Köln - Erdbeben-Forscher: Die Türme des Kölner Doms wanken

Erdbeben-Forscher: Die Türme des Kölner Doms wanken

Von: Johannes Schmitt-Tegge, dpa
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Windkraft, Züge, Glockenschlag: Auch kleinere Erschütterungen lassen das Gemäuer des Kölner Doms zittern. Einem starken Erdbeben würde die Kathedrale trotzdem standhalten, sagen Forscher. Foto: dpa

Köln. Der Dom bewegt sich - und zwar täglich. Für das menschliche Auge kaum wahrnehmbar schwingt, wankt und zittert die Kölner Kathedrale. Dies haben Forscher von der Erdbebenstation in Bensberg bei Bergisch Gladbach herausgefunden.

Doch die Kölner können unbesorgt sein um ihr Wahrzeichen: „Der Dom bewegt sich wie jedes andere Bauwerk auch”, sagt Klaus-Günter Hinzen, der die Messgeräte im Gotteshaus angebracht hat.

Eigentlich wollte das Team um den Geophysiker 2006 nur eine einzige Mess-Station im Keller des Doms einrichten, um auch aus dem Kölner Stadtzentrum mögliche Erschütterungen aufzuzeichnen. „Daraus wurde der Plan geboren, das Gebäude etwas gründlicher als nur im Keller zu messen”, sagt Hinzen. Hinzu kam ein Messgerät im Dachboden und drei weitere im Nordturm in 70, 100 und 130 Metern Höhe, die auch kleinste Verschiebungen im Mauerwerk registrieren. Die Kochtopfgroßen Seismometer verzeichnen Bewegungen in der Vertikalen, den Richtungen Nord-Süd und Ost-West. Das Ergebnis: Wind, vorbeifahrende Züge, der Autoverkehr und sogar der eigene Glockenschlag des „Dicken Pitters” versetzen das Gemäuer immer wieder in Bewegung.

Mit 23.000 Tonnen pro Turm ziemlich stabil

Dass die Türme bei starken Winden von 120 Stundenkilometern einen knappen halben Millimeter wanken, beunruhigt Hinzen nicht. „Das tut dem Dom überhaupt nichts.” Das Gewicht von je 23.000 Tonnen habe eine stabilisierende Wirkung. Sorge bereiten ihm viel mehr andere Folgen: „Wenn ein richtiges Sturmereignis kommt, gibt es Probleme. Dann können Verzierungen vom Dom abbrechen.” Auch im Kirchenschiff würde es dann ernst. „Die verletzlichsten Teile sind die Gewölbedecken. Die sind steif, würden Risse bekommen und dann brechen.”

Trotz allen Wankens und Schwankens: Die Kathedrale ist nach Beurteilung des 56-Jährigen erdbebensicher. Beim Beben im niederländischen Roermond hatte 1992 zwar eine 500 Kilogramm schwere Kreuzblume das Kirchendach durchschlagen. Dass der Dom auch bei einem solch starken Beben der Stärke Sechs nicht in sich zusammenbrechen würde, hatte Hinzen mit Forschern der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen schon vor zehn Jahren durch eine Computersimulation herausgefunden. Ein solches Beben würde die Türme zwar bis zu sieben Zentimeter in Schraubenform wanken lassen - einstürzen würden sie deshalb aber nicht.

Seit Beginn der Registrierung im Jahr 1955 haben mehr als 2000 Beben das nördlichen Rheinland und seine Grenzgebiete erschüttert - die meisten davon allerdings im kaum spürbaren Bereich. Selbst das schwere Erdbeben vor der japanischen Küste 2011 ließ eine halbe Stunde später die Domstadt beben. „Ganz Köln hat sich einen Zentimeter bewegt - rauf, runter, hin und her”, sagt Hinzen. Die sonst so schunkelfreudigen Kölner werden hiervon nichts mitbekommen haben: „Die Schwingungen sind weit unter dem fühlbaren Bereich.”
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