Erdbeben besorgt die Menschen in der Region

Von: Sarah Sillius
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Ein Mitarbeiter der Erdbebenwarte Bensberg in Bergisch-Gladbach schaut sich die Aufzeichnungen des Erdbebens von Donnerstagabend an. Ein Erdbeben der Stärke 4,4 hat viele Menschen im Westen Nordrhein-Westfalens aufgeschreckt.

Aachen. „Mama, Mama, warum wackelt mein Bett so?”, fragt am Donnerstagabend ein kleines Mädchen aus Aachen-Schleckheim seine Mutter. Die beruhigt ihr Kind „Es ist nichts, leg Dich nur wieder hin” - nichts ahnend, dass die Kleine das richtige Gespür hatte.

Denn um 21.03 Uhr ist ein ungewöhnlich starkes Erdbeben der Stärke 4,4 mit einer Erdtiefe von vier bis sechs Kilometern im Westen Deutschlands gemessen worden. Gläser in Vitrinen klirrten, Hunde wurden unruhig, wie von Geisterhand bewegten sich Betten und Sessel. 200 Kilometer rund um das Epizentrum, das der Geologische Dienst NRW bei Goch am Niederrhein ausmacht, wackelt der Boden - also bis ins Ruhrgebiet und den Raum Köln/Bonn hinein. Schäden hat es aber keine gegeben.

Die Mitarbeiter des Geologischen Dienstes NRW in Krefeld haben dennoch alle Hände voll zu tun. Die Geologen und Physiker werden jetzt die Messungen der 13 Seismometer-Stationen in NRW auswerten. Acht stehen bei uns in der Region, eine weitere wird im Oktober im Aachener Dom errichtet.

Keine Einsätze

„Die Auswertung wird einige Tage dauern”, sagt Pressesprecher Ludger Krahn. Erst nach der Analyse wird er genau sagen können, mit welcher Stärke das Beben in der Städteregion, in den Kreisen Heinsberg und Düren spürbar war. Die Feuerwehren und Polizeibehörden in der Region haben keine Einsätze gemeldet.

Lediglich in der Aachener Polizeileitstelle sind einzelne besorgte Anrufe am Abend eingegangen.

Besonders erschrocken über das Beben sind die Menschen aus Goch. Dort war am Abend ein dumpfer Knall, ein Rauschen und Grollen zu hören. Dann bebte die Erde zweimal. Gläser klirrten, Sessel und Betten bewegten sich wie von Geisterhand. Viele Menschen verließen fluchtartig ihre Häuser. Manche glaubten an einen Flugzeugabsturz am Flughafen Weeze. „Unheimlich war das”, „aufregend”, „komisch”, lauten die Kommentare am Tag danach.

Aber auch Leser unserer Zeitung haben das Beben gespürt und sich Gedanken gemacht. „Mein Sofa im Wohnzimmer hat gewackelt”, schreibt Bernd R. aus Baesweiler auf unserer Facebook-Seite im Internet. „Ich hatte schon den Dackel im Verdacht, dass er darunter was versteckt.”

Eine andere Nutzerin schreibt: „Bei uns in Oidtweiler hat das Bügeleisen meiner Nachbarin gewackelt” - und fügt nicht ganz ernst hinzu, sie hätten schon an Poltergeister gedacht. Auch Facebook-Nutzer aus Simmerath, Kelmis und Mariadorf haben das Wackeln vernommen.

In ganz NRW hat das Beben Reaktionen von Menschen hervorgerufen. Auf der Homepage des Geologischen Dienstes können Bürger ein Meldeformular ausfüllen und ihre Bemerkungen eintragen. „Es sind über 1000 Rückmeldungen bei uns eingegangen”, sagt Krahn. „So viele hatten wir noch nie.” Krahn begründet das damit, dass sich das Erdbeben in der Woche ereignet hat - und zu einer Uhrzeit, zu der viele Menschen zu Hause sind. „Wenn die Leute abends auf dem Sofa sitzen, spüren sie das eher als tagsüber, während sie arbeiten.”

Viersener Sprung

Gebunden sei das Beben an den Viersener Sprung, sagt Ludger Krahn. Der Viersener Sprung ist eine der Störungszonen an der Niederrheinischen Bucht. Dort bewegten sich vor etwa 30 Millionen Jahren die Erdplatten. Ein Mosaik aus Schollen entstand. „Wenn sich diese Schollen gegeneinander bewegen, dann entstehen Spannungen - und die sind dann spürbar”, erklärt Krahn den Vorgang.

Die Mitarbeiter des Geologischen Dienstes können Erdbeben zwar auswerten, Vorhersagen sind aber nicht möglich. Ob es ein Nachbeben geben wird und ob die Betten womöglich noch einmal wackeln werden, kann Krahn also ebensowenig abschätzen: „Das weiß man vorher nie.”

Mehrere hundert Beben im Jahr in Deutschland

Ein Beben der Stärke 4,4 ist in Deutschland nichts Ungewöhnliches. In der Regel wackelt ein bis zwei Mal im Jahr die Erde in dieser Stärke. Erschütterungen von 1 bis 2 auf der Richterskala gibt es sogar mehrere hundert Mal pro Jahr in Deutschland. Krahn bestätigt, dass das Donnerstag-Beben das bisher heftigste in diesem Jahr war. Vergleichbar sei es bislang nur mit dem Beben in Nassau im vergangenen Februar, das bis Kassel spürbar war.

In NRW ist die Niederrheinische Bucht das eigentliche Erdbebengebiet - und eines der gefährdetsten Erdbebenzonen Deutschlands. Der Bereich rund um Düren und Jülich fällt in die Zone 3, die höchste Gefahrenstufe. Theoretisch sind hier Beben bis zur Stärke 7 möglich. „Im Gegensatz zum Roermond-Erdbeben von 1992 ist dieses aber harmlos gewesen”, sagt Ludger Krahn. Das Kreisgebiet war damals von einem Erdbeben mit einer Stärke von 5,9 betroffen. Das Roermond-Beben gilt als das bislang stärkste in Mitteleuropa seit 1756. Es hatte erhebliche Sachschäden verursacht. Die beiden damaligen Nachbeben hatten eine Stärke von 4,6.

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