berichtete, Pier habe sich als neuer Eigentümer in seinem Kaufvertrag „meinen Posten” auserbeten. Über die weitere Entwicklung in der Klinik sei er von Ärzten, Pflegepersonal, Patienten und Angehörigen immer wieder einmal informiert worden.

Das seien Dinge gewesen, „die mich sehr kritisch gestimmt haben”. Doch „Ross und Reiter kann ich nicht nennen”, so W.

Ähnlich wenig erhellend verlief auch die Zeugenvernahme von einem Krankenpfleger und dessen Kollegin, die lediglich den Einsatz von Zitronensaft bestätigten - der sei sogar „ungewöhnlich erfolgreich” gewesen.

Ungeachtet dessen musste Pier an einer Stelltafel im Schwurgerichtssaal die beiden Eingriffe an Darm und Bauch von Margarethe W. nachzeichnen und zahlreiche Fragen der Sachverständigen beantworten.

Fazit des fünften Verhandlungstages: Piers Anwälte verließen mit zufriedenen Mienen das Landgericht.
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