Entführung und Bedrohung? Gericht sieht keine Beweise

Von: Wolfgang Schumacher
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Von diesem Pendlerparkplatz aus will Rachid B. über das Gras auf die Bundesstraße geflüchtet sein, um ein Auto anzuhalten. Foto: O. Hansen

Aachen/Stolberg/Eschweiler. Der 3. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht war die Beweislage am Ende dann einfach doch zu dünn. Trotz umfangreicher Zeugenvernehmungen kam Richter Markus Vogt am Montag zu einem Freispruch in einer Sache, die anfangs viel Beachtung in der Region gefunden hatte. Es ging um eine angebliche Entführung und Bedrohung eines Mannes aus Stolberg.

Wie mehrfach berichtet, soll der Angeklagte Ersin B. aus Eschweiler am 3. Juni 2013 den ihm bekannten Rachid B. aus Stolberg mit seinen Helfershelfern auf einem Parkplatz an der Autobahn 44 bei Aldenhoven entführt haben. Dort bedrohte er ihn so, dass der Stolberger um sein Leben fürchtete und sich durch einen Spurt auf die Straße in Sicherheit brachte. Er hielt ein Auto an, das ihn zur nächsten Polizeistation brachte.

Hintergrund der Geschichte war, so sah es auch das Gericht, ein mutmaßlich dubioses Geschäft, aus dem Rachid B. und ein weiterer Beteiligter aus Köln bei dem Angeklagten noch Schulden haben sollten. Deswegen, so hatte das Opfer nach seiner Flucht gegenüber der Polizei in Alsdorf angegeben, hätten die Entführer auf dem Pendlerparkplatz in Aldenhoven von ihm gefordert, seinen Kumpel in Köln anzurufen. Er sollte ihn bewegen, bis zu 90.000 Euro zurückzuzahlen. Ansonsten werde Rachid B. an der Autobahn 44 Schlimmes passieren.

Der Kölner Zeuge sei zwar in der Domstadt ebenfalls etwa gleichzeitig zur Polizei gegangen. Zum Prozess aber habe er nicht geladen werden können. Er sei seitdem verschwunden und nicht auffindbar, resümierte Richter Vogt die Beweislage. So sei die Zeugenaussage des mutmaßlichen Opfers weder zu betätigen noch zu widerlegen.

Als Zeugen wurden auch die Polizisten vernommen, die die Anzeigen aufgenommen hatten. In der Zeugenaussage eines Kölner Kripobeamten wurde dabei offenbar, dass es sich bei der Geschichte auch nicht um 90.000 Euro, sondern eher um nur 9000 Euro gehandelt habe. Das jedenfalls hatte im Jahr 2013 der angebliche Kölner Schuldner Vladi P. bei seiner polizeilichen Vernehmung zu Protokoll gegeben.

Im Zweifel für den Angeklagten - so wertete am Ende das Gericht die Prozesssituation und sprach Ersin B. frei. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Verteidiger hatten bereits in einem früheren Stadium des Verfahrens signalisiert, in dieser Einschätzung derselben Meinung zu sein. Das Gericht hatte dennoch bis zuletzt versucht, weitere Anhaltspunkte für eine Schuld oder eine Unschuld des Angeklagten zu finden. Das gelang allerdings nicht.

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