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„Entenhausen” als Wissenschaft: Donald-Duck-Kongress in Köln

Von: dpa
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Donald Duck Comic Ente Symbol Archivbild: Caroline Seidel/dpa
Gut 200 selbsternannte Forscher und Fans der Comic-Ente „Donald Duck” sind am Samstag nach Köln gekommen. Archivbild: Caroline Seidel/dpa

Köln. Sein dunkelstes Geheimnis hat Mark Benecke gut kaschiert. Auf seiner schwarzen Weste leuchten deutlich sichtbar nur die bunten Donald-Duck-Anstecker. Doch unter der Weste versteckt trägt er auch noch einen Button von Micky Maus. Der 45-jährige Donaldist mag nicht nur Donald, sondern auch die weltweit noch viel bekanntere Maus aus dem Hause Disney.

Damit ist er auf dem 39. Kongress der D.O.N.A.L.D. („Deutsche Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus”) am Samstag in Köln eine Ausnahme. Denn unter den wahren Donald-Fans ist Micky Maus eher verpönt.

Aus allen Himmelsrichtungen sind rund 200 Donald-Fans ins Filmforum des Museum Ludwig gekommen. Die Donaldisten haben es zur Wissenschaft erhoben, die Entenhausener Welt zu erforschen. Ihr Forschungsmaterial ist klar definiert: Es sind die Werke des Zeichners Carl Barks (1901-2000), des in den Augen der Donaldisten einzig wahren Zeichners der Entenfamilie. Eine ganze Welt habe er aus Donald gemacht, Geschichten, Orte und weitere Figuren erfunden. 6000 Comicseiten sind es geworden.

Sogar eine Hymne haben die Donaldisten: das Lied vom „rührseligen Cowboy”. Es soll das einzige Lied sein, dass die Figur Donald Duck komponiert hat. Im Filmsaal erheben sie sich dazu von ihren Sitzen und singen mit viel Inbrunst den Text: „Und lieg ich dereinst auf der Bahre, dann denkt an meine Gu-i-tah-re! Und gebt sie mir mit in mein Grab!”

Auch der Beifall danach ist echt donaldistisch. Man katscht nicht in die Hände, sondern ruft laut in den Saal: „Klatsch, Klatsch, Klatsch!”.

Auf der Bühne gibt es Kurzvorträge zu neuen Erkenntnissen und Thesen rund um Entenhausen. Wie viele Flugplätze gibt es in der Stadt und müssten es nicht mehr sein? Immerhin ist Entenhausen eine Großstadt! Kann man dort eigentlich sterben, wo doch keine vernünftigen Friedhöfe in den Comics auftauchen? Und übrigens, jetzt ist es nachgewiesen: Gold ist in Entenhausen magnetisch!

Wären die Comics eine Computerspiel, man würde die Donaldisten wohl als Nerds bezeichnen. Doch was ist das denn nun alles? „Wissenschaft”, sagen die einen. „Leidenschaft”, die anderen. „Das ist wie bei einer Religion”, sagt Mark Benecke. „Es gibt die Grundannahme, dass Entenhausen irgendwo existiert.”

Mit seinen 45 Jahren gehört Benecke definitiv zu den jüngeren Donaldisten. Ob es demnächst ein Nachwuchsproblem gibt? Benecke rät: Wenn jeder drei Neffen hätte, so wie Donald - dann wäre das schnell gelöst. Und Viola Dioszeghy-Krauß (65) tröstet sich damit, dass es angeblich eine Anfrage von einem zehnjährigen Nachwuchsfan gebe. Er habe seine Comicsammlung schon komplett „entmaust” - also von der ungeliebten Micky Maus befreit.

Von der hält Dioszeghy-Krauß nämlich nicht viel. In der Mittagspause steht sie im Foyer, lange graue Haare und Brille, in der Hand eine Laugenbretzel. „Langweilig!” findet sie die Maus. „Das ist immer das Gleiche.” Sie beschäftige sich lieber mit Donald, hat als promovierte Sportwissenschaftlerin schon zu den Kampfkünsten der Figuren geforscht, aber auch zur Sprache und zu den Rollenbildern und Tabus.„Ich bin eine Donaldistin der ersten Stunde”, sagt sie.

Dann hat es Dioszeghy-Krauß plötzlich eilig. Eine Glocke hat geklingelt, um die Pause zu beenden. Nun will sie schnell zurück in die bunte Welt von Donald. Es war eine echte Glocke - kein Chor, der „Klingeling” sagte.