Aachen - Erfundene Geiselnahme: Polizei fahndet nach Täter

Erfundene Geiselnahme: Polizei fahndet nach Täter

Von: Marc-Oliver Wahnemühl und Anja Luckas, dapd
Letzte Aktualisierung:
klinikum geiselnahme neu

Aachen. Die Identität des mutmaßlichen Erpressers des Universitätsklinikums Aachen (UKA) ist auch zwei Tage nach der Tat ungeklärt. Nach Angaben der Polizei vom Sonntag geht die Suche nach dem Mann, der am Freitagnachmittag an der Patientenkasse im Eingangsbereich der Klinik einen Zettel mit einer Geldforderung abgegeben und mit Sprengstoff gedroht hatte, weiter.

Der Mann, der laut Zeugenaussagen zwischen 45 bis 50 Jahre alt und etwa 1,65 Meter groß sein soll, hatte außerdem behauptet, eine Geisel in seiner Gewalt zu haben. Er soll zur Tatzeit mit einem sandfarbenen Jackett bekleidet gewesen sein. Außerdem hätten Zeugen von einem „orientalischen Erscheinungsbild” gesprochen, teilte die Polizei mit.

„Business as usual”

Mit seiner Drohung hatte der Mann einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Sie war mit Bereitschaftspolizei, Sondereinsatzkommando und einem Hubschrauber im Einsatz und durchsuchte den Gebäudekomplex. In ersten Medienberichten hatte es geheißen, der Mann habe ein Kleinkind in seine Gewalt gebracht.

Am späten Abend hatte die Polizei jedoch Entwarnung gegeben. „Die umfangreichen Durchsuchungsmaßnahmen” seien negativ verlaufen. Auch bei der Überprüfung sämtlicher Vermisstenfälle im Regierungsbezirk Köln und im benachbarten Ausland hätte „kein Zusammenhang zur behaupteten Geiselnahme” hergestellt werden können.

Am UKA hatte sich die Lage bereits am Tag nach dem Großeinsatz wieder normalisiert. Als „business as usual” beschrieb Kliniksprecherin Michaela Müther am Samstag auf dapd-Anfrage den Betrieb.

Bereits während der Durchsuchung am Freitag war der Betrieb der Krankenversorgung „normal weiter” gelaufen. Zwar habe es einige besorgte Anrufe im Callcenter der Klinik gegeben, sagte Müther. Die Patientenversorgung habe aber die ganze Zeit über ohne Unterbrechung fortbestanden.

Auch Mitarbeiter des Krankenhauses berichteten, dass es im Krankenhaus selbst die ganze Zeit über ruhig gewesen sei. „Im Klinikum habe ich keine Polizei bemerkt”, sagte Helga Krinzinger, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Neuropsychologie, der Nachrichtenagentur dapd. Zwar habe es Gerüchte gegeben, dass man das Krankenhaus nicht verlassen dürfe. Diese hätten sich jedoch als falsch herausgestellt.

Klinik zieht keine direkten Konsequenzen

Der kaufmännische Direktor des UKA, Peter Asché, sagte auf dapd-Anfrage, man werde aus dem Vorfall keine direkten Konsequenzen ziehen. Einige Bereiche des Klinik-Komplexes würden bereits videoüberwacht. Eine komplette Überwachung aller Gebäude sei aber weder möglich noch gewollt.

Das Klinikum Aachen verfügt über 1356 Betten. Jährlich werden hier 46.500 Patienten stationär aufgenommen, weitere 250.000 ambulant behandelt. Im Klinikum arbeiten 900 Ärzte und 1250 Pflegekräfte.
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