Erfolg mit einem Selfie aus der Hölle

Von: Madeleine Gullert
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Einmal eine Schnute bitte fürs Foto: Was die junge Frau, gespielt von Meelah Adams, in dem Video dann auf ihrem Handy entdeckt, ist für sie das „Selfie from Hell“. Foto: Screenshot Adams
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Youtube-Star aus Aachen: Julien Bam erreicht mit seinen Videos oft Tausende Menschen. Foto: dpa

Köln/Aachen. Eine Kölnerin hat mit ihrem Video „Selfie from Hell“ einen Youtube-Hit gelandet. Mehr als 14 Millionen Mal wurde der Clip inzwischen geklickt. Das hat Meelah Adams eine Nominierung für den Videopreis der Einslive Krone eingebracht.

„Von dem Erfolg bin ich wirklich überwältigt“, sagt Adams im Gespräch mit unserer Zeitung. Wobei ihr Ziel von Anfang an hoch gegriffen war: zehn Millionen Klicks, die wollte sie schon. Schließlich hat Adams das Video im Rahmen ihrer Bachelorarbeit gemacht. Die 28-Jährige wollte den Trend „virale Videos“ untersuchen – also den Trend, dass sich manche Videos wie Viren im Internet verbreiten.

Und worum geht es in dem Video? Nach einem kurzen Telefonat macht eine junge Frau, die von Adams selbst gespielt wird, ein Selfie in ihrem Wohnzimmer. Als sie sich das Foto ansieht, sieht sie im Hintergrund Umrisse eines Mannes. Als die junge Frau sich umdreht, sieht sie aber nichts. Beim zweiten Selfieversuch sieht sie wieder jemanden hinter sich. Sie wird panisch, rennt und robbt anschließende durch die Wohnung – und wird von dem Unbekannten erwischt. Er beißt sie in den Hals.

Adams mag Horrorfilme

Adams studiert „Media Production“ in Köln. Zuvor hatte sie ein „Business Administration“-Studium an der RWTH Aachen abgebrochen. „Ich konnte da meine kreative Seite nicht besonders gut ausleben, das war mir zu trocken.“

Kreativ wollte sie sich auch bei ihrer Abschlussarbeit zeigen. „Ich wollte nicht noch ein Katzenvideo machen“, sagt Adams. Und überhaupt, sie hätte ja auch gar keine Katze. Auf die Idee für das Horrorvideo kam Adams, weil sie bereits häufiger als Schauspielerin in Horrorfilmen mitgewirkt hat. Auch privat mag sie das Genre. „Der erste Film, an den ich mich begeistert erinnere, ist ,Nightmare on Elm Street‘ mit Freddy Krueger.“

Mit einem Drehbuchautor, mit dem sie bereits mehrere Kurzfilme gedreht hat, verwirklichte sie auch „Selfie from Hell“. Ganz ohne Budget. An zwei Tagen. „Ich stand unter Zeitdruck, so ein Video lässt sich relativ schnell und günstig realisieren“, sagt die Kölnerin lachend. „Selfie from Hell“ dauert gerade einmal 42 Sekunden. Inhaltliche Vorbilder sind Horrorfilme wie „Insidious“ und „Ring“.

Und wie funktioniert der geplante Erfolg? Es gebe zwei Faktoren, für ein virales Video im Netz, sagt Adams. Der Inhalt müsse stimmen – und natürlich die Verbreitung. Problematisch sei nur, dass man auf Letzteres keinen oder zumindest wenig Einfluss habe.

„Man kann noch so ein tolles Video haben, wenn es keiner sieht, bringt es auch nichts.“ Zumindest den Inhalt konnte Adams genau planen. Sie habe eine Geschichte erzählen wollen, habe den Trend zum Selfie untergebracht und das beliebte Genre Horrorfilm. Mit diesen drei Komponenten sollte der virale Hit gelingen, so das Kalkül.

Bis „Selfie from Hell“ dann auch verbreitet wurde, habe es etwas gedauert. Erst als Adams auf der Internetseite „Moviepilot“ über ihr Projekt berichtete, schossen die Klickzahlen in die Höhe. „Man muss Meinungsführer erreichen, die Videos in sozialen Netzwerken teilen“, sagt Adams. Ob das klappt, ist immer ein Stück weit Glückssache. Adams hatte Glück. Den Bachelor hat sie mit ihrem Projekt schon erfolgreich abgeschlossen. Nun träumt sie von der großen Youtube-Karriere. Immerhin hätten sich viele Menschen, die das Video gesehen haben, einen ganzen Spielfilm gewünscht, berichtet Adams. Tatsächlich sei sie dafür auch schon in Verhandlungen mit Produktionsfirmen.

Dass ihr Projekt und damit auch ihre Bachelorarbeit nicht danebenging, hat Adams nicht sonderlich beeindruckt. Das Ausmaß des Erfolgs aber schon. Dass sie jetzt neben Youtube-Stars wie Julien Bam aus Aachen nominiert ist, macht sie stolz. „Die anderen Nominierten sind hauptberuflich Youtuber. Dagegen bin ich ein Niemand“, sagt Adams. Besonders Julien Bam und Joyce seien starke Konkurrenz.

Und was sagt der Profi über die Newcomerin? „Ich fand diese simple Idee super spannend“, sagt Bam über Meelah Adamse_SSSq „Selfie from Hell“. Ein Geheimrezept hat aber auch der Aachener nicht, dessen Videos aus seinem Alltag Tausende bei Youtube anschauen. „Was am Besten funktioniert, kann man nicht verallgemeinern“, sagt Bam, der sich auch über die Nominierung für die Einslive Krone freuen kann.

Julien Bam zeigt Tanzmoves

Sein Video „Most Epic Dance Moves“ hat ihn auf die Liste der Nominiten gebracht. Darin zeigt der 26-Jährige lustige Tanzbewegungen, mit denen jeder die Discotanzfläche erobern soll. Beim Tanzmove „Warten auf den Bus“ hält Bam etwa die Arme verschränkt und wippt mit dem Fuß – eben so, als warte er ungeduldig auf den Bus.

Er versuche in seinen Videos immer, etwas Neues auszuprobieren „und das zu tun, worauf ich gerade Lust habe“. Der 19-Jährige habe gemerkt, dass seine Zuschauer ihn für seine Spontanität und Kreativität mögen würden. „Tanzen, Singen, Comedy“ verspricht er auf seinem Youtube-Kanal, mit dem er regelmäßig mehr als eine Million Menschen erreicht.

Wie er zum Star wurde? Mit Durchhaltevermögen, sagt Bam. Trotzdem kennt er auch Rückschläge: „Es gibt immer wieder Projekte, für die man sich den Arsch aufreist, und dann erreichen die nicht die Zahl, die man vielleicht erhofft hatte.“

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