Enttäuschte Hoffnungen im Hambacher Forst

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
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„Eine schlimme Rodungssaison“: Am 15. November setzten Aktivisten Blockaden in Brand und griffen Polizisten an. Foto: RWE
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„Eine schlimme Rodungssaison“: Am 15. November setzten Aktivisten Blockaden in Brand und griffen Polizisten an. Foto: RWE
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Am 30. November wurde ein RWE-Fahrzeug angeblich von vier Aktivisten mit Steinen beworfen, was von der Polizei allerdings nicht verifiziert werden konnte. Foto: dpa
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Die Aktivisten protestierten mit einem Plakat in der Nähe der Baumhäuser gegen die erhöhte Polizeipräsenz im Forst, die aus ihrer Sicht aber nicht zu mehr Gerechtigkeit geführt hat („Überall Polizei, nirgendwo Gerechtigkeit“). Foto: gego

Merzenich. Ende vergangener Woche gab es noch einmal kurz Aufregung im Hambacher Forst, RWE hatte noch einige Bäume gefällt, obwohl die Rodungssaison offiziell beendet war. Einige Aktivisten und Sympathisanten schickten aufgeregte E-Mails an Medienvertreter in der Region, in denen es hieß, RWE missachte nun wohl auch noch das Ende der Rodungssaison.

RWE erklärte dann, dass einige wenige Bäume hätten gefällt werden müssen, die während des Sturms der vergangenen Tage zum Sicherheitsrisiko geworden seien. Viel Aufregung um nichts oder zumindest um nicht sehr viel.

Als die ersten Bäume fielen

Wenn man die zurückliegende Rodungssaison im Hambacher Forst bewerten wollte, dann hinge die Bewertung stark von der Perspektive ab. Klar ist nur, dass die Saison für alle Beteiligten eine Enttäuschung war. Von einem Winter der enttäuschten Hoffnungen zu sprechen, ist keine Übertreibung. RWE ist enttäuscht darüber, dass die Gewalt nicht weniger geworden ist.

Die Aktivisten sind enttäuscht darüber, dass RWE den Hambacher Forst nun auch jenseits der alten A4-Trasse begonnen hat zu roden. Und die Allgemeinheit darf enttäuscht darüber sein, dass ein massiver Polizeieinsatz zwar dazu geführt hat, dass die Waldarbeiter nicht mehr um ihr Leben fürchten mussten. Weitere Straftaten konnten aber auch von der dauerpräsenten Polizei nicht unterbunden werden. Und das alte Problem, dass die Straftäter unter den Aktivisten meist nicht gefunden werden, besteht weiter.

Nach einer dramatischen Eskalation der Gewalt im Hambacher Forst in der ersten Jahreshälfte 2016 hatte es einige Gespräche zwischen den Beteiligten gegeben: RWE, Polizei, Kommunalpolitik, Sympathisanten der Aktivisten, sogar einzelne Aktivisten wurden bei den Gesprächen gesehen. Jede Seite ging mit eigenen Zielen und Hoffnungen in die Gespräche, doch die allermeisten dieser Ziele blieben unerreicht. Bislang ist es den Gesprächsteilnehmern nicht einmal gelungen, einen kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden.

Als RWE im zurückliegenden Herbst die ersten Bäume fällte, kehrte auch die Gewalt in den Hambacher Forst zurück. Als hätte es die Gespräche während des Sommers nie gegeben. Ob deswegen mehr gerodet wurde als eigentlich geplant? Ob die von den Aktivisten ausgerufene „Rote Linie“, die alte A 4-Trasse, von RWE ohne die neuerlichen Straftaten vielleicht respektiert worden wäre? Hypothetische Fragen, die nun nicht mehr beantwortet werden können.

2015 wurden noch 115 Straftaten im und um den Hambacher Forst herum registriert, 2016 waren es nach Auskunft der zuständigen Aachener Polizei 155. Keine gute Tendenz. RWE erklärte, die Höhe der Sachschäden, die zwischen Februar 2016 und Februar 2017 entstanden sind, erreichten „einen siebenstelligen Betrag“, also eine Millionensumme.

RWE erklärte am Montag, dass die unerfreuliche Rodungssaison kein Grund dafür sei, die vergangenen Sommer begonnenen Gespräche mit den verschiedenen Beteiligten rund um den Hambacher Forst zu beenden. „Es ist immer besser, im Gespräch zu bleiben, auch wenn die jeweiligen Positionen sehr weit auseinanderliegen“, sagte RWE-Sprecher Guido Steffen. „Jedes Gespräch bringt etwas.“

Zobels Ziele

Einer der Gesprächsteilnehmer, der begonnen hat, am Sinn der Gespräche zu zweifeln, ist der Aachener Waldführer Michael Zobel. 35 Mal hat er seit 2014 insgesamt mehr als 6000 Menschen durch die Reste des Hambacher Forsts geführt. Er hat die Aktivisten im Wald mit Tausenden Euro unterstützt, die er von Teilnehmern seiner Führungen eingesammelt hat.

Vergangenes Jahr hatte Zobel als Gesprächsteilnehmer noch das Ziel, die Rodungssaison 2016/2017 zu verhindern. Als die ersten Bäume fielen, wollte Zobel wenigstens noch verhindern, dass RWE die „Rote Linie“, die alte A4-Trasse, überschreitet. „Von diesen Zielen habe ich in den Gesprächen mit RWE keines erreicht. RWE andererseits hat alle seine Pläne durchgesetzt“, sagt Zobel. „Die zurückliegende Rodungssaison hat mich tief frustriert.“

Was nicht heißt, dass Zobel seinen Kampf aufgegeben hätte. Sein Ziel für die kommenden Monate ist, die Rodungssaison 2017/2018 zu verhindern. Egal, wie aussichtslos es klingen mag.

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