Düren - Ende des Wartens auf den frühen Tod

Ende des Wartens auf den frühen Tod

Von: Guido Jansen
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Drei Mal die Woche Dialyse - so sah das Leben von Kurt Rehbein jahreland aus. Dank eines neuen Verfahrens hat ihm im März seine Frau eine Niere gespendet, obwohl sie eine andere Blutgruppe hat. Foto: imago/Olaf Döring

Düren. Zehn Jahre haben die Rehbeins gekämpft. Mit der Krankheit des Mannes, all den kleinen und großen Problemen des Alltags. Am 12. März hat ihr neues Leben begonnen. Seit diesem Tag lebt der 55-jährige Kurt Rehbein mit der Niere, die ihm seine Frau Marita gespendet hat.

Seitdem bereitet sich die Dürener Familie nicht mehr auf seinen frühen Tod vor, sondern hofft auf einen gemeinsamen Lebensabend. Dank seiner Frau. Und Dank einer neuen Behandlungsmethode, die eine Nierentransplantation möglich macht, obwohl die Blutgruppen von Spender und Empfänger nicht übereinstimmen.

Kurt Rehbein war der erste Patient an der Universitätsklinik Köln, bei dem eine derartige Organspende vorgenommen wurde. In NRW gab es im vergangenen Jahr nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) lediglich jeweils in Bochum und Düsseldorf eine sogenannte AB0-inkompatible Spende.

Von einer solchen Chance haben Marita und Kurt Rehbein viele Jahren lang nicht zu träumen gewagt. Das völlige Nierenversagen im Jahr 2004 war das erste Problem. „0 negativ” lautete das nächste. Eine seltene Blutgruppe. Fehlanzeige innerhalb der Familie. Auch mit Hilfe der Warteliste konnte in den fünf Jahren, in denen der Vater zweier erwachsener Kinder Dialysepatient war, keine Spenderniere gefunden werden. „Der Tod auf der Warteliste war die einzige Perspektive”, erzählt Marita Rehbein.

Von einem gemeinsamen Lebensabend hatte sich das Paar mental schon verabschiedet. Stattdessen drei Mal pro Woche Dialyse. Reisen, Freunde treffen oder gemeinsame Spaziergänge mit den drei Labrador-Hunden - Kurt Rehbein war zu krank dafür.

Trotz strenger Diät und einem gesunden Lebenswandel fühlte sich Kurt Rehbein immer schwächer. „Es hat Momente gegeben, in denen ich befürchtet habe, dass er sich aufgibt”, erzählt Marita Rehbein. „Und jetzt haben wir noch einmal die Möglichkeit, unser Leben in die Hand zu nehmen”, sagt sie. Unglaublich.

Kurt Rehbein blickt zu seiner Frau, die ihm am Tisch gegenüber sitzt und bemüht sich, seine Rührung zu verbergen, als die Frage gestellt wird, wie dankbar er sei. „Das kann ich nicht in Worte fassen. Ich weiß ja nicht mal, ob ich so schnell wie sie ja zu einer Nierenspende gesagt hätte”, sagt er leise.

Marita Rehbein winkt ab. „Für mich war das schon immer klar.”

Allerdings war die Forschung nicht weit genug. Einem Freiburger Team war es 2004 erstmals in Deutschland gelungen, die heftigen Abstoß-Reaktionen bei AB0-Inkompatibilität einzudämmen. Im vergangenen Herbst bekam Kurt Rehbein in seiner Dialysepraxis den Tipp, bei Professor Thomas Benzing in Köln vorzusprechen. Es folgten viele Untersuchungen und eine lange Vorbereitungsphase, in dem sein Immunsystem heruntergefahren wurde. Dann kam der 12. März.

Mittlerweile ist der erste Spaziergang mit den Hunden bereits Geschichte, der erste Besuch im Fitness-Studio soll bald folgen. Überstürzen will er nichts. Nicht nur, weil er sich schonen muss.

Kurt Rehbein hat viele Arzttermine und noch mehr Regeln, die er befolgen muss, damit er wieder auf die Beine kommt. Außerdem soll Stress keine Rolle mehr in seinem Leben spielen. Schließlich kann Stress ein Grund für Bluthochdruck und damit für Nierenprobleme sein. „Ich habe ihm gesagt, dass er jetzt gut auf sich Acht geben soll”, sagt Marita Rehbein. „Ich habe nämlich nicht noch eine Niere übrig.”

Anzahl der Nierentransplantationen und Verfahren

Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) 2753 Nierentransplantationen in Deutschland durchgeführt. 565 davon waren Lebendspenden.

51 Mal ist eine Niere transplantiert worden, obwohl die Blutgruppen von Spender und Empfänger nicht übereingestimmt haben. Die hierbei führenden Zentren sind Hannover und Freiburg.

2008 hat es in NRW in Bochum und Düsseldorf jeweils eine sogenannte AB0-inkompatible Spende gegeben. In Köln sind in diesem Jahr bereits mehrere AB0-inkompatible Spenden vorgenommen worden. „Das Verfahren der AB0-inkompatiblen Spende ist mittlerweile eine medizinische Standard-Dienstleistung”, erklärt Professor Uwe Heemann, der auch Präsident der Deutschen Transplantations-Gesellschaft ist. „Für einige Patienten ist diese Methode sicher eine Chance, die es früher nicht gegeben hat.”

Dass die Nierenspende trotz unterschiedlicher Blutgruppen eine großflächige Lösung für Dialysepatienten darstellen könnte, bezweifelt Heemann allerdings. „Der gesundheitliche Zustand der potenziellen Spender im Umfeld des Patienten ist ein großer limitierender Faktor.”

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