Er sieht aus wie ein Kaffeevollautomat, kann aber sehr viel mehr

Von: Guido Jansen
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Der Große Bot aus dem Jahr 2013 und seine Konstrukteure: Im Moment entsteht in den Köpfen der Mitglieder des Roboterclubs Aachen der Roboter für den Wettbewerb 2014. Foto: Guido Jansen

Aachen. Der Name war nicht sonderlich kreativ. Großer Bot haben die Tüftler des Roboterclubs Aachen ihre Maschine für das Jahr 2013 genannt. Der fehlende Einfallsreichtum beim Namen war allerdings kein Fingerzeig auf die Leistung, die die Ingenieure und Programmierer von Großer Bot geleistet haben. Deutscher Meister und Platz drei bei der Roboter-Europameisterschaft – so lautet die Bilanz des Jahres.

Nur Frankreich war im Halbfinale besser im Saftgläserstapeln, Kerzenauspusten, Geschenkeauspacken und Kirschen-auf-Torten-packen.

Das alles kann der Große Bot, der ein bisschen aussieht wie ein Kaffeevollautomat mit ganz vielen Extrafunktionen. Mittlerweile steht der Roboter im Clubraum im Regal in der Ahnengalerie neben seinen Vorfahren. Das 16 Männer starke Team tüftelt am neuen Roboter, der am 6. Juni in Leipzig bei der Europameisterschaft erfolgreich sein soll. „Prähistorisch“ lautet das neue Motto, „Happy Birthday“ lautete das vergangene.

In sieben Monaten Entwicklungszeit sollen die Studenten der Elektrotechnik, Mathematik, Informatik, Physik oder des Maschinenbaus einen neuen Roboter entwickeln, der auf dem prähistorischen Spielfeld Früchte sammelt oder Speere auf Mammuts wirft. Die Ideen zum neuen Modell spuken im Moment noch durch die Köpfe. Konstruiert ist noch nichts. Die Bedingungen für alle Teams sind gleich. Im Herbst veröffentlichen die Macher des Eurobot-Wettbewerbs für studentische Roboter-Bauer die Spielregeln, Aufgaben und das Aussehen des Spielfelds. Im Wettbewerb haben alle Roboter 90 Sekunden Zeit, autonom – also nicht ferngesteuert – viele Punkte zu machen.

Bootcamp für Ideen

Ab dem Bekanntwerden der neuen Regeln rauchen die Köpfe an vielen europäischen Hochschulen. „Irgendwann ziehen wir uns in ein Bootcamp zurück“, erklärt Mitkonstrukteur Martin Esser. „Kein Handyempfang, kein Internet, nur die 30 Seiten Spielregeln. Da verteilen wir die Aufgaben“, sagt Esser. Die waren beim Großen Bot kompliziert und weit verteilt. Ein Sensoren-System mit Kamera haben die Roboterclub-Mitglieder konstruiert, damit der Große Bot Kollisionen verhindert. Die Millimeter-Arbeit an der Bodenplatte hat das Institut für Lasertechnik übernommen. Die Grundbausteine für andere Werkzeuge wie den Arm mit Saugvorrichtung oder den Saftglas-Stapler haben die Roboterbauer aus Spenden von Unternehmen gebaut. „Unser Verein finanziert sich ausschließlich aus Spenden“, sagt Sascha Schade. Fördergelder gibt es nicht, der Verein ist ein privates Projekt, das sich aus Aachener Studenten zusammensetzt und das seine Heimat in einem Raum der RWTH gefunden hat. „Für uns geht es darum, dass wir Theorie in Praxis umsetzen können. Und das auch noch in Form eines komplexen Systems, das wir als Team erarbeiten“, schildert Schade den Reiz.

Bei aller Technik ist die Taktik im Wettbewerb entscheidend. Im vergangenen Jahr haben sich die Aachener entschieden, die Kirschen außen vor zu lassen. Den Schwerpunkt haben sie auf das Stapeln der Saftgläser gelegt. Dafür hatten die Konstrukteure einen Arm und eine Greifvorrichtung entwickelt, die die kleinen Plastikzylinder, die die Saftgläser symbolisieren, abgeräumt, angesaugt und anschließend gestapelt haben. Das Ziel: Möglichst schnell alle Saftgläser von der Platte räumen, um diese dann in Ruhe zu stapeln. Je höher der Stapel, desto mehr Punkte. Drei Sekunden hat es am Ende gedauert, bis sich der Große Bot acht Saftgläser gegriffen hatte. Im Vorbeifahren hat er zudem Holzplatten mit einem zweiten Arm umgeworfen und so symbolisch Geschenke ausgepackt.

In der Gruppenphase war das Konzept der Aachener so gut, dass es ihnen als einzigen gelang, die späteren Europameister aus Frankreich zu schlagen. Vor dem Wiedersehen im Halbfinale reagierten die Franzosen. Sie hatten zwei Roboter am Start, einen davon programmierten sie so um, dass er den Fahrtweg des Großen Bot blockierte.

Der konnte zwar ausweichen, hat aber wertvolle Zeit verloren. Das war aus Sicht der unterlegenen Aachener kein fauler Trick. „Die Franzosen haben analysiert, warum sie verloren haben und ihren Roboter umprogrammiert. Das fand ich schon ziemlich cool“, sagt Sascha Schade. Eine flexiblere Programmierbarkeit könnte deswegen auf dem Schlachtplan der Aachener auf dem Weg zur Europameisterschaft liegen. Und vielleicht ein etwas kreativer gestalteter Name.

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