Empörung über Englisch-Prüfung: Schüler fordern Neuauflage

Von: Angela Delonge und Madeleine Gullert
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Sehr schwer oder zu schwer? Möglicherweise muss eine Zentrale Englischprüfung für 10. Klassen in NRW wiederholt werden. Foto: dpa

Aachen/Düren. Schüler in ganz Nordrhein-Westfalen klagen über eine „zu schwere“ Englisch-Zentralprüfung. In einer Online-Petition, die Freitagnachmittag schon mehr als 31.000 Menschen unterzeichnet hatten, wird jetzt eine Neuauflage der Prüfung gefordert. Am Donnerstag hatten alle Haupt-, Real-, und Gesamtschüler in NRW die Prüfung geschrieben.

Die Aufgaben werden zentral vom Schulministerium gestellt. Sie beinhalten zwei Prüfungsteile mit Aufgaben zum Hör- und Leseverstehen sowie zum Schreiben. Die Aufgaben sind unterschiedlich anspruchsvoll, je nachdem ob es sich um den Hauptschulabschluss oder den Mittleren Schulabschluss handelt. Die Themen waren in diesem Jahr Südafrika und Großbritannien. Für Schüler, die einen Hauptschulabschluss anstreben, gab es eine neue Aufgabe. Statt eines Bewerbungsschreibens wie in den vergangenen Jahren mussten sie eine E-Mail an einen südafrikanischen Jugendlichen schreiben.

„Die Aufgaben waren total schwer“, sagt eine Stolbergerin, deren Tochter eine Schule in Aachen besucht. Die Hälfte der Klasse habe bei der Hörverstehensaufgabe geweint. Die Schule habe noch am selben Tag Sondersitzungen zu dem Thema einberufen.

Die Hörverstehensaufgabe, unter anderem eine Rede von Prinz Harry, wurde von den meisten als Hauptschwierigkeit genannt. Die Podcasts seien mit starkem Hall unterlegt gewesen, sagte der Vater einer betroffenen Tochter unserer Zeitung. Ein Schüler von der Eschweiler Realschule Patternhof berichtete ebenfalls, dass er die Prüfung trotz intensiver schulischer Vorbereitung anhand der Prüfungen der vergangenen Jahre als zu schwer empfunden habe.

So habe der Text zum Leseverstehen zu 90 Prozent aus englischen Fremdwörtern bestanden. Auch der zweite Prüfungsteil mit der Aufgabe, einen vorhandenen Text zu Ende zu schreiben oder diesen zu kommentieren, sei nur schwer lösbar gewesen, da der Text sehr kompliziert gewesen sein. Auch diverse Lehrer ließen verlauten, dass die Prüfungsaufgaben von ihrer Komplexität her wohl eher für Oberstufenniveau geeignet gewesen seien.

Ein Gesamtschullehrer aus Krefeld monierte: „Wir bekommen als Schule zu wenig gesagt, was von den Schülern gefordert wird.“ Es hieße nebulös „Südafrika“. In der Prüfung werden dann sehr spezifische Themen abgefragt. „Die Schere zwischen Vorgaben und Unterricht klafft so weit auseinander wie nie zuvor.“ Der Hörteil für Hauptschüler sei viel zu lang (18 Minuten) und komplex für Schüler dieses Klientels gewesen. Der Test für die anderen Schulformen habe dem Lehrplan nicht entsprochen.

Die Kritik an den Prüfungsaufgaben bestätigt auch Brigitte Balbach, Vorsitzende von Lehrer NRW, dem Verband für Lehrer im Sekundarbereich I. Etliche Rückmeldungen von Lehrern wiesen darauf hin, dass die Hörverstehensaufgabe sehr schwer zu verstehen gewesen sei. „Fachlehrer, sogar Muttersprachler, melden zurück, dass sie selbst große Probleme hatten, die Hörverstehens-Aufgabe zu verstehen und zu lösen“, sagte Balbach. „Außerdem waren viele Vokabeln unbekannt, berichten uns Lehrer“. Am Montag werde sie bei einem schon länger angesetzten Treffen im Schulministerium des Hauptpersonalrats Realschulen das Thema auf die Tagesordnung nehmen. Wie ein Schulleiter aus Aachen unserer Zeitung sagte, gehe der Großteil der Empörung von Eltern aus. Es habe viele Schülerrückmeldungen nach der Klausur gegeben, demnach seien viele Schüler entsetzt gewesen. Ob tatsächlich, wie befürchtet, Abschlüsse gefährdet seien, könne erst nach der Korrektur gesagt werden.

Auch Jürgen Momma, Rektor an der Realschule Wernerstraße in Düren, gibt zu bedenken, dass die Prüfungen noch nicht ausgewertet seien. „Vielleicht ist die Schwere der Aufgaben bei der Bewertung einbezogen“, sagte Momma. Auch bei ihm an der Schule hätten die Englischlehrer erklärt, dass die Prüfung in diesem Jahr schwieriger gewesen sei. „Erfahrungsgemäß gibt es bei der Zentralen Prüfung aber eine Art Wellenbewegung. In einem Jahr ist sie besonders leicht, danach wieder schwer.“

Das Schulministerium prüfe die Angelegenheit, sagte ein Sprecher am Freitag gegenüber unserer Zeitung. Die Themen der „ZP10 Englisch“ orientieren sich nach Angaben des Ministeriums generell an den inhaltlichen Schwerpunkten des soziokulturellen Orientierungswissens der Kernlehrpläne.

Freitagnachmittag dann veröffentlichte Lehrer NRW schließlich eine Mitteilung, in der der Verband eine Wiederholung der Prüfung als unabdingbar bezeichnete, „sofern sich die Mängel in den Aufgaben bei der jetzt laufenden Überprüfung durch das Ministerium bestätigen“. Sollte eine Wiederholung „aus terminlichen und/oder organisatorischen Gründen scheitern, muss zumindest die Hörverstehens-Aufgabe aus der Bewertung herausgenommen werden“, hieß es in der Mitteilung weiter.

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