Aachen - Er sprach von Erlösung und drückte ihr die Kehle zu

Er sprach von Erlösung und drückte ihr die Kehle zu

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Sie sei seine „Königin” gewesen, er schäme sich, seiner Ehefrau nicht das komfortable Leben ermöglicht zu haben, das sie sich immer wünschte.

Der Mann, der am Mittwoch solchermaßen vor dem Aachener Schwurgericht aussagte, soll laut Anklage an einem Sonntagabend im Juni 2008 gegen 22.30 Uhr seine „Königin” zu Hause in der Alsdorfer Wohnung getötet haben.

Vor der Kammer, Vorsitz Richter Gerd Nohl, gestand der Journalist, 64, in Anwesenheit seiner beiden Söhne, wie er am Ende jenes Tages völlig die Fassung verlor, als sie begann, ihn für seine Begriffe ehrverletzend und entwürdigend zu beschimpfen.

Nach einem längeren Streit, die 59-Jährige wollte auf der Stelle zurück ins Heimatland Südkorea, schlug er mit der Faust gegen ihren Kopf, „damit sie wieder zur Besinnung komme”.

Dabei ist der Angeklagte ein eher kleiner Mann, etwa 1,65 Meter groß, 60 Kilogramm schwer, wie er der Psychiaterin Annette Rauch sagte. Damals, vor Jahren, war er als Bergmann aus Korea nach Deutschland gekommen, fuhr zunächst in Oberhausen und dann in der Alsdorfer Zeche Anna ein.

Heutzutage würde man den Angeklagten eher als feingliedrigen Intellektuellen bezeichnen, der bis vor kurzem als Chefredakteur einer koreanischsprachigen Zeitung arbeitete, viel las und nebenbei Romane verfasste.

Nichts deutet mehr auf die harte Arbeit im Flöz hin. Doch die Kraft seiner Hände langte, um seiner Frau, wie er gestand, nach der heftigen Auseinandersetzung die Kehle zuzudrücken, als sie auf dem Rücken im Bett lag.

Er habe das auf ihr Verlangen hin getan - und beide sollten aus dem Leben scheiden. Seit Jahren habe seine Frau, eine Buddhistinn, keinen Sinn mehr im irdischen Dasein gesehen.

„Warum sitzen Sie noch hier?”

Er sollte sie „erlösen”, beschrieb Verteidiger Rainer Dietz die Situation, die Ehe muss die Hölle gewesen sein. Als es zur Tat kam, hatte er bereits seit Samstag die Wohnung ausräumen müssen, weil sie partout weg wollte, er allerdings nicht. Doch sie bestimmte seit 38 Jahren, seit Beginn der Ehe, wohin die Reise ging.

Porzellan, Kleider, Schuhe und selbst Schmuck musste er in fünf Fuhren zum Container bringen, nur seine Bücher waren noch übrig. Da, so sagte er, wollte er erst sie und dann sich selbst töten.

Der Vorsitzende stellte die entscheidende Frage: „Warum, Herr H., ist ihre Frau tot, und warum sitzen Sie noch hier?”

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.
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