Engpass für angehende Lehrer

Von: Isabelle Hennes und Thorsten Karbach
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Schlechte Aussichten für junge Lehrer. Foto: dpa

Aachen/Köln. Mit diesem Sommer beginnt die große Durststrecke für zig junge Lehrer. Der doppelte Abi­turjahrgang hat die Gymnasien verlassen, gleichzeitig werden nach der Reform der Lehrerausbildung gleich zwei Referendars-Jahrgänge fertig. Das bedeutet: Die meisten Lehrerkollegien an den Gymnasien sind eigentlich zu groß für nur noch acht Jahrgänge, es dürften gar keine neuen Lehrer eingestellt werden.

Sie werden aber – zumindest rund 300 zum 1. August. „Wir haben, obwohl wir dazu nicht verpflichtet sind, extra einen Einstellungskorridor geschaffen, damit überhaupt eingestellt wird“, sagt Jörg Harm, Pressesprecher des Schulministeriums. Insgesamt umfasst besagter Korridor sogar 1000 Stellen, das Ministerium will so unter anderem sicherstellen, dass pensionierte Lehrer in Mangelfächern ersetzt werden können.

Dieser Korridor ist natürlich verschwindend klein im Vergleich zu normalen Jahren: 300 Stellen gibt es in „normalen“ Jahren in jedem Regierungsbezirk. Nun gibt es sie landesweit. Auch ein Einser-Examen garantiert da keinen Job mehr. Im Gegenteil: Mehr Lehrer müssen Plan B aus der Tasche holen, statt an Gymnasien haben sie sich an Gesamtschulen oder Berufskollegs beworben.

Doch auch dort sind die Aussichten aufgrund der großen Konkurrenz kaum besser. So arbeiten ausgebildete junge Lehrer wieder an Hochschulen oder suchen sich eine ganz neue Tätigkeit – ganz ohne Schüler. Beate Müller-Pohl, seit mehr als zehn Jahren Ausbildungsbeauftragte am Geschwister-Scholl-Gymnasium (GSG) in Aachen, kennt ausgebildete Referendare, die Ende 20 wieder bei ihren Eltern einziehen mussten. Ein bitterer Schritt.

Dennoch: Unbeirrt wählen junge Menschen diesen Ausbildungsweg und wollen Lehrer werden. Der nächste Referendarsjahrgang hat – im Bewusstsein der schlechten Perspektive – noch vor den Ferien den Dienst aufgenommen. „Ich war wirklich heiß drauf, dass es endlich losgeht“, sagt Imke Kleines, 25 Jahre, aus Aachen. Was danach kommt, ist der neuen Referendarin am GSG und ihren Kollegen zwar nicht egal. Aber sie sehen es entspannt. Wer könne heute noch sicher sein, seinen Beruf tatsächlich 40 Jahre lang auszuüben.

Für Rainer Siemund, Personalrat für Lehrer an Gymnasien bei der Bezirksregierung Köln, ist das eine nachvollziehbare Strategie, mit der Unsicherheit umzugehen: „Das Referendariat vereinnahmt die gesamte Gedankenwelt.“ Hinzu kommt, dass die Referendare noch nicht die Existenznöte haben, die Jobsuche in anderthalb Jahren in weiter Ferne liegt, wenn sie erst einmal ihr Zeugnis in der Tasche haben und keinen Job finden.

100.000 neue Stellen

Diese Not haben andere. Aktuell sind in ganz NRW 59 Stellen ausgeschrieben, davon keine einzige an einem Gymnasium, 28 an Gesamtschulen und zwölf an Berufskollegs. Im Regierungsbezirk Köln gibt es nur vier Stellen – jeweils zwei an Grund- und Förderschulen. Hinzu kommen neun Stellen an sogenannten Ersatz- also nicht öffentlichen Schulen. Die Zahl der Bewerber ist teilweise dreistellig.

Bei der Bezirksregierung geht man von einer Besserung der Lage in zwei bis drei Jahren aus. Tatsächlich werden in den nächsten 20 Jahren an öffentlichen und privaten Schulen im Land 100.000 Lehrerstellen zu besetzen sein, teilt das Ministerium mit. An den Gymnasien sollen die Chancen erst 2016 besser werden. Für die neuen Referendare keine gute Nachricht.

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